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0012 Nachlaß Martin Wehrmann (Rep. 42, Spuścizna Martina Wehrmanna)

1880–1937; 159 AE, 2,55 lfm.

Martin Wehrmann wurde am 16.6.1861 in Stettin geboren. Nach dem Studium in Halle, Berlin und Göttingen übernahm er eine Lehrerstelle am Stettiner Mariengymnasium. 1886 wurde er zum Vorstandsmitglied der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde gewählt, eines Vereins, der sich um die Geschichte und Archäologie der Region verdient machte und 1824 vom Stettiner Oberpräsidenten Johann August Sack gegründet worden war. Zwischen 1887 und 1912 redigierte er gemeinsam mit Emil Walter das Jahrbuch der Gesellschaft, die „Baltischen Studien“; gleichzeitig war er Chefredakteur der Vereinseigenen „Monatsblätter der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde“. Außerdem wurde Wehrmann als eifriger Fürsprecher für die Einrichtung einer Historischen Kommission für Pommern bekannt, deren Ziel es vor allem war, die nichtstaatlichen Archivbestände zu inventarisieren und zu bearbeiten. Nach vielen Schwierigkeiten wurde diese Kommission 1910 von den Provinzialbehörden eingesetzt. Im April 1912 wurde Wehrmann als Gymnasialdirektor nach Greifenberg versetzt. Einige Jahre später, im Oktober 1921, wurde er Direktor des Gymnasiums in Stargard. 1926 ging er in den Ruhestand; er starb am 9.9.1937.

Martin Wehrmann gilt als einer der hervorragendsten Historiker Pommerns. Von Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere an verteidigte er die Wissenschaftlichkeit der Landesgeschichte und polemisierte gegen Universitätshistoriker, welche den Landeshistorikern vorwarfen, zu keinem umfassenden Blick in der Lage zu sein. Wehrmann aber war zutiefst von der Gleichrangigkeit von Landesgeschichte und allgemeiner Geschichte Deutschlands überzeugt. Dieser Überzeugung verlieh er in seinen wissenschaftlichen Werken Ausdruck, die für die Zeit zwischen 1886 und 1937 rund 950 Titel umfassen. Dieses Schaffen läßt sich in vier prinzipielle Gruppen unterteilen. Zur ersten gehören Synthesen zur allgemeinen Geschichte Pommerns (1904), zur Geschichte der Städte Stettin (1911), Greifenberg und des Greifenberger Landes (1921) sowie der Insel Rügen (1927). Eine zweite Gruppe besteht aus Arbeiten zur pommerschen Schulgeschichte, u. a. des Mariengymnasiums (1894) und seiner Bibliothek (1894). Zur dritten Gruppe gehören Veröffentlichungen zur Kirchengeschichte, der Wehrmann rund 180 größere oder kleinere Artikel und Miszellen widmete. Schon 1887 erschien seine umfangreiche Geschichte der Stettiner Kirche St. Jacob bis zur Reformation. Einige Jahre später legte er eine Arbeit zur Marienkirche vor (1891). Er schrieb auch zahlreiche Beiträge zum Bistum Cammin. Die letzte Werkgruppe Wehrmanns gilt der Geschichte des Greifenhauses. Hier ist von größeren Arbeiten die 1937 erschienene Genealogie der pommerschen Herzöge zu nennen sowie ein im selben Jahr publizierter Artikel über die Herzogsgräber.

Der größere Teil der Handschriften Martin Wehrmanns wurde aufgrund seines Testaments der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde übergeben, während ein Teil der Materialien – seine Karteikarten mit der Regestensammlung – in den Jahren 1938 und 1939 direkt an das Statsarchiv Stettin überwiesen wurde. Insgesamt zählte die Sammlung Wehrmann 1939 259 AE (Rep. 38f). Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Sammlung wahrscheinlich nach Pansin ausgelagert. Nach dem Krieg kehrte nur ein Teil des Nachlasses Wehrmann ins Archiv zurück.

Inhalt

Allgemeine Geschichte und Quellen zur Geschichte Pommerns, allgemeine Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit, Geschichte Pommerns: Mittelalter – Chroniken, Neuzeit, Beschreibung der Reise von Ludwiga Gonzaga, Königin von Polen, durch Pommern (1646), Karl XII., Friedrich II., 18 AE.

Geschichte der französischen Besatzung im 19. Jahrhundert, preußische Militärreformen, Pommern zur napoleonischen Zeit, Blücher in Pommern, Materialien zur Geschichte der Niederlande und Englands, 9 AE.

Das pommersche Herrscherhaus, Genealogie und Chronologie des Greifenhauses, Literatur und Quellen zum pommerschen Herrscherhaus, Regesten von Urkunden des 14. Jahrhunderts, Reisen der pommerschen Herzöge, die Herzöge auf den Universitäten, Hofordnungen, Bestattungsplätze der pommerschen Herrscher, 14 AE.

Einzelne pommersche Herzöge, Bogislav X., Quellen und Literatur, Außenpolitik, Kirche, Städte und Handel, Verwaltung, Gerichtswesen, Stände, Reise des Herzogs nach Palästina und Rom, Philip Julius, Reise des Herzogs 1602 nach Italien, 9 AE.

Kirchengeschichte, Inventare der pommerschen Klöster, Pilgerfahrten, wiederholte Taufen, 4 AE.

Bistum Cammin, Materialien zur Geschichte des Bistums, Synoden des Camminer Domkapitels, Geschichte einzelner Bischöfe, Kanoniker, Archidiakone von Cammin, 9 AE.

Reformation, die pommersche Kirche vor der Reformation, Geschichte der Reformation, Johann Bugenhagen, die Reformation in Stettin, Kolberg und Stolp, 11 AE.

Materialien zur Geschichte einzelner Lande und Ortschaften, Freienwalde, Rügen, Stralsund und Zachan, 4 AE.

Materialien zur Geschichte des Kreises Greifenberg, Kirchen und Ortschaften, 5 AE.

Materialien zur Geschichte des Kreises Stargard, Kirchen und Ortschaften, 2 AE.

Allgemeine Materialien zu pommerschen Städten, die Städte im Mittelalter, mittelalterliche Wehrmauern, Stadtansichten, Gilden, 8 AE.

Materialien zur Geschichte von Stargard, Geschichte der Stadt (allgemein), Geschichte zwischen 1535 und 1636, Geistesleben, Daniel Hebron, Peter Groening (Gründer des Gymnasiums), 10 AE.

Materialien zur Geschichte von Stettin, Verfassung und Verwaltung im 15. Jahrhundert, Stadtansichten und -pläne, Schloß und Schloßkirche, Stettiner Kirchen: St. Marien, St. Georg, St. Gertrude, St. Jacob, St. Peter und Paul, der Stettiner Handel, Familie Loitz, Seemannshaus, Handelskrieg zwischen Stettin und Frankfurt/Oder, die Stettiner Schiffahrt, Industrie und Handwerk, Jageteuffel-Kolleg, Pädagogium, französische Besatzung, Belagerung der Stadt (1813), Polizei, Kirchenbücher, 34 AE.

Materialien zur Kunstgeschichte, Büßerkreuze, pommersche Gobelins, 2 AE.

Zeitschriften, Stettiner Zeitungen, 1 AE.

Persönlichkeiten, David Herlicius, 1 AE.

Archivalische Hilfsmittel und Bibliographien, Materialien über Archive, Verzeichnis der alten Drucke in der Stadtbibliothek, 3 AE.

Verschiedene Sammlungen, Landwirtschaft und Siedlungswesen in Pommern, Ärzte und Apotheken, Juden, die niederdeutsche Sprache, regionale Literatur, Geschichte des Kreises Cammin, 15 AE.

Archivalische Hilfsmittel Findbuch; Engel, F.: Rep. 38f Wehrmann (Inventar der Sammlung M. Wehrmann).

Literatur

Belleé, H.: Die Arbeiten Martin Wehrmanns in zeitlicher Folge, in: BSt NF, Bd. 33 (1931).

Braun, W.: Die Arbeiten Martin Wehrmanns der Jahre 1931 bis 1936 in zeitlicher Folge, in: BSt NF, Bd. 38 (1936).

Kausche, D.: Gedenkworte zum 100. Geburtstag Martin Wehrmanns, in: BSt NF, Bd. 48 (1961).

Randt, E.: Martin Wehrmann als Geschichtsforscher Pommerns, in: Pommersche Heimatpflege 2 (1931), H. 2.

Unterstell, R.: Martin Wehrmann (1861–1937) als Historiograph Pommerns, in: Zeitschrift für Ostmitteleuropaforschung 44 (1995).

MSz

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Stand: 30.11.2004

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