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Begriff: Magistrat Ratzebuhr

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0212 Magistrat Ratzebuhr (Rep. 38b, Akta miasta Okonka)

1640, 1706–1943; 787 AE, 9,3 lfm.

Erstmals erwähnt wird das Dorf Ratzebuhr 1547. 1597 erhielt die Siedlung von Herzog Johann Friedrich die Erlaubnis, drei Märkte im Jahr zu veranstalten. Im genannten Zeitraum hatte die Ortschaft keine formellen Stadtrechte. 1628 gab es hier 45 Bauernhöfe und sechs Kätner sowie zwei Mühlen und eine Schenke. Zudem arbeiteten hier 34 Schuhmacher. Das gesamte Mittelalter und die frühe Neuzeit hindurch gehörte Ratzebuhr zu Pommern (Domäne Neustettin). Nach dem Aussterben der Greifendynastie (1637) und der Teilung Pommerns (Grenzrezeß von 1653) fiel der Ort an Brandenburg. Erst 1754 erhob der preußische König Friedrich II. Ratzebuhr zur Stadt (lübisches Stadtrecht). Es wurde ein Bürgermeister bestimmt, der von drei Stadträten unterstützt wurde. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Ratzebuhr zu einem bedeutenden Weber- und Tuchmacherzentrum, das Stoffe nach Großpolen und Pommerellen exportierte. Dennoch bestand das Städtchen 1784 nur aus einer einzigen Straße, an der das Rathaus und 123 Häuser (darunter 22 aus Ziegeln gemauerte) standen. Unter den Berufsgruppen gab es außer den Landwirten vor allem Weber und Tuchmacher (85 Personen), Schuhmacher (8) sowie Schneider (6). Die wirtschaftliche Entwicklung des Orts führte zu einer wachsenden Bevölkerung, die von 864 im Jahre 1740 bis auf 1029 im Jahre 1794 stieg. Die neue Städteordnung (1808) bewirkte die Einsetzung einer aus Wahlen hervorgegangenen Stadtverordnetenversammlung. Das Magistratssystem wurde durch das Gesetz von 1853 noch gestärkt, wobei zugleich aber auch die beschlußfassenden Kompetenzen der Stadtverordnetenversammlung von den exekutiven Funktionen des Magistrats getrennt wurden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schrumpfte die Tuch- und Leinenproduktion wegen der an den Grenzen zum Königreich Polen eingerichteten Zollerschwernisse erheblich. In dieser Situation entstanden in Ratzebuhr neben einigen Tuchfabriken eine Molkerei, eine Ziegelei, zwei Sägewerke und eine Möbelfabrik. 1878 erhielt die Stadt eine Eisenbahnverbindung mit Neustettin und Jastrow. 1843 zählte Ratzebuhr 1579 Einwohner, 1900 waren es 2245, 1925 2611 und 1939 2941 Einwohner.

Die Akten der Stadt Ratzebuhr gelangten 1881 an das Stettiner Archiv. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Bestand nach Ralswick evakuiert, von wo aus er nach 1945 in das Archiv in Greifswald gelangte. Dagegen stammen die in Stettin aufbewahrten Akten aus der Registratur der Behörde und wurden 1950 von polnischen Archivaren sichergestellt. Im Landesarchiv Greifswald: Rep. 38b Ratzebuhr, 0,15 lfm., aus den Jahren 1750–1880.

Inhalt

Allgemeine Verwaltung, Wahlen, Sitzungsprotokolle von Stadtverordnetenversammlung und Kommissionen, Beziehungen zu Tempelburg, Volkszählungen, Beamte, Kultur und Bibliotheken, aus den Jahren 1640, 1730–1936, 89 AE.

Finanzen, städtische Haushalte, Steuern, Pachteinnahmen, Ankauf von Gold und Silber, städtische Kämmerei, Instandhaltung von Wegen, Straßen und Gebäuden, aus den Jahren 1745–1940, 127 AE.

Stadtgut, Vermessungen und Tausch von Grundstücken, Grenzfestlegung, Verkauf von Wiesen, Verpachtung von Wäldern und Jagdrechten, Forstwirtschaft, Holzdeputate für das Rathaus und die Stadtschule, Kiesgrube, Abgaben für die Einlagerung von Getreide, Kolonisten, Land für den Siedlungsbau, städtische Schmieden, aus den Jahren 1741–1936, 48 AE.

Grenzen, Kataster, Vermessungen von Wiesen und Anbaufläche, Parzellierung, Hypotheken, Landverkauf, Organisierung des Vorwerks, Verzeichnis von Gebäuden und anderen Liegenschaften, Grenzstreitigkeiten und -festlegungen, aus den Jahren 1776–1936, 21 AE.

Zünfte, Handwerk und Handel, Färberei, Handwerkerkonzessionen, Zunftsteuern, Zunftordnungen und -vorschriften, Meisterprüfungen, Zünfte: Fleischer, Leinweber, Schmiede, Schneider, Schornsteinfeger, Schuhmacher und Stellmacher, Manufakturen, Wollmagazin, Fabrikinspektionen, Leinwandfabrik, Sägewerk, Molkerei, Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Arbeiter, Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, Konzessionen zur Wollverarbeitung, Mühlenbau, Fleischerei, Wein- und Bierkeller, aus den Jahren 1743–1936, 89 AE.

Kommunikation, Eisenbahnbau und Grundstücksentschädigungen, Straßenverkehrsvorschriften und -gebühren, Pflasterung und Instandhaltung von Wegen, aus den Jahren 1874–1936, 9 AE.

Bauwesen, Bau von Fabriken, einem Forsthaus, der Post, des Rathauses, eines Spritzenhauses, der Schule und des Gefängnisses, Reparatur von Wegen und Brücken, Bauvorschriften und -erlaubniserteilungen, Arbeiten zum Hochwasserschutz, aus den Jahren 1753–1936, 56 AE.

Schulwesen, Personalfragen der Lehrer, Finanzkontrollen der Schulen, Bau einer Privatschule, Mittelschule, Lehrerseminar, Schulprogramme, Schuldeputation, Gesundheitsvorsorge in den Schulen, Bau von Lehrerwohnhäusern, Jugendfürsorge, aus den Jahren 1706–1936, 44 AE.

Kirche und Sozialfürsorge, Besetzung von geistlichen Ämtern, Verpachtung von Kirchengebäuden und -land, Hilfe für Kranke und Arme, Organisation der Sozialhilfe, Fürsorgekommission, Armenhaus, aus den Jahren 1746–1901, 36 AE.

Prozesse, Streitigkeiten zwischen den Bürgern und den städtischen Behörden, Diebstähle, Produktfälschung, aus den Jahren 1772–1943, 69 AE.

Statistik, Tabellen für den Holzeinschlag, Feldernten, Preise für Getreide, Brot und Fleisch, Tabellen der Manufakturproduktion, Gebäudestatistik, Einwohnerverzeichnisse, Verzeichnisse der jüdischen Bevölkerung, Kantonslisten, Sterbefälle, Abstimmungsergebnisse, aus den Jahren 1767–1936, 30 AE.

Kommunalwirtschaft, Instandhaltung der städtischen Grünanlagen, Verschönerung der Stadt, Beleuchtung von Straßen und Plätzen, Instandhaltung von Wegen und Straßen, Gaswerk, Kanalisation, Badeanstalt, Elektrizitätswerk, städtischer Friedhof, aus den Jahren 1806–1884, 21 AE.

Militaria, Lebensmittellieferungen, Beteiligung am Bau der Festung Kolberg, Verzeichnisse von militärdienstpflichtigen Personen, Unterhaltung der französischen Truppen, Lieferungen von Geld und Pferden, Einquartierungen, Kriegsverluste, Unterhaltung der städtischen Bürgerwehr, Mobilmachung, Kriegsversehrte, aus den Jahren 1730–1937, 70 AE.

Polizeiaufsicht, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Sozialdemokratie, Kaufmännische Vereinigung, Kriegerverein, Schützenbruderschaft, Radfahrclub, Polizeivorschriften und -kontrollen, Sittenfragen, Alkoholausschank, Gefängnis, Aufsicht von Versammlungen und Belustigungen, Paßausgabe, Presse, Einbürgerung von Ausländern, Kontrolle von Maßen und Gewichten, aus den Jahren 1767–1909, 55 AE.

Gesundheitsdienst, medizinisches Personal, Hebammen, Stadtarzt, ansteckende Krankheiten, Impfungen, sanitäre Kontrollen, illegale Praxis, aus den Jahren 1783–1935, 23 AE.

Archivalische Hilfsmittel Findkartei.

Literatur

Deutsches Städtebuch, hg. v. E. Keyser, Bd. 1, Stuttgart u. Berlin 1939.

Gaziński, R.: Akta miast pomorskich i nowomarchijskich z terenu Polski w zasobie Archiwum Krajowego w Greifswaldzie [Die Akten der pommerschen und neumärkischen Städte auf polnischem Gebiet im Landesarchiv Greifswald], in: Szczecińskie Studia Historyczne, Nr. 13 (2000).

Kratz, G.: Die Städte der Provinz Pommern, Berlin 1865.

Miasta polskie w tysiącleciu [Polnische Städte im Millenium], Bd. 1, Wrocław u. a. 1965.

RG

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Stand: 30.11.2004

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