Heimatsammlungen

Heimatsammlungen

Dokumentation der Heimatsammlungen in Deutschland - Projekt am Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Dokumentation der Heimatsammlungen in Deutschland

Ein Projekt am Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg.

 

 

Das Projekt und die Datenbank wurden im Dezember 2012 abgeschlossen.

Für Mitteilungen und Korrekturen wenden Sie sich bitte an das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE)

 

Heimatsammlungen als Forschungsgegenstand

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es mehrere hundert kleinere museale Einrichtungen der Flüchtlinge, Vertriebenen und Aussiedler, die oft als „schlesische“, „pommersche“, „ostpreußische“ oder regionenübergreifend als „ostdeutsche“ Heimatstuben oder Heimatsammlungen bezeichnet werden. In ihnen werden Erinnerungsgegenstände unterschiedlicher Art ebenso wie historisch, künstlerisch oder volkskundlich wertvolle Objekte sowie Bücher und Archivalien - häufig Unikate - aufbewahrt. Manches war bereits auf der Flucht mitgeführt worden, vieles wurde später durch Ankäufe oder bei Besuchen in den früheren Wohnorten erworben, sodass im Laufe der Jahrzehnte nicht selten umfangreiche Sammlungen entstanden sind.

Bisher wurden insbesondere museologische und konservatorische Probleme, die aus der Genese und der Heterogenität der Sammlungen resultierten sowie einzelne kultur- und sozialwissenschaftliche Aspekte des Themas zumeist in kürzeren Beiträgen behandelt. Für bestimmte Herkunftsgebiete und für einzelne Bundesländer wurden Verzeichnisse der Einrichtungen zusammengestellt. Die Bedeutung der Heimatsammlungen und der in ihnen enthaltenen Kulturgüter wurde allerdings noch nie insgesamt betrachtet und dokumentiert. Dies erscheint umso notwendiger, als der Bestand vieler Einrichtungen auf Dauer nicht gesichert ist. Das Projekt Dokumentation der Heimatsammlungen in Deutschland nimmt diese Thematik zum ersten Mal in ihrer gesamten Bedeutung in den Blick.

Projektziele

- Erstens: die vollständige Erfassung und Präsentation aller in Deutschland bestehenden Heimatsammlungen. Eingeschlossen werden auch diejenigen Sammlungen, die heute schon nicht mehr als selbständige Einrichtungen bestehen. Jede einzelne Sammlung soll durch einen kurzen Abriss ihrer Geschichte sowie eine (summarische) Dokumentation ihrer Bestände charakterisiert werden. Im Ergebnis wird - zunächst in Form einer laufend aufgebauten und von Anfang an öffentlich zugänglichen Internet-Präsentation http://www.bkge.de/Heimatsammlungen - erstmals eine vollständige Gesamtdokumentation vorgelegt werden.

- Zweitens: die monographische Aufarbeitung des Phänomens „Heimatsammlungen“. In einer begleitenden Gesamtdarstellung sollen die Geschichte (Gründung, Entwicklung) und die gesellschaftliche Funktion insbesondere für die Integration der Vertriebenen (Orte der Kommunikation und Identitätsbewahrung) dargelegt, die politische Dimension umrissen sowie eine kulturhistorische Einordnung der Heimatsammlungen vorgenommen werden. In einem interdisziplinären Zugang werden dabei Fragestellungen und Methoden der Geschichtswissenschaft, der Europäischen Ethnologie und der Museologie verknüpft. Quellen der geplanten Darstellung sind unter anderem die Sammlungen selbst, Dokumente und Archivalien der Kommunen und Länder, die Vertriebenenpresse sowie ergänzende Interviews.

Die Verknüpfung beider Projektziele lassen Synergien erwarten, die sich Erfolg versprechend auf das wissenschaftliche Gesamtergebnis auswirken. In wechselseitiger Ergänzung sollen beide Projektteile die Bedeutung der Heimatsammlungen als Elemente der deutschen Erinnerungskultur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart dokumentieren.

Projektorganisation und Kooperationen

Das Vorhaben, das im Juli 2008 begonnen wurde, steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Silke Göttsch-Elten, Kiel, und ist am Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angesiedelt. Es wird in Zusammenarbeit mit dem von Prof. Dr. Matthias Weber geleiteten Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa in Oldenburg realisiert. Durch den Wissenschaftsbereich Europäische Ethnologie/Volkskunde (Prof. Dr. Kurt Dröge, Dr. Heinke Kalinke) des Bundesinstituts wurden bereits Vorarbeiten geleistet, so dass hier auch der Arbeitsort des Projekts eingerichtet wurde. Bearbeiterin ist die Kulturwissenschaftlerin Cornelia Eisler M.A. Das Projekt wird vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien auf Grundlage von § 96 BVFG finanziert.

Ein Fachgremium, in dem Mitglieder des Präsidiums des Bundes der Vertriebenen, des BdV-Landesverbandes Niedersachsen, des Deutschen Museumsbundes, des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen e.V. sowie die Direktoren der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne und des Schlesischen Museums zu Görlitz vertreten sind, begleitet das Projekt und bietet Gewähr für dessen transdisziplinäre Ausrichtung. Die Erfassung der Sammlungen findet ferner in Abstimmung und im Austausch mit den derzeit bereits in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen laufenden regionalen Erfassungsprojekten, mit den für die Heimatsammlungen zuständigen Initiativen und den nach § 96 BVFG geförderten Museen statt.

 

Literaturhinweise

  • Mathias Beer, Elisabeth Fendl, Henrike Hampe: Heimatsammlungen von Flüchtlingen und Vertriebenen in Baden-Württemberg. In: Annemarie Röder (Hg.): Gerettet - gesammelt - gesichtet: Heimatsammlungen von Vertriebenen und Flüchtlingen in Baden-Württemberg. Stuttgart 2012, S. 7-13.
  • Mathias Beer: Heimatmuseum – Eine Bestandsaufnahme. In: Annemarie Röder (Hg.): Heimat – Annäherungsversuche. Stuttgart 2007, S. 54-62.
  • Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (Hg.): Was wird aus den Heimatsammlungen? Überlegungen, Denkanstöße, Lösungsansätze. [Oldenburg] 2007.
  • Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa: Dokumentation des Kolloquiums: Was wird aus den Heimatsammlungen? Zukunftsperspektiven für die historisch-ostdeutschen Heimatmuseen und Heimatstuben in Deutschland und die dort verwahrten Sammlungen und Archivbestände, veranstaltet vom Schlesischen Museum zu Görlitz, der Martin-Opitz-Bibliothek Herne und dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Oldenburg 11.-12. Dezember 2006. [als Typoskript vervielfältigt].
  • Kurt Dröge: Das "ostdeutsche" Museum und Ostmitteleuropa. In: Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 43 (2000), S. 1-27.
  • Cornelia Eisler: Heimatstuben. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2011. URL: http://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/56539.html (Stand 12.01.2012).
  • Cornelia Eisler: Patenschaften. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2011. URL: http://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/53907.html (Stand 13.02.2012).
  • Cornelia Eisler: Die „verlorene Heimat im Osten“ in den Heimatstuben der deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen. In: Elisabeth Fendl (Hg.): Zur Ästhetik des Verlusts. Bilder von Heimat, Flucht und Vertreibung. Münster 2011 (Schriftenreihe des Johannes-Künzig-Instituts Freiburg 12), S. 125-139.
  • Cornelia Eisler: Historisch-ostdeutsche Heimatsammlungen in Deutschland. Eine interdisziplinäre Untersuchung zur Erinnerungskultur von Flüchtlingen und Vertriebenen nach 1945. In: Berichte und Forschungen. Jahrbuch des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa 16 (2009), S. 143-162.
  • Elisabeth Fendl: Deponien der Erinnerung – Orte der Selbstbestimmung. Zur Bedeutung und Funktion der Egerländer Heimatstuben. In: Hartmut Heller (Hg.): Neue Heimat Deutschland. Aspekte der Zuwanderung, Akkulturation und emotionalen Bindung. Erlangen 2002 (Erlanger Forschungen, Reihe A, Geisteswissenschaften 95), S. 63-78.
  • Silke Göttsch-Elten: Heimatsammlungen in Deutschland. Überlegungen zu ihrer heutigen Bedeutung. In: Berichte und Forschungen. Jahrbuch des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa 16 (2009), S. 135-142.
  • Silke Göttsch-Elten: Heimatsammlungen nicht nur aus Schlesien. Gedanken zu einem gemeinsamen kulturellen Erbe und dessen wissenschaftlicher Aufarbeitung. In: Śląska Republika Uczonych / Schlesische Gelehrtenrepublik / Slezská vědecká obec 5 (2012), S. 371-383.
  • Manuela Schütze: Zur musealen Aneignung verlorener Heimat in ostdeutschen Heimatstuben. In: Kurt Dröge (Hg.): Alltagskulturen zwischen Erinnerung und Geschichte. Beiträge zu einer Volkskunde der Deutschen in und aus dem östlichen Europa. München 1995 (Schriften des Bundesinstituts für Ostdeutsche Kultur und Geschichte 6), S. 95-111.
  • Mayra Thürmer: Fiedel, Klöppelspitze und Zunftpokal - Zur Inszenierung der 'alten Heimat' am Beispiel von zwei historisch-ostdeutschen Heimatstuben in Baden-Württemberg. Genese, Funktion und didaktische Analyse. Magisterarbeit, Pädagogische Hochschule Heidelberg. Heidelberg 2011.

 

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