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0305 Städtisches Museum Stettin (Muzeum Miasta Szczecina)

[1876–] 1910–1945; 231 AE, 3,4 lfm.

Das Städtische Museum Stettin wurde am 23.6.1913 in einem neuerbauten Gebäude an der Hakenterasse eröffnet. Aufgrund eines am 11.7.1911 zwischen dem Stettiner Magistrat und dem Vorstand der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde abgeschlossenen Vertrags übernahm die Stadt für die neuen Räume an der Hakenterasse die Sammlungen der Gesellschaft, die seit den 1830er Jahren im Stettiner Schloß aufbewahrt wurden und seit 1879 für die Öffentlichkeit zugänglich waren (Antiquarisches Museum). In dem Vertrag verpflichteten sich die städtischen Behörden, die Kosten für den Transport der Sammlungen aus dem Schloß in das neue Gebäude zu tragen, ebenso die Kosten für die Einrichtung der Ausstellung, die Beheizung, die Beleuchtung und die Reparaturen des Gebäudes. Die Gesellschaft für Pommersche Geschichte sollte dagegen die Feuer- und Haftpflichtversicherung der Ausstellungsstücke tragen. Der Magistrat übernahm den Kustos der Sammlungen in ein Beschäftigungsverhältnis. Der Vorstand verpflichtete sich, die wissenschaftliche Betreuung der Sammlungen sicherzustellen sowie einen Katalog herauszugeben. Mit der Unterzeichnung des Vertrags entstand ein Organ, das die Museumsverwaltung unterstützte, vor allem bei der Veranstaltung von Ausstellungen: der Stettiner Museumsverein. Direktor des Museums wurde Walter Riezler (1878–1965), ein Archäologe und Schüler Adolf Furtwänglers in München. Riezler, ein Fürsprecher der modernen Kunst, wurde von den konservativen Kreisen Stettins bekämpft, die völkisch-nationale Kunst bevorzugten. Letztendlich wurde er im Dritten Reich 1934 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Als Direktor folgte ihm bis 1944 Otto Holtze nach.

Im Gebäude an der Hakenterasse fanden nicht nur die Sammlungen für Archäologie, Münzen und kirchliche Kunst sowie die der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde gehörenden Gemälde Platz, sondern auch die Sammlungen des Entomologischen Vereins sowie die Gemäldesammlung der Frau Woldermann (u. a. Werke von Frans Hals), die 1857 in Stettin eine städtische Gemäldegalerie eingerichtet hatte. Neben der Sammlung Woldermann wurden im Städtischen Museum Stettin 88 französische und deutsche Gemälde gezeigt, die der Berliner Generalkonsul Mauser 1876 der Stadt übergeben hatte. Viel Platz nahm im neueröffneten Museum die Antikensammlung Dohrn ein. Sie war von Heinrich Dohrn angelegt worden, einem Industriellen, Wissenschaftler und langjährigen Vorsitzenden des Entomologischen Vereins. Sein Wunsch war es, daß im geplanten Museum den Tendenzen der Zeit entsprechend eine Sammlung antiker Kunst entstehen sollte. Dohrn entschloß sich, Kopien griechischer Plastiken anzufertigen, und zwar nicht aus Gips, wie seinerzeit üblich, sondern aus Bronze und Marmor, womit er an römische Traditionen anknüpfte. Mit der Hilfe seines Bruders Anton und seiner polnischen Gattin Maria, geb. Baranowska, gelang es Heinrich, rund 100 Kopien von Plastiken aus klassischer und hellenistischer Zeit anfertigen zu lassen. Die Galerie für antike Kunst nahm zwischen 1913 und 1945 2/3 der Ausstellungsfläche im ersten Stock des Museums ein. 1928 wurden die archäologische Abteilung und andere Sammlungen, die der Gesellschaft für Pommersche Geschichte gehörten, in das neugebildete Pommersche Landesmuseum verlegt. Das Städtische Museum Stettin war bis März 1945 in Betrieb, als die kostbarsten Ausstellungsstücke, u. a. die Gemäldesammlung, aus Angst vor der sich nähernden Front nach Westen ausgelagert wurden. Sie kehrten nie mehr nach Stettin zurück und befinden sich heute im Pommerschen Landesmuseum Greifswald. Gegenwärtig gehören ein Teil des Gebäudes und die erhaltenen Sammlungen des alten Städtischen Museums dem Nationalmuseum Stettin.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm das Stettiner Archiv die nur zu einem geringen Teil erhaltenen Akten des Städtischen Museums Stettin sowie die Materialien des Stettiner Museumsvereins. Im Januar 2001 übergab das Nationalmuseum Stettin 48 AE aus der einstigen Registratur des Städtischen Museums.

Inhalt

Allgemeine Verwaltung, Vorgeschichte der Museumsgründung, Verordnungen, Sitzungen der Verwaltung, Korrespondenz mit anderen Museen, aus den Jahren [1876] 1911–1945, 38 AE.

Vergrößerung und Bearbeitung der Sammlungen, Abteilungen für Entomologie, Münzen, Volkskunde, Malerei und Plastik, Antikensammlung, Stiftungen Hermann Haken, Keddig, Scharlan, Familie Dohrn und Diederichs, Ankäufe, Ausleihen, Kataloge, aus den Jahren 1892–1943, 92 AE.

Stettiner Museumsverein, Jahresberichte, Veranstaltung von Ausstellungen, u. a.: „Daumier – Gavarni“, „Schweizer Graphik“, „Kunst der Goethezeit“, „Gustav Wimmer“, „Danziger Maler“, „Emil Nolde“, „Die Stettiner Landschaft“, Korrespondenz, aus den Jahren 1910–1944, 52 AE.

Zugang 2001, Errichtung des Gebäudes und Verwaltung des Museums, Schenkungen Dohrn und Pehlke, Dienstreisen, Kontakte mit anderen Museen, Berichte, Ausstellungen: „Gruppe der 6“, „Pommersche Künstler“, „Unter blauem Himmel“, Haushalt, Korrespondenz, Auslagerung der Sammlungen, aus den Jahren 1902–1945, 48 AE.

Archivalische Hilfsmittel Findbuch.

Literatur

Altenburg, O.: Die vorgeschichtlichen und kulturgeschichtlichen Sammlungen der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde, in: Monatsblätter 1928.

Lichtnau, B.: Szczeciński spór muzealny z 1913 roku [Der Stettiner Museumsstreit von 1913], in: MZP, Bd. 42 (1996).

Wołągiewicz, R.: Dzieje szczecińskiej kolekcji sztuki antycznej [Die Geschichte der Stettiner Antikensammlung], in: PZP, Bd. 32 (1988), H. 1-2.

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Stand: 30.11.2004

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