Inhalt

Sie sind hier: BKGE » Onlinepublikationen » Archivführer » Staatsarchiv Stettin » Inhalt

Archivführer Stettin

Wählen Sie aus den möglichen Suchwegen

Begriff: Landschafts-Bezirks-Direktion in Stolp

534

1191 Landschafts-Bezirks-Direktion in Stolp (Okręgowa Dyrekcja Ziemstwa w Słupsku)

1780–1945; 1904 AE, 36,4 lfm.

Die Pommersche Landschaft wurde 1781 in Stettin gegründet. Es handelte sich um die dritte derartige Institution in der preußischen Monarchie, nach jenen der Provinzen Schlesien (1770) und Brandenburg (1777). Die Landschaften waren Kreditanstalten, zunächst nur für Adelsgüter, die bei wirtschaftlichen Veränderungen unterstützt werden sollten: Meliorationen, Flurbereinigungen, Einführung neuer Feldfrüchte. Handlungsgrundlage für die Landschaften war die Erteilung von Hypothekenkrediten an Großgrundbesitzer aus Fonds, die aus staatlichen Zuschüssen sowie Pfandbriefen stammten, welche von allen Teilhabern der Organisation verbürgt wurden. Die finanziellen Operationen wurden von den bei den Landschaften entstehenden Landschaftlichen Banken durchgeführt. Ausführendes Organ der Pommerschen Landschaft war die Generaldirektion in Stettin mit vier Bezirksdirektionen: in Anklam für die Kreise Demmin, Randow, Ueckermünde, Usedom und Wollin, in Stargard für die Kreise Greifenhagen, Labes, Naugard, Pyritz und Saatzig, in Treptow für die Kreise Belgard, Greifenberg, Cammin, Kolberg, Köslin und Neustettin sowie in Stolp für die Kreise Bütow, Lauenburg, Rummelsburg und Schlawe. Die Bezirksdirektionen beschäftigten sich direkt mit der Kreditabwicklung. Sie unterstanden gemeinsam mit der Stettiner Direktion der Kontrolle gewählter Versammlungen – der General- und Bezirksversammlungen der Landschaft sowie dem sog. Engeren Ausschuß. Dieser bestand aus den Bezirksdirektoren sowie aus Delegierten aus jedem Kreis. Die gewählten Versammlungen wählten die Zentral- und die Bezirksorgane. Zudem befand sich die Landschaft seit 1809 unter der Aufsicht eines königlichen Kommissars in Person des jeweiligen Provinzialoberpräsidenten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erweiterte sich der Kreis derer, die die Hilfe der Landschaft in Anspruch nahmen, und umfaßte nun auch große Bauernwirtschaften. Für letztere wurde 1871 sogar eine eigene Institution eingerichtet, der Pommersche Landkreditverband, der seit 1896 Neue Pommersche Landschaft für Kleingrundbesitz genannt wurde. Doch nach einigen Jahrzehnten wurden die Angelegenheiten des Kleingrundbesitzes 1934 wieder in den Aufgabenbereich der Landschaft für den Großgrundbesitz eingegliedert. In den 1870er Jahren kam es zu einer Zentralisierung der Provinziallandschaften. 1873 wurde eine gesamtpreußische Central-Landschaft gebildet. In der Zwischenkriegszeit war die Landschaft neben der Kreditvergabe für die bereits bestehenden Güter und Bauernwirtschaften auch für das Siedlungswesen und die Bildung neuer Höfe zuständig, insbesondere in den östlichen Kreisen des Regierungsbezirks Köslin.

Die ersten Akten der Bezirksdirektion der Landschaft in Stolp erwarb das Stettiner Archiv 1932. Über weitere Aktenzugänge sowie über die Geschicke des Bestands während des Zweiten Weltkriegs ist nichts bekannt. Im Staatsarchiv Köslin, Abteilung Stolp: Landschafts-Bezirks-Direktion in Stolp, aus den Jahren 1702–1945, 973 AE, 14,0 lfm.

Inhalt

I. Landschaft:

Direktion und Büroorganisation, Wahlen von Mitgliedern, Syndikus, Sekretär und Direktor des Landschaftsvorstands, Einstellung und Pflichten der Beamten, Satzungen der Landschaft (1871, 1943), Versicherung, Gehälter der Beamten, Personalakten von Direktor Leo von Kathen (1931–1936), aus den Jahren 1781–1944, 17 AE.

Sitzungen von Kollegien und Finanzen, Verzeichnisse von Zinszahlungen auf Pfandbriefe, Revisionen von Stempelgebühren, Sitzungen des Kollegiums, der Syndici und der Bezirksdirektion, Feuerversicherung, Gebühren, Versicherung der Beamten, Behördenformulare, Sitz der Landschaft, Reparaturen, Lebensversicherungen, Gesetze über Ansiedlung und Kredite, Hypotheken, Kredite, aus den Jahren 1832–1945, 38 AE.

Kredite und Hypotheken, Erlaubniserteilungen für die Bezahlungen von Reparaturkosten, Verwaltung des Bezirksfonds, Bankkonten der Landschaft, Verzeichnisse der Pfandbriefe, Zentrallandschaft-Bank, aus den Jahren 1825–1939, 13 AE.

Pachten, Güterverwaltung, Verzinsung, Gesetze und Vorschriften, Korrespondenz zwischen der Bezirks- und der Provinzialdirektion, Fideikommisse, Pfandbriefe, Zwangsverwaltung von Landgütern, Umorganisierung der Landschaft, Ansiedlung, Osthilfe, Erbhöfe, aus den Jahren 1783–1944, 28 AE.

Belastungen und Aufkauf von Pfandbriefen, Umwandlung von Pfandbriefen, Proteste, Information über Pfandbriefe, Berechnungen von Zinsen, aus den Jahren 1811–1928, 12 AE.

Präsidiumssitzungen, Versammlungsberichte, Generalversammlungen der Landschaft, Bilanzen, Wahl der Gremien (Räte, Direktoren) und Delegierten, Entstehung und Sitz der Landschaft in Stettin, Reparaturen, Registratur und Kanzlei der Bezirksdirektion, Rechnungsfragen, Entschädigungen, Proteste gegen die Grundsteuer, aus den Jahren 1780–1934, 121 AE.

Depositen, Stiftungen und Vermögensbelastungen, Organisation der Central-Landschaft für die Preußischen Staaten, Pfandbriefe, Streitfragen und Prozesse, Depositen der Stiftung, Bildung des Landkreditverbands, Berichte und Referate, Stiftungen, Majoratsgüter und Legate der Familien von Osten, Massow, Weiher, Below, Puttkamer, Stojenthin, Krockow und Zitzewitz, Akten von Rittergütern und Gütern in den Kreisen Lauenburg und Stolp, Testamente, Güterverleihungen, aus den Jahren 1795–1944, 98 AE.

II. Neue Pommersche Landschaft für den Kleingrundbesitz

Verwaltung und Vorstand, Beamtengehälter, Wasserversorgung, Informationen der Grundbuchabteilungen über die Preise verkaufter Güter, Banken und Kreditanstalten, Raumfragen der Landschaft, Berechnungen von Verzinsung, Hauptversammlung (1920–1921), aus den Jahren 1901–1936, 8 AE.

Kredite und Pfandbriefe, Darlehen und Pfandbriefe einzelner Höfe, Verleihung von Höfen in den Kreisen Bütow, Lauenburg, Rummelsburg, Schlawe und Stolp, aus den Jahren 1893–1944, 469 AE,

Zwangsverwaltung von Höfen in den Kreisen Bütow, Lauenburg, Schlawe und Stolp, aus den Jahren 1915–1939, 41 AE.

Schätzung von Landgütern, Darlehnserteilung, Pfändung, Zwangsverwaltung und -versteigerung, Kauf- und Verkaufsverträge, Verleihungen von Gütern und Höfen in den Kreisen Bütow, Lauenburg, Rummelsburg, Schlawe und Stolp, aus den Jahren 1781–1944, 1059 AE.

Archivalische Hilfsmittel: Findbuch.

Literatur:

Stępiński, W.: Przemysł rolny, spółdzielczość i finanse rolnictwa [Landindustrie, Genossenschaftswesen und ländliche Finanzen], in: Historia Pomorza [Geschichte Pommerns], Bd. 4, Teil 1 (1850–1918), hg. v. S. Salmonowicz, Toruń 2000.

Stępiński, W.: Własność junkierska na Pomorzu Zachodnim w latach 1807–1914 [Das Junker-Eigentum in Pommern zwischen 1807 und 1914], 2 Bde., Szczecin 1989.

BF

Zum Anfang

Stand: 30.11.2004

BKGE-Flyer als herunterladbare PDF-Datei