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Archivführer Stettin

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Begriff: König-Wilhelm-Gymnasium Stettin

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0299 Marienstiftsgymnasium in Stettin (Gimnazjum Mariackie w Szczecinie)

1642–1942; 1014 AE, 20,75 lfm.

1544 nahm in Stettin das Pädagogium seine Tätigkeit auf, das im Jahr zuvor vom Stettiner Herzog Barnim XI. und vom Wolgaster Herzog Philipp I. gegründet worden war. Im Sinne der Stiftungsurkunde sollten in der neuen Schule 24 Jungen in einem Alter von über zwölf Jahren für acht Jahre unterrichtet werden. Die Ausgaben der Lehranstalt wurden aus den Einnahmen des Marienstifts getragen. Die Schule erwarb sich aufgrund ihres akademischen Niveaus rasch Anerkennung. Vom Beginn ihres Bestehens an bis zur Übernahme der Stadt durch die Schweden absolvierten rund 5500 Schüler diese Schule. Die meisten stammten aus Pommern, doch kamen auch Schüler aus Brandenburg, Mecklenburg, Schweden, Ungarn und Polen. Im ersten Zeitraum wurde sie von vielen später bedeutenden Politikern, Geistlichen und Gelehrten besucht, u. a. von Paul Friedeborn, Daniel Cramer und Johann Micraelius. Während des Dreißigjährigen Kriegs kam das Pädagogium herunter; seine Krise drückte sich in einem drastischen Rückgang der Schülerzahl aus, im Verfall der Disziplin und in der schlechten finanziellen Lage. Schweden, dem Stettin schließlich zufiel, entschloß sich 1667 dazu, das Pädagogium aufzulösen und an seiner Stelle eine neue Schule zu gründen, ein Gymnasium, das nach Karl XI. Regnum Gymnasium Carolinum genannt wurde. Bei der Belagerung Stettins durch den Großen Kurfürsten 1676–1677 brannte das Schulgebäude nieder. Die Schule wurde 1687 wiederaufgebaut, doch besuchten sie damals nur 27 Schüler. Nach der Einnahme Stettins durch preußische Truppen bestimmte Friedrich Wilhelm I. schon 1715 für das Marienstift und das Gymnasium, das von nun an „Akademisches Gymnasium“ hieß, vier Kuratoren (zwei Mitglieder der Regierung und zwei, die von den pommerschen Ständen gewählt wurden). Ihnen vorgesetzt wurde das Oberkuratorium, dem der Regierungspräsident vorstand. Trotz der Fürsorge der Behörden und den durchgeführten Reformen ließ der Besuch der Stettiner Schule zu wünschen übrig: 1768 schrieben sich gerade einmal 6 Schüler ein, 1777 17 Schüler. An der Schule unterrichteten viele bekannte Historiker wie Johann Karl Ölrichs, Johann Samuel Hering oder Johann Jacob Sell. Um den Schulbesuch zu erhöhen, vereinte Friedrich Wilhelm III. mit einer Kabinettsordre aus dem Jahre 1805 das Akademische Gymnasium mit dem Ratslyzeum. Das nun entstandene Vereinigte Königliche und Stadt-Gymnasium zählte 178 Schüler. Im 19. Jahrhundert wurde diese Schule zur führenden Schule der Provinz Pommern. Unter Einfluß der von Wilhelm von Humboldt angeregten Reformen wurde das Stettiner Gymnasium wie auch viele andere preußische Schulen dieses Typs zu einer Anstalt, die sich dem Programm des Neuhumanismus verpflichtet fühlte. Der Begriff „Neuhumanismus“ umfaßte vor allem ein Erziehungsideal, dessen oberstes Prinzip nach Humboldt der ethische Wert der Lehre war, da der Weg zur Bildung des Charakters über die geistige Bildung führte. Daher legte man am Stettiner Gymnasium viel Wert auf den Unterricht in den antiken Sprachen (Griechisch, Hebräisch und Latein), der neuen Sprachen (Englisch und Französisch), der Geschichte und Geographie, des Zeichnens und der Kalligraphie. Die Schule wurde vom Bürgertum sehr geschätzt, das seine Söhne gerne hierher schickte. Zwischen 1830 und 1840 betrug die Schülerzahl rund 450, 1863 750 Personen. 1869 wurde die Schule in zwei Gymnasien aufgeteilt, womit der Zustand von vor 1805 wiederhergestellt wurde: das Marienstiftsgymnasium und das Stadtgymnasium. Das Marienstiftsgymnasium besuchten 1879 655 und 1905 725 Schüler. Im 19. Jahrhundert gingen hier zu unterschiedlicher Zeit viele um die Kultur Pommerns verdiente Personen zur Schule, so Heinrich Böhmer, Ludwig Giesebrecht, Hermann Hering, Ferdinand Calo, Hugo Lemcke, Carl Loewe, Adolf und Wilhelm Stahr, Martin Wehrmann und Friedrich Wellmann. Um Lehrer für Grundschulen auszubilden, gab es beim Gymnasium seit 1804 ein Lehrerseminar. Das hohe Unterrichtsniveau des Marienstiftsgymnasiums blieb bis zum Ende seines Bestehens erhalten. Im Herbst 1943 wurden die Schüler aus Furcht vor Luftangriffen ebenso wie jene des Stadtgymnasiums nach Stargard evakuiert, wo sie im Groening-Gymnasium untergebracht wurden. Hier blieben sie bis Mitte 1944, ehe sie ins innere Deutschland gebracht wurden. Damit ging die 400jährige Geschichte der Schule zu Ende.

Das Stettiner Archiv übernahm nach 1874 einen Teil der Schulakten zusammen mit den Archivalien des Marienstifts. Während des Zweiten Weltkriegs wurden sie wahrscheinlich um eine Erwerbung von Akten des 20. Jahrhunderts ergänzt. Die Akten wurden höchstwahrscheinlich nach Nippoglense ausgelagert, von wo aus sie nach 1945 nach Stettin zurückkehrten.

Inhalt

Allgemeine Verwaltung, Statuten, Verordnungen der Kuratoren und andere Behörden, Korrespondenz, Tagebücher, Vereinigung der Ratsschule und des Akademischen Gymnasiums, aus den Jahren 1713–1935, 171 AE.

Direktoren, Jahresberichte, Direktorenkonferenzen, Schulprogramme, Feierlichkeiten, Akten des Direktors Bielke, aus den Jahren 1642–1942, 20 AE.

Lehrer, Lehrerkonferenzen, Einstellungen und Entlassungen, Arbeiten der Gymnasialprofessoren, Klagen der Professoren über die Schüler, Hilfspersonal, das Gymnasium während des Ersten Weltkriegs, aus den Jahren 1688–1936, 67 AE.

Schüler, Schülerverzeichnis, Nationalität, Disziplin, Verstöße, Anträge auf Stipendien, Gesundheit, Auslastung, Zulassung zu Prüfungen, Prüfungen, Abiturarbeiten, Zeugnisse, Abiturientenverzeichnisse, Korrespondenz, Klassenarbeiten aus den Fächern Französisch, Griechisch, Hebräisch, Latein, Deutsch und Mathematik, Abiturprotokolle, aus den Jahren 1793–1942, 397 AE.

Unterrichtsfragen, Verordnungen über das Unterrichtsprogramm, Visitationen, Entwürfe, Vorträge, Sammlungen von Klassenarbeiten, Stundenpläne, empfohlene Lektüre, Unterricht in den Fächern Griechisch, Latein, deutsche Literatur, Propädeutik der Philosophie, Physik, Chemie, Geschichte, Geographie, Zeichnen, Kalligraphie, Stenographie, Gesang und Turnen, aus den Jahren 1797–1942, 31 AE.

Prüfungen, Reglement der Prüfungskommissionen, öffentliche Prüfungen, Abiturprüfungen, Unterricht für die Teilnehmer am Ersten Weltkrieg, aus den Jahren 1834–1922, 7 AE.

Ferien, Ferien und Schulfeierlichkeiten, aus den Jahren 1821–1925, 5 AE.

Stipendien und Legate, Haushalt, Rechnungen, Unterstützung von Kindern und Witwen verstorbener Lehrer, finanzielle Hilfe für begabte Schüler, Schulgeld, Ausgaben, Quittungen, von den Professoren Giesebrecht, Hering, Calo, Koch, Grassmann, Hasselbach und Oelrichs gestiftete Stipendien, Bohlendorff-Universitätsstipendium, Legat Walter, Stachel-Stipendium, Anträge auf Stipendien, aus den Jahren 1736–1938, 158 AE.

Gebäude, Errichtung eines neuen Gymnasialgebäudes, Reparaturen und Umbauten, Einrichtung, Turnhalle, Zentralheizung, aus den Jahren 1818–1925, 13 AE.

Bibliothek und Sammlungen, Katalog der Bibliothekssammlungen, Kassenzusammenstellungen der Bibliothek, Sammlung historischer Bücher, Ausleihkartei, Sammlung Hasselbach, Calo und andere Sammlungen, Erwerbungen, den Schülern empfohlene Bücher, Berichte von Professor Schmidt über die Tätigkeit der Bibliothek, Inventar des Gymnasialmuseums, Sammlung von Vögeln und Fischen, physikalisches Kabinett und Kartensammlung, aus den Jahren 1715–1941, 45 AE.

Vereine, Ruderverein am König-Wilhelm-Gymnasim, Ausflug des Rudervereins am Marienstiftsgymnasium nach Cammin, Chronik des Lesevereins am Marienstiftsgymnasium, aus den Jahren 1907–1933, 5 AE.

Vorschule, Verwaltung der Vorschule, Schülerverzeichnisse, Haushalt, Rechnungen, aus den Jahren 1842–1923, 6 AE.

Lehrerseminar, Sitzungen, Tätigkeitsberichte, Mitgliederverzeichnis, Korrespondenz, Arbeiten der Seminaristen, Seminarbibliothek in Stolp, Berichte über die Tätigkeit des Seminars in Stolp, aus den Jahren 1828–1937, 77 AE.

Varia, Stiftungsrechnungen, Bibliothekskataloge, Kontrollprotokolle, freiwillige Landarbeit der Schüler, Schulreglements, Schülerselbstverwaltung, Statistik, Lehrprogramme, Partituren musikalischer Werke, Konferenzprotokolle, aus den Jahren 1750–1935, 12 AE.

Archivalische Hilfsmittel Findkartei.

Literatur

Steffen, W.: Das Stettiner Gymnasium um 1848, Marburg/Lahn 1957.

Stępiński, W.: Szczecin w latach 1806–1870. Na drodze do kapitalizmu [Stettin in den Jahren 1806–1870. Auf dem Weg in den Kapitalismus], in: Dzieje Szczecina [Geschichte Stettins], Bd. 3, hg. v. B. Wachowiak, Szczecin 1994.

Stępiński, W.: Szczecińscy filolodzy między państwem a gimnazjum. W kwestii stosunków profesorów Gimnazjum Mariackiego do państwowej polityki edukacyjnej w dobie Restauracji [Die Stettiner Philologen zwischen Staat und Gymnasium. Über die Beziehungen der Professoren des Mariengymnasiums zur staatlichen Bildungspolitik in der Restauration], in: Szczecińskie Studia Historyczne, Nr. 11 (1998).

Wehrmann, W.: Geschichte des Königlichen Marienstifts-Gymnasiums in Stettin (1544–1894), Stettin 1894.

Wiśniewski, J.: Początki układu kapitalistycznego 1713–1805 [Die Anfänge des kapitalistischen Systems 1713–1805], in: Dzieje Szczecina [Geschichte Stettins], Bd. 2, hg. v. G. Labuda, Warszawa u. Poznań 1985.

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Stand: 30.11.2004

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