Inhalt

Sie sind hier: BKGE » Onlinepublikationen » Archivführer » Staatsarchiv Stettin » Inhalt

Archivführer Stettin

Wählen Sie aus den möglichen Suchwegen

Gewählter Artikel

1.2.10. Finanzverwaltung

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich die Verwaltung der direkten und indirekten Steuern auf gesamtstaatlicher Ebene in Preußen in der Hand des Generaldirektoriums und der Generaldirektion der Zölle und Akzisen. Dagegen gehörte sie in jeder Provinz zum Aufgabenbereich der Kriegs- und Domänenkammern sowie der Provinzialdirektionen für Zölle und Akzisen. Als Ergebnis der von Stein und Hardenberg betriebenen Reformen wurde die gesamte Steuerverwaltung dem Finanzministerium unterstellt und in den Provinzen von den 1809 gebildeten Regierungen übernommen. Sie sollten alle direkten und indirekten Steuern verwalten. Anfangs wurde für die Provinz Pommern eine Regierung in Stargard eingerichtet. Die Finanzaufgaben wurden hier von einer Finanzdeputation sowie der Deputation für Akzise, Zölle und Salz wahrgenommen. In späteren Jahren wurden in den neugeschaffenen Regierungen Köslin und Stralsund ähnliche Deputationen gebildet. Seit der Reform der inneren Behördenorganisation der Regierungen im Jahre 1817 gehörten die Steuersachen zur Verwaltung der Abteilung II. Diese Organisation der Steuerverwaltung hatte bis 1825 Bestand, als es zu einer weiteren Behördenreform kam. Die Zentralbehörden lösten nun die Verwaltung über die indirekten Steuern und die Monopole aus dem Aufgabenbereich der Regierung heraus und richteten dafür in jeder Provinz eigene Ämter ein – die Provinzialsteuerdirektionen. In Pommern entstand eine derartige Institution am 1.1.1826 in Stettin. Gleichzeitig wurde auf der unteren Ebene ein Netz von Hauptzoll- und Steuerämtern geschaffen, das der Provinzialdirektion unterstand. Aufgabe der erwähnten Ämter war die Einziehung indirekter Steuern, vor allem von Akzisen, Zöllen, Schlacht- und Mahlsteuer sowie Monopolsteuern für Salz, Spiritus, Tabak und Zucker. Die Provinzialdirektion unterstand dem Generalsteuerdirektor im Berliner Finanzministerium. Durch die Einigung Deutschlands 1871 änderte sich die Steuerverwaltung nicht. 1908 nahm die Provinzialsteuerdirektion den Namen Oberzolldirektion an. Sie bestand aus drei Abteilungen – der Präsidial-, der Zollabteilung und der Abteilung für indirekte Steuern. Dieser Behörde unterstanden fünf Hauptzollämter in Kolberg, Rügenwalde, Stralsund, Swinemünde und Wolgast, vier Hauptsteuerämter in Stargard, Stettin, Stolp und Schivelbein sowie ein Netz von mehreren Dutzend Zoll- und Steuerämtern.

Zu wichtigen Änderungen bei der Steuerverwaltung kam es erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Durch den Übergang der Finanz- und Steuerangelegenheiten von den Bundesländern an die Zentralgewalt (Gesetz vom 10.9. und 13.12.1919) wurde die Steuerverwaltung neu strukturiert. Auf der untersten Ebene wurden zur Einziehung der direkten Steuern und Abgaben Finanzämter gebildet, für die indirekten Steuern blieb das Netz der Hauptzollämter sowie der ihnen unterstehenden Zollämter und Grenzzollkommissariate bestehen. Diese Institutionen unterstanden auf Länderebene oder – im Falle Preußens – auf Provinzebene dem jeweiligen Landesfinanzamt. Darüberhinaus existierte nach wie vor das Preußische Finanzministerium, dem die Kataster- und Bauverwaltung sowie die Unterhaltung der Staatsverwaltung unterstanden. In Übereinstimmung mit der erwähnten Reform wurde in Stettin am 1.10.1919 ein Landesfinanzamt gebildet, das die Steuern in der Provinz Pommern sowie im Nordteil der Grenzmark Posen-Westpreußen verwaltete. Es war in drei Abteilungen unterteilt – in eine Präsidialabteilung, eine Abteilung für direkte Steuern und eine Abteilung für indirekte Steuern und Zölle. Das Landesfinanzamt überwachte die Arbeit der 33 Finanzämter, darunter dreier Ämter in Stettin, sowie 15 Hauptzollämter und mehrerer Dutzend Zollämter und Grenzzollkommissariate. Dem Landesfinanzamt Stettin unterstanden auch die vier in Pommern existierenden Reichsbauämter, deren Aufgabe der Bau und die Instandhaltung staatlicher Gebäude war. Außerdem bestand auf Provinzebene beim Landesfinanzamt ein Finanzgericht, das alle strittigen Finanzfragen entschied, die nicht der Rechtsprechung der allgemeinen Gerichte unterlagen. 1937 wurde das Landesfinanzamt in Oberfinanzpräsidium Pommern umbenannt; es bestand bis Frühjahr 1945.

Literatur

Bitter, R. v.: Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung, Berlin u. Leipzig 1928.

Fenske, H.: Die Verwaltung Pommerns 1815–1945, Köln, Weimar u. Wien 1993.

Salmonowicz, S.: Administracja i prawo w prowincjach pomorskich [Verwaltung und Recht in den pommerschen Provinzen], in: Historia Pomorza [Geschichte Pommerns], Bd. IV, Teil 1 (1850–1918), hg. v. S. Salmonowicz, Toruń 2000.

Salmonowicz, S.: Podziały terytorialne i ustrój polityczny ziem pomorskich w latach 1815–1850 [Territoriale Gliederung und politisches System der pommerschen Gebiete in den Jahren 1815–1850], in: Historia Pomorza [Geschichte Pommerns], Bd. III, Teil 1, hg. v. G. Labuda, Poznań 1993.

PG

Zum Anfang

Stand: 30.11.2004

BKGE-Flyer als herunterladbare PDF-Datei