Laufende Projekte

BKGE | Projekte | Russlanddeutsche

Forschungslage

Die Erforschung von Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen besitzt sowohl in historischer Perspektive als auch gegenwärtig eine hohe Relevanz. Über Jahrhunderte haben sie die Geschichte des Russländischen Reichs, der Sowjetunion sowie ihrer Nachfolgestaaten mitgeprägt, und heute leben rund 2,4 Millionen Russlanddeutsche in der Bundesrepublik Deutschland. Zugleich steht diese große zahlenmäßige Bedeutung in Diskrepanz zu dem geringen Wissen der Gesellschaft über die Russlanddeutschen – ein Umstand, den das BKGE durch eine kontinuierliche Beschäftigung mit der Thematik verbessern möchte.

Forschungsschwerpunkte sind hierbei die Konzeptionalisierung russlanddeutscher Geschichte als Migrationsgeschichte (in Kooperation mit der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) geförderten Juniorprofessur Migration und Integration der Russlanddeutschen“ am IMIS Osnabrück), die Alltagsgeschichte in der poststalinistischen Sowjetunion sowie die Biographie Karls Stumpps.

Call for Papers: Russian Germans on Four Continents: Global History and Present

Conference 10-12 November 2021 - Deadline for proposals: 15 April 2021

Organizers: Anna Flack, Institute for Migration Research and Intercultural Studies (IMIS), University of Osnabrück; Hans-Christian Petersen, Federal Institute for the Culture and History of the Germans from Eastern Europe (BKGE), Oldenburg; Jannis Panagiotidis, Research Center for the History of Transformations (RECET), University of Vienna; Jan Musekamp, Department of History, University of Pittsburgh
10-12 November 2021


The history of Russian Germans is a history of intensive mobility across space and time. The very presence of settlers from German-speaking Central Europe in the Russian Empire was the result of sustained migration processes ever since Catherine the Great issued her Manifesto for the recruitment of settlers for the internal frontier of the expanding Russian Empire in 1763. People of different regional origins and religious denominations (mostly Protestants, but also Catholics and Mennonites), who only in the 20th century would become known by the collective term "Russian Germans" (Russlanddeutsche), heeded the call. Subsequent movements of these colonists and their descendants in the course of the second half of the 19th century led them into Siberia, Central Asia as well as overseas to the Americas. The First World War, the Russian Revolution and the Civil War were additional catalysts for emigration.
The Germans in the Soviet Union and in Soviet-occupied Eastern Europe were irrevocably set into motion during the Second World War. After the Molotov-Ribbentrop pact, Nazi Germany resettled Germans from Soviet-occupied regions, and during the war also from occupied Soviet territories. Some of those "Heim ins Reich" settlers emigrated overseas after the war. Starting in August 1941, Soviet authorities rounded up their German citizens from the Volga and other regions and deported them eastward. Once they were released from collective confinement in 1955, the deportees inside the Soviet Union were on the move again. Their initial destinations were often in the Central Asian republics, later also both Germanies. With the gradual lifting of the Iron Curtain during the Perestroika years, Russian German mass emigration was set into motion. Only a minority remained in the former Soviet Union.
As a result, today the descendants of the original Russian German settlers live on four continents: predominantly in Europe (Germany), in Asia (Russia beyond the Urals and Kazakhstan), and in North and South America. Depending on when they left Russia, their identification as "Russian German" or "German from Russia" is more or less pronounced. Some of those who left the Soviet Union in the 1990s for Germany now move again, following traditional overseas migration paths to live their Mennonite or Pentecostal faith in remote areas of Canada or Bolivia, thereby creating new global entanglements and connections.
In this conference, we want to approach the global history and the global present of this particular group of ethnic Germans from Eastern Europe from an interdisciplinary angle. We invite papers from historians, anthropologists, ethnographers, linguists, and scholars of other disciplines who deal with topics such as:
- Global networks of Germans from Russia
- Questions of belonging in different imperial, national, and cultural contexts
- Encounters with "indigenous" peoples on different frontiers
- Russian-German diaspora activism
- State diaspora politics of both Germany and Russia
- Contacts across the "Iron Curtain" during the Cold War
- Recent global migrations (e.g. from Germany to the Americas)
- Global religious diasporas a (e.g. Mennonites)
- Everyday material and non-material culture (language, cuisine, housing...)
Participants in the conference are expected to contribute their papers to an English-language edited volume (Lexington Books have already expressed interest). Papers should have an average length of 8,000 words and be in good draft shape by the time of the conference, so we can proceed with the publication process soon after.
Please submit proposals for papers of not more than 300 words to globalrussiangermans@gmail.com until 15 April 2021.
Since we do not expect a return to normal international travel by this fall, the conference will take place online!

Call for Articles

Forschungsprojekt: Karl Stumpp (1896-1982)

Dr. Karl Stumpp (Mitte) mit Bessarabiendeutschen, Stuttgart 1934 (Ausschnitt) Bessarabiendeutscher Verein e. V., Heimatmuseum-Bildarchiv, Inv. Nr. 139509 (B409-21a).

Karl Stumpp ist bis heute die zentrale Figur der russlanddeutschen Geschichts- und Identitätspolitik. Sowohl in der Zwischenkriegszeit als auch nach 1945 kam ihm eine Schlüsselrolle bei der Konstituierung des Forschungsfeldes und bei der Gründung der russlanddeutschen Interessensorganisationen zu.

Während des Zweiten Weltkriegs leitete er nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion das „Sonderkommando Dr. Stumpp“, das ‚rassische‘ Erfassungen der Bevölkerung in der besetzten Ukraine durchführte. Eine fundierte biographische Arbeit zu seiner Person stellt nach wie vor ein Desiderat der Forschung dar, das mit dem Projekt geschlossen werden soll.

Nachwuchsworkshop: Jenseits der "Volksgruppe"

Am 15. und 16. Februar 2018 veranstalteten die Juniorprofessur für Migration und Integration der Russlanddeutschen am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück und das BKGE einen interdisziplinären Nachwuchsworkshop zur Geschichte und Gegenwart der Russlanddeutschen unter dem Titel “Jenseits der ‚Volksgruppe‘". Im Anschluss an Rogers Brubaker ging es hierbei zentral um die Frage, wie eine Beschäftigung mit russlanddeutscher Kultur und Geschichte aussehen kann, die sich nicht implizit oder explizit essentialisierender Herangehensweisen bedient. Und was umgekehrt die Beschäftigung mit den Russlanddeutschen zum Studium von „Ethnizität ohne Gruppen“ (Brubaker) und zur Entwicklung einer reflexiven Migrationsforschung beitragen kann.

Tagung: Diktatur und Exil. Diktaturerfahrungen der Russlanddeutschen in vergleichender Perspektive

(Zwangs)migration und die doppelte Diktaturerfahrung in der russlanddeutschen Geschichte sowie die verschiedenen Narrative der Erinnerung hieran bildeten den Ausgangspunkt für diese gemeinsam vom Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte, dem BKGE sowie dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück (IMIS) veranstalteten Tagung. Durch einen multiperspektivischen Ansatz gelang es, in einem sehr fruchtbaren Dialog mit Vertreter/innen der Flüchtlingsforschung sowie den Zuhörer/innen den Bogen zu aktuellen Migrationsfragen und der Situation Geflüchteter zu schlagen. Die inhaltliche und methodische Öffnung des Forschungsfeldes „Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen“ konnte damit ein wichtiges Stück vorangebracht werden.

Tagung: Russlanddeutsche in einem vergleichenden Kontext - Neue Perspektiven der Forschung

Neben der Bearbeitung zentraler Themen sieht es das BKGE zudem als seine Aufgabe an, die Vernetzung der verschiedenen Forschungsstränge zu befördern und Impulse für neue Projekte zu geben.

Zu diesem Zweck veranstaltete das BKGE in Zusammenarbeit mit der Universitat Osnabrück und dem Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa (IKGN) in Lüneburg eine Tagung zu Stand und Perspektiven der Forschung unter dem Titel "Russlanddeutsche in einem vergleichenden Kontext: Neue Perspektiven der Forschung". Ziel war es, zentrale Desiderate zu benennen und Perspektiven zu ihrer Bearbeitung zu eröffnen.

Die Ergebnisse der Tagung wurden in Band 68 der Schriftenreihe des BKGE veröffentlicht.

Juniorprofessur für "Migration und Integration der Russlanddeutschen"

Im Rahmen des "Förderschwerpunkts Russlanddeutsche" wird seit 2014 die Juniorprofessur für "Migration und Integration der Russlanddeutschen" an der Universität Osnabrück (Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, IMIS) von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

Interdisziplinärer Workshop

Vertreter aus Wissenschaft und Kulturvermittlung kamen im Dezember 2012 im BKGE zu einem interdisziplinären Workshop zusammen, um über fachliche Desiderate sowie Zukunftsperspektiven bei der Förderung von Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen zu diskutieren.

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
Johann-Justus-Weg 147a | 26127 Oldenburg
Telefon: +49 441 96 19 5-0 | Fax: +49 441 96 19 5-33 | E-Mail: bkge@bkge.uni-oldenburg.de