Laufende Projekte

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Forschungslage

Die Erforschung von Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen besitzt sowohl in historischer Perspektive als auch gegenwärtig eine hohe Relevanz. Über Jahrhunderte haben sie die Geschichte des Russländischen Reichs, der Sowjetunion sowie ihrer Nachfolgestaaten mitgeprägt, und heute leben rund 2,4 Millionen Russlanddeutsche in der Bundesrepublik Deutschland. Zugleich steht diese große zahlenmäßige Bedeutung in Diskrepanz zu dem geringen Wissen der Gesellschaft über die Russlanddeutschen – ein Umstand, den das BKGE durch eine kontinuierliche Beschäftigung mit der Thematik verbessern möchte.

Forschungsschwerpunkte sind hierbei die Konzeptionalisierung russlanddeutscher Geschichte als Migrationsgeschichte (in Kooperation mit der von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) geförderten Juniorprofessur Migration und Integration der Russlanddeutschen“ am IMIS Osnabrück), die Alltagsgeschichte in der poststalinistischen Sowjetunion sowie die Biographie Karls Stumpps.

Forschungsprojekt: Karl Stumpp (1896-1982)

Dr. Karl Stumpp (Mitte) mit Bessarabiendeutschen, Stuttgart 1934 (Ausschnitt) Bessarabiendeutscher Verein e. V., Heimatmuseum-Bildarchiv, Inv. Nr. 139509 (B409-21a).

Karl Stumpp ist bis heute die zentrale Figur der russlanddeutschen Geschichts- und Identitätspolitik. Sowohl in der Zwischenkriegszeit als auch nach 1945 kam ihm eine Schlüsselrolle bei der Konstituierung des Forschungsfeldes und bei der Gründung der russlanddeutschen Interessensorganisationen zu.

Während des Zweiten Weltkriegs leitete er nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion das „Kommando Dr. Stumpp“, das ‚rassische‘ Erfassungen der Bevölkerung in der besetzten Ukraine durchführte. Eine fundierte biographische Arbeit zu seiner Person stellt nach wie vor ein Desiderat der Forschung dar, das mit dem Projekt geschlossen werden soll.

Nachwuchsworkshop: Jenseits der "Volksgruppe"

Am 15. und 16. Februar 2018 veranstalteten die Juniorprofessur für Migration und Integration der Russlanddeutschen am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück und das BKGE einen interdisziplinären Nachwuchsworkshop zur Geschichte und Gegenwart der Russlanddeutschen unter dem Titel “Jenseits der ‚Volksgruppe‘". Im Anschluss an Rogers Brubaker ging es hierbei zentral um die Frage, wie eine Beschäftigung mit russlanddeutscher Kultur und Geschichte aussehen kann, die sich nicht implizit oder explizit essentialisierender Herangehensweisen bedient. Und was umgekehrt die Beschäftigung mit den Russlanddeutschen zum Studium von „Ethnizität ohne Gruppen“ (Brubaker) und zur Entwicklung einer reflexiven Migrationsforschung beitragen kann.

Tagung: Diktatur und Exil. Diktaturerfahrungen der Russlanddeutschen in vergleichender Perspektive

(Zwangs)migration und die doppelte Diktaturerfahrung in der russlanddeutschen Geschichte sowie die verschiedenen Narrative der Erinnerung hieran bildeten den Ausgangspunkt für diese gemeinsam vom Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte, dem BKGE sowie dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück (IMIS) veranstalteten Tagung. Durch einen multiperspektivischen Ansatz gelang es, in einem sehr fruchtbaren Dialog mit Vertreter/innen der Flüchtlingsforschung sowie den Zuhörer/innen den Bogen zu aktuellen Migrationsfragen und der Situation Geflüchteter zu schlagen. Die inhaltliche und methodische Öffnung des Forschungsfeldes „Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen“ konnte damit ein wichtiges Stück vorangebracht werden.

Tagung: Russlanddeutsche in einem vergleichenden Kontext - Neue Perspektiven der Forschung

Neben der Bearbeitung zentraler Themen sieht es das BKGE zudem als seine Aufgabe an, die Vernetzung der verschiedenen Forschungsstränge zu befördern und Impulse für neue Projekte zu geben.

Zu diesem Zweck veranstaltete das BKGE in Zusammenarbeit mit der Universitat Osnabrück und dem Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa (IKGN) in Lüneburg eine Tagung zu Stand und Perspektiven der Forschung unter dem Titel "Russlanddeutsche in einem vergleichenden Kontext: Neue Perspektiven der Forschung". Ziel war es, zentrale Desiderate zu benennen und Perspektiven zu ihrer Bearbeitung zu eröffnen.

Die Ergebnisse der Tagung wurden in Band 68 der Schriftenreihe des BKGE veröffentlicht.

Juniorprofessur für "Migration und Integration der Russlanddeutschen"

Im Rahmen des "Förderschwerpunkts Russlanddeutsche" wird seit 2014 die Juniorprofessur für "Migration und Integration der Russlanddeutschen" an der Universität Osnabrück (Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, IMIS) von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

Interdisziplinärer Workshop

Vertreter aus Wissenschaft und Kulturvermittlung kamen im Dezember 2012 im BKGE zu einem interdisziplinären Workshop zusammen, um über fachliche Desiderate sowie Zukunftsperspektiven bei der Förderung von Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen zu diskutieren.

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
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