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Archivführer Stettin

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Begriff: Städtisches Museum Stettin

2 Bestände:

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1186 Pommersches Landesmuseum in Stettin (Pomorskie Muzeum Krajowe w Szczecinie)

[1835–1926] 1927–1945; 147 AE, 1,2 lfm.

Das Pommersche Landesmuseum in Stettin entstand aufgrund eines am 21.12.1927 zwischen dem Provinzialverband Pommern und der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde geschlossenen Vertrags. Durch diese Vereinbarung wurde dem Verband rechtlich die Fürsorge für die musealen Sammlungen der Gesellschaft übertragen, die seit 1824 zusammengetragen worden waren und seit 1913 im Städtischen Museum aufbewahrt wurden; für Ausstellungszwecke wurde ein Gebäude an der Luisenstraße übergeben. Am 18.8.1928 erfolgte die feierliche Eröffnung des Regionalmuseums unter dem Namen Provinzialmuseum Pommerscher Altertümer. An der Spitze dieser Institution stand ein Direktor, der von einem beratenden Organ unterstützt wurde, dem Verwaltungsausschuß, dessen Mitglieder Vertreter des Provinzialverbands sowie der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde waren. In 30 Ausstellungssälen wurden die Sehenswürdigkeiten der Gesellschaft in vier thematischen Gruppen gezeigt, die den vier inhaltlichen Abteilungen entsprachen, welche das gesamte Bestehen des Museums über erhalten blieben: Urgeschichte, Volkskunde, kirchliche Kunst sowie Landesgeschichte und Stadtkultur. Es war auch daran gedacht, noch eine Militärabteilung einzurichten. 1933 und 1934 wurde das Museumsinnere modernisiert; die Zahl der Ausstellungsräume vergrößerte sich auf 45. Das Haus wurde am 2.11.1934 wiedereröffnet, nun bereits unter seinem neuen Namen Pommersches Landesmuseum. Führend war jetzt die Abteilung für Urgeschichte, die bis 1945 von Dr. Otto Kunkel (1895–1984) geleitet wurde, der seit der Gründung Museumsdirektor war. Sein engster Mitarbeiter war Dr. Hans Jürgen Eggers (1906–1975), der gemeinsam mit Kunkel zahlreiche Grabungen in ganz Pommern durchführte. Die volkskundliche Abteilung wurde von Dr. Walter Borchers (1906–1980) geleitet, während die Geschichte von Region und Stadt sowie die Abteilung für kirchliche Kunst zunächst kurz von Dr. Franz Balke, später dann von Dr. Helmuth Bethe (1901–1958) geleitet wurden. Insgesamt waren im Museum einschließlich des Direktors acht bis zehn Mitarbeiter beschäftigt, darunter fünf wissenschaftliche. Durchschnittlich kamen jährlich rund 20 000 Personen in die Ausstellungen (ohne Schulklassen). Das Museum war ohne größere Einschränkung bis 1942 geöffnet, als die Bestände aus Angst vor den alliierten Bombenangriffen nach und nach in pommersche Burgen und Schlösser sowie in die Tresore anderer Institutionen ausgelagert wurden. Auf Anweisung von Direktor Kunkel wurden die Exponate aus den Magazinen auf dem Speicher in den Keller gebracht, wo sie in Kisten verpackt wurden. Während dieser Arbeiten wurde bei einem Fliegerangriff am 6.1.1944 ein Teil des Daches mit einer gewissen Zahl von Museumsstücken ein Raub der Flammen. Große Verwüstungen rief auch der Angriff in der Nacht vom 17. auf den 18.8.1944 hervor.

Im Januar 1945 wurde das Museum schließlich endgültig für Besucher geschlossen. Mitte April 1945 wurde wegen der direkten Bedrohung Stettins durch die sich nähernde Front der Direktor wie auch viele andere, die bislang vom Militärdienst verschont geblieben waren, zum Volkssturm einberufen, mit dem er die Stadt am 24.4.1945 verließ. Damit hörte das Pommersche Landesmuseum nach nicht einmal 17 Jahren auf zu bestehen. Nach dem Krieg wurde das Gebäude des einstigen Landesmuseums gemeinsam mit den erhaltenen Musealien vom Pommerschen Museum (Muzeum Pomorza Zachodniego) übernommen, dem heutigen Nationalmuseum (Muzeum Narodowe).

In den Jahren 1934 und 1935 übergab das Museum dem Stettiner Archiv in zwei kleinen Partien einen Teil seiner Dokumente. Wie Hans Jürgen Eggers nach dem Krieg berichtete, wurde der Großteil der wissenschaftlichen Akten der Institution während des Krieges gemeinsam mit den Dokumentationen der einzelnen Abteilungen in den Keller des Gebäudes des Provinzialverbands am Landeshausplatz gebracht und von dort wahrscheinlich 1944 zusammen mit einem Teil der Akten des Staatsarchivs ins Schloß Pansin ausgelagert. Nach dem Krieg gelangten die Museumsakten aus Pansin in das Stettiner Archiv; später übergab das Archiv die Akten aufgrund eines Übergabeprotokolls vom 27.6.1949 gemeinsam mit der Dokumentation der Abteilung für Urgeschichte an das seinerzeitige Pommersche Museum (2889 Faszikel). Im Archiv blieb lediglich ein kleiner Teil des Bestands mit 117 Faszikeln. Im Januar 2001 übergab das Nationalmuseum Stettin dem Staatsarchiv 30 AE aus dem Bestand Pommersches Landesmuseum.

Inhalt

Allgemeine Verwaltung, Vertrag zwischen dem Provinzialverband und der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde über die Eröffnung eines Regionalmuseums in Stettin, Projekt für die Satzung des Verwaltungsvorstands, Berichte von den Vorstandssitzungen, Verordnungen der Oberbehörden, Verordnungen über Abrechnungen von Dienstreisen, Mitarbeiter des Museums, Öffnungszeiten und Eintrittspreise, Umbau des Gebäudes (photographische Dokumentation), Führung von Besuchergruppen, insbesondere von Schulklassen, aus den Jahren 1927–1945, 14 AE.

Sammlungen, Übergabe von Sammlungsstücken aufgrund von Testamenten, Angebote und Ankauf sowie Einrichtung der Abteilung für Landesgeschichte und Stadtkultur, Sammlungen zur Militärgeschichte – Angebote und Ankäufe, Vorschlag zur Einrichtung eines Gedenkzimmers zur Erinnerung an die im Krieg gefallenen Soldaten, Gemäldesammlung – Angebote und Ankäufe, Münzkabinett – Angebote und Ankäufe, Abteilung für kirchliche Kunst – Angebote und Ankäufe, Abteilung für Urgeschichte – Informationen über den Bestand, Wappen pommerscher Städte und Adelsfamilien, Instandhaltung, Ankäufe und Austausch wissenschaftlicher Schriften, aus den Jahren [1835–1924] 1928–1945, 58 AE.

Wechselausstellungen, „Der Pommersche Soldat“, „Das geistige Pommern“, „Schöpferische Kräfte – Schaffende Menschen“, „Deutsche Leistung im Ostseeraum“, Ausstellungen außerhalb von Stettin, Vorbereitungen für eine Ausstellung aus Anlaß der 700-Jahr-Feier der Verleihung der Stadtrechte an Stettin im Jahre 1943, aus den Jahren 1938–1943, 9 AE.

Bestandsauslagerung, Verzeichnis der Musealien mit Aufteilung auf die einzelnen Kisten, Auslagerung an ausgewählte Orte, aus den Jahren 1942–1945, 1 AE.

Kontakte mit anderen Institutionen und Privatpersonen, Provinzialkommission zur Erhaltung und Erforschung der Denkmäler, Pommerscher Heimatbund, Stettiner Museumsverein, Römisch-Germanisches Zentralmuseum (Mainz), Pommern-Kontor, Verein für historische Waffenkunde, Hitlerjugend, Städtisches Museum Stettin, Stadtbibliothek Stettin, Deutsche Akademie, Deutscher Verein für Volkskunde, Stettiner Verkehrsverein, Nord- und Ostdeutsche Forschungsgemeinschaft, Kraft durch Freude, Staatsarchiv Stettin, Bund Deutscher Osten, Prof. Habich aus München, Prof. Post aus Berlin, Versand von Museumskatalogen an verschiedene Organisationen und Institutionen, aus den Jahren [1922–1926] 1927–1944, 35 AE.

Erwerbung 2001, Museumsverwaltung, Gewinnung von Ausstellungsobjekten, Versicherungen, Rechnungen, Besucherstatistik, Korrespondenz, Regionalmuseen, Vorträge, aus den Jahren 1925–1945, 30 AE.

Archivalische Hilfsmittel Findbuch.

Literatur

Altenburg, O.: Die Einweihung des Provinzialmuseums pommerscher Altertümer in Stettin, Monatsblätter 1928.

Eggers, H. J.: Pommersche Vorgeschichtsforschung im Exil (1945–1960), in: BSt NF, Bd. 48 (1961).

Kunkel, O.: Aus der Geschichte des pommerschen Museumswesens, in: BSt NF, Bd. 58 (1972).

Kunkel, O.: Entstehung, Einrichtung und Aufgaben des Provinzialmuseums Pommerscher Altertümer, Monatsblätter 1928.

MSz

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0305 Städtisches Museum Stettin (Muzeum Miasta Szczecina)

[1876–] 1910–1945; 231 AE, 3,4 lfm.

Das Städtische Museum Stettin wurde am 23.6.1913 in einem neuerbauten Gebäude an der Hakenterasse eröffnet. Aufgrund eines am 11.7.1911 zwischen dem Stettiner Magistrat und dem Vorstand der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde abgeschlossenen Vertrags übernahm die Stadt für die neuen Räume an der Hakenterasse die Sammlungen der Gesellschaft, die seit den 1830er Jahren im Stettiner Schloß aufbewahrt wurden und seit 1879 für die Öffentlichkeit zugänglich waren (Antiquarisches Museum). In dem Vertrag verpflichteten sich die städtischen Behörden, die Kosten für den Transport der Sammlungen aus dem Schloß in das neue Gebäude zu tragen, ebenso die Kosten für die Einrichtung der Ausstellung, die Beheizung, die Beleuchtung und die Reparaturen des Gebäudes. Die Gesellschaft für Pommersche Geschichte sollte dagegen die Feuer- und Haftpflichtversicherung der Ausstellungsstücke tragen. Der Magistrat übernahm den Kustos der Sammlungen in ein Beschäftigungsverhältnis. Der Vorstand verpflichtete sich, die wissenschaftliche Betreuung der Sammlungen sicherzustellen sowie einen Katalog herauszugeben. Mit der Unterzeichnung des Vertrags entstand ein Organ, das die Museumsverwaltung unterstützte, vor allem bei der Veranstaltung von Ausstellungen: der Stettiner Museumsverein. Direktor des Museums wurde Walter Riezler (1878–1965), ein Archäologe und Schüler Adolf Furtwänglers in München. Riezler, ein Fürsprecher der modernen Kunst, wurde von den konservativen Kreisen Stettins bekämpft, die völkisch-nationale Kunst bevorzugten. Letztendlich wurde er im Dritten Reich 1934 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Als Direktor folgte ihm bis 1944 Otto Holtze nach.

Im Gebäude an der Hakenterasse fanden nicht nur die Sammlungen für Archäologie, Münzen und kirchliche Kunst sowie die der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde gehörenden Gemälde Platz, sondern auch die Sammlungen des Entomologischen Vereins sowie die Gemäldesammlung der Frau Woldermann (u. a. Werke von Frans Hals), die 1857 in Stettin eine städtische Gemäldegalerie eingerichtet hatte. Neben der Sammlung Woldermann wurden im Städtischen Museum Stettin 88 französische und deutsche Gemälde gezeigt, die der Berliner Generalkonsul Mauser 1876 der Stadt übergeben hatte. Viel Platz nahm im neueröffneten Museum die Antikensammlung Dohrn ein. Sie war von Heinrich Dohrn angelegt worden, einem Industriellen, Wissenschaftler und langjährigen Vorsitzenden des Entomologischen Vereins. Sein Wunsch war es, daß im geplanten Museum den Tendenzen der Zeit entsprechend eine Sammlung antiker Kunst entstehen sollte. Dohrn entschloß sich, Kopien griechischer Plastiken anzufertigen, und zwar nicht aus Gips, wie seinerzeit üblich, sondern aus Bronze und Marmor, womit er an römische Traditionen anknüpfte. Mit der Hilfe seines Bruders Anton und seiner polnischen Gattin Maria, geb. Baranowska, gelang es Heinrich, rund 100 Kopien von Plastiken aus klassischer und hellenistischer Zeit anfertigen zu lassen. Die Galerie für antike Kunst nahm zwischen 1913 und 1945 2/3 der Ausstellungsfläche im ersten Stock des Museums ein. 1928 wurden die archäologische Abteilung und andere Sammlungen, die der Gesellschaft für Pommersche Geschichte gehörten, in das neugebildete Pommersche Landesmuseum verlegt. Das Städtische Museum Stettin war bis März 1945 in Betrieb, als die kostbarsten Ausstellungsstücke, u. a. die Gemäldesammlung, aus Angst vor der sich nähernden Front nach Westen ausgelagert wurden. Sie kehrten nie mehr nach Stettin zurück und befinden sich heute im Pommerschen Landesmuseum Greifswald. Gegenwärtig gehören ein Teil des Gebäudes und die erhaltenen Sammlungen des alten Städtischen Museums dem Nationalmuseum Stettin.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm das Stettiner Archiv die nur zu einem geringen Teil erhaltenen Akten des Städtischen Museums Stettin sowie die Materialien des Stettiner Museumsvereins. Im Januar 2001 übergab das Nationalmuseum Stettin 48 AE aus der einstigen Registratur des Städtischen Museums.

Inhalt

Allgemeine Verwaltung, Vorgeschichte der Museumsgründung, Verordnungen, Sitzungen der Verwaltung, Korrespondenz mit anderen Museen, aus den Jahren [1876] 1911–1945, 38 AE.

Vergrößerung und Bearbeitung der Sammlungen, Abteilungen für Entomologie, Münzen, Volkskunde, Malerei und Plastik, Antikensammlung, Stiftungen Hermann Haken, Keddig, Scharlan, Familie Dohrn und Diederichs, Ankäufe, Ausleihen, Kataloge, aus den Jahren 1892–1943, 92 AE.

Stettiner Museumsverein, Jahresberichte, Veranstaltung von Ausstellungen, u. a.: „Daumier – Gavarni“, „Schweizer Graphik“, „Kunst der Goethezeit“, „Gustav Wimmer“, „Danziger Maler“, „Emil Nolde“, „Die Stettiner Landschaft“, Korrespondenz, aus den Jahren 1910–1944, 52 AE.

Zugang 2001, Errichtung des Gebäudes und Verwaltung des Museums, Schenkungen Dohrn und Pehlke, Dienstreisen, Kontakte mit anderen Museen, Berichte, Ausstellungen: „Gruppe der 6“, „Pommersche Künstler“, „Unter blauem Himmel“, Haushalt, Korrespondenz, Auslagerung der Sammlungen, aus den Jahren 1902–1945, 48 AE.

Archivalische Hilfsmittel Findbuch.

Literatur

Altenburg, O.: Die vorgeschichtlichen und kulturgeschichtlichen Sammlungen der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, in: Monatsblätter 1928.

Lichtnau, B.: Szczeciński spór muzealny z 1913 roku [Der Stettiner Museumsstreit von 1913], in: MZP, Bd. 42 (1996).

Wołągiewicz, R.: Dzieje szczecińskiej kolekcji sztuki antycznej [Die Geschichte der Stettiner Antikensammlung], in: PZP, Bd. 32 (1988), H. 1-2.

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Stand: 30.11.2004

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