Inhalt

Sie sind hier: BKGE » Onlinepublikationen » Archivführer » Staatsarchiv Stettin » Inhalt

Archivführer Stettin

Wählen Sie aus den möglichen Suchwegen

Begriff: Hofgericht, Kösliner

424

0008 Kösliner Hofgericht (Rep. 25, Sąd Nadworny w Koszalinie)

1582–1883; 313 AE, 5,9 lfm.

1720 ordnete König Friedrich Wilhelm I. an, für den Ostteil der preußischen Provinz Pommern ein neues Obergericht einzurichten. Es entstand das Kösliner Hofgericht, das lediglich Zivilprozesse behandelte, und zwar erstinstanzlich für den Adel sowie als Berufungsinstanz von Urteilen der Stadt-, Domänen- und Patrimonialgerichte. Alle Strafsachen wurden direkt an die Kammer für Strafsachen bei der Regierung in Stettin übergeben. Das Kösliner Gericht behandelte auch keine Lehnsfragen, da für ganz Preußisch-Pommern die Lehnskanzlei in Stettin zuständig war. 1780 wurde beim Kösliner Gericht ein Vormundschaftskollegium eingerichtet, das sich auch mit Depositen befaßte. 1783 erhielt das Kösliner Hofgericht das Recht, Hypothekenbücher für Adelsgüter in den östlichen Kreisen Hinterpommerns anzulegen – in den Kreisen Belgard, Herzogtum (die späteren Kreise Kolberg und Köslin), Rummelsburg, Schlawe, Stolp und Stettin. 1804 wurde der Einflußbereich des Gerichts um die Lande Lauenburg und Bütow erweitert, die bislang dem Departement Westpreußen angehört hatten. Das Kösliner Hofgericht bestand bis 1808, als es aufgrund des Gesetzes vom 26. Dezember über die Reform der Provinzialverwaltung zu einem Oberlandesgericht umgestaltet wurde.

Die Hofgerichtsakten wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Registratur des Oberlandesgerichts Köslin aufbewahrt. 1844 wurden sie dem Provinzialarchiv Stettin übergeben, wo sie inventarisiert und geordnet wurden. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Kösliner Akten nach Schwerinsburg (Kreis Anklam) ausgelagert, von wo aus sie nach Kriegsende in das Landesarchiv Greifswald gelangten. 1961 kehrte der Bestand Kösliner Hofgericht im Rahmen des deutsch-polnischen Archivalienaustausches in das Stettiner Archiv zurück.

Inhalt

Gerichtsorganisation, Vorschriften, Neuorganisation der Behörde, aus den Jahren 1764–1817, 3 AE.

Auseinandersetzungen der Städte, zwischen den Städten Bärwalde, Bublitz, Rummelsburg und Neustettin, um Grenzen, Gerichtswesen und Patronatsrechte, aus den Jahren 1604–1807, 4 AE.

Aufhebung von Allmenden, Separationen von Land und Auflösung von Allmenden in Guts-, Gemeinde-, Stadt- und Domänenbezirken, aus den Jahren 1769–1802, 75 AE.

Familienstreitsachen, Vormundschaft, Güterverkauf, Testamente, aus den Jahren 1582–1817, 191 AE.

Inventare adliger Güter, Steuerveranlagungen, Schätzung des Werts von Gütern, Rechnungen, Einkünfte und Ausgaben, aus den Jahren 1623–1785, 9 AE.

Ständefragen, Einberufung des Adels zur Beratung, Nobilitierungen, aus den Jahren 1613, 1731–1746, 2 AE.

Hypotheken, Anlegung von Hypothekenbüchern in den Landen Lauenburg und Bütow, darunter auch für den kaschubischen Adel, Pfandbriefe und Obligationen, aus den Jahren 1773–1883, 8 AE.

Zuschüsse, für die Entwicklung von Adelsgütern in den Landen Lauenburg und Bütow, für den Wiederaufbau von Kirchen und Armenhäusern, aus den Jahren 1682–1804, 6 AE.

Prozesse, Grenzstreitigkeiten, aus den Jahren 1746–1827, 15 AE.

Archivalische Hilfsmittel Findbuch.

Literatur

Gut, P.: Organizacja sądownictwa w pruskiej prowincji Pomorze w latach 1806/1808–1848/1849 [Die Organisation des Gerichtswesens in der preußischen Provinz Pommern zwischen 1806/1808 und 1848/49], Szczecin 2002.

Gut, P.: Procesy archiwotwórcze akt sądowych pruskiej prowincji Pomorze do 1945 roku [Archivbildende Prozesse der Gerichtsakten aus der preußischen Provinz Pommern bis 1945], in: Archiwa instytucji wymiaru sprawiedliwości w służbie państwa i obywateli [Die Archive von Institutionen des Justizwesens im Dienste des Staates und der Bürger], hg. v. J. Baranowski u. U. Zarzycka-Sutter, Łódź 2001.

PG

Zum Anfang

Stand: 30.11.2004

BKGE-Flyer als herunterladbare PDF-Datei