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René Magritte: "La Raison Pure" (1948)

Künstler

Der belgische Surrealist René Magritte (1898-1967) gilt als „eine der Schlüsselfiguren der Kunst des 20. Jahrhunderts" (Fischer: Lemma „Philosophie"). Magritte, der zahlreiche rätselhafte Bilder malte, sah sich weder als Künstler noch als Philosoph sondern als denkender Mensch, der seine Gedanken durch Malerei vermitteln wollte – gewissermaßen als Künstler des Denkens. Magritte versuchte durch seine Bilder gerade philosophische Aussagen zu transportieren und wollte Zeit seines Lebens seiner Malerei eine der Sprache ebenbürtige Ausdrucksform verleihen. Oft malte er, was ihm wichtig schien, ohne weitere Erklärungen abzugeben. So bleibt das Mysterium in seinen Bildern vielfach ohne Auflösung.

 

Werk

„La Raison Pure" („Die reine Vernunft"), 1948, Gouache auf Leinwand; 60 x 73 cm.

Interpretationshinweise: Der Titel des Werks nimmt Bezug auf Kants „Kritik der reinen Vernunft" (franz.: „Critique de la raison pure"), erschienen in Riga 1781. Die 1948 entstandene Gouache „La Raison Pure" (LRP) zeigt eine allegorische, surrealistische Szene. Sie geht u. a. auf ein 1944 geschaffenes Werk „Le météore" zurück, das ebenfalls einen mit prächtiger Mähne versehenen Pferdekopf vor einem Wald zeigt - allerdings ohne Reiter im Hintergrund und bei abweichender Gestaltung des Waldes. Bei LRP handelt es sich also um eine unter Verwendung von Motiven aus früheren Werken geschaffene Variante, was für das Schaffen Magrittes typisch ist.

Äußerungen Magrittes über LRP sind nicht bekannt. Über „Le météore" schrieb er, dass das Pferdeporträt einen „märchenhaften" Eindruck hinterlasse, der für ihn das „wahre Leben" bedeute und dass der Ersatz des erschöpften menschlichen Antlitzes durch ein Tiergesicht „eine starke Ausstrahlung des Lebens" bedeute. Dies sei als „Gegensatz zu Politikern oder Tyrannen" („bullies") zu sehen. Märchenhaft erscheint auch der aus unwirklich-statischen Blättern (ebenfalls ein Versatzstück aus früheren Werken) bestehende Wald, der viel zu kleine Reiter im Hintergrund und das wallende Haar der Mähne. Auch der menschlich anmutende Pferdekopf deutet die märchentypische Überlagerung menschlicher und tierischer Sphären an.

Magritte befasste sich intensiv mit zeitgenössischen Philosophen (v. a. mit Michel Foucault), setzte sich aber auch mit Descartes, Kant, Hegel und Heidegger auseinander, wobei er stets im Unkonkreten, eher Poetischen (hier Märchenhaften) verharrte, so auch in seinem 1967 entstandenen Gemälde "Le siècle de Lumière" („Das Zeitalter der Aufklärung"). Auch der Titel von LRP bietet keine Erklärung, vielmehr stellen Titel und Bild eine Einheit dar. Die verwendeten Motive mit ihren transzendierenden Botschaften in Verbindung mit dem Kant-Zitat sollen den Betrachter überraschen und zum selbstständigen Nachdenken veranlassen – ganz im Sinne Kants. Da eine Erklärung nicht gegeben wird und wohl auch nicht existiert, muss das Werk für sich selbst sprechen.

 

Literatur

  • David Sylvester (ed.): René Magritte - Catalogue Raisonné, Bd. II: Oil Paintings and Objects 1931-1948. Antwerp 1993, S. 168, 312, 336 (zu „Le météor"), 413 (zu LRP).
  • Christoph Grunenberg, Darren, Pih: Magritte. A bis Z. Wien u. a. 2011.
  • Christoph Gruneneberg: Lemma „Kitsch". In: Grunenberg/Darren (wie oben), S. 112-114.
  • Gisela Fischer: Lemma „Philosophie". In: Grunenberg/Darren (wie oben), S. 154-156.

 

Copyright/ Aufbewahrungsort

© VG Bildkunst, René Magritte / ADAGP. Das Bild gehört den „Royal Museums of Fine Arts of Belgium", Brüssel. Die weitere Verbreitung dieser Abbildung ist ohne ausdrückliche Zustimmung der Rechteinhaber untersagt. Reproduktions- und Nutzungsrechte liegen bei ADAGP Image Bank.

Publiziert im Januar 2019

 

Zitierweise

Matthias Weber: Immanuel Kant in Werken der modernen Kunst – René Magritte; https://www.bkge.de/Projekte/Kant/matthias-weber/Magritte_Rene.php

 

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