Aufgaben und Arbeitsbereiche

BKGE | Aufgaben und Arbeitsbereiche | Forschungsprogramm des BKGE

Forschungsleitlinie und Forschungsprogramm des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (2018–2020)

Vorbemerkung

Das BKGE ist eine Ressortforschungseinrichtung des Bundes im Geschäftsbereich der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Wesentliches Merkmal der Arbeitskonzeption von Ressortforschungseinrichtungen ist ihre Aufgabenstellung an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik. Dementsprechend hat das BKGE den Auftrag der wissenschaftsbasierten Politikberatung, der sich auf den Bereich von Geschichte und Erinnerung bezieht. Dieser Auftrag manifestiert sich in der Kombination von Dienstleistungen, in den hoheitlichen Bereich und Vollzug hineinführenden Aufgaben sowie problemorientierter, praxisnaher und kontinuierlicher Politikberatung. Die Ressortforschung des BKGE dient der Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Entscheidungshilfen für die unmittelbare Erfüllung von Fachaufgaben und der Politikberatung.

Unter „wissenschaftsbasierter Politikberatung" versteht das BKGE den umfassenden Prozess der Erhebung und Auswertung von Informationen aus Geschichte und Gegenwart für Entscheidungsträger in Politik und Ministerialverwaltung. Dieser Prozess erfolgt auf der Grundlage eigener, in wissenschaftlicher Unabhängigkeit und ergebnisoffen durchzuführender Erhebungen, Dokumentationen und ergänzender Forschungen.

Die Forschungen des BKGE bilden die Grundlagen für die wissenschaftsbasierten Dienstleistungen, mit denen das BKGE die Bundesregierung bei der Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben unterstützt; dazu gehören u. a. gutachterliche Stellungnahmen und Evaluationen, begleitende und vorbereitende Arbeiten im Zusammenhang mit der Entwicklung und Fortschreibung von Konzeptionen und Konzepten, Informationsauswertung, Publikationen, Durchführung von und Beteiligung an Tagungen, akademische Lehre, Aktivitäten in universitären und außeruniversitären Institutionen und Gremien. Die Ergebnisse der Tätigkeit werden vorrangig in den Publikationen des BKGE (Schriftenreihe, Jahrbuch, Online-Publikationen) veröffentlicht. Das BKGE stellt seine Arbeitsergebnisse im Sinne eines Wissenstransfers adressatenorientiert (Homepage, Pressemitteilungen, Veranstaltungen zum Wissenstransfer, Präsentationen usw.) einer größeren Öffentlichkeit vor.

1. Grundlagen: Arbeitsrahmen des BKGE

Der Arbeitsrahmen des BKGE wird abgesteckt von:

1.1 Allgemeiner Auftrag nach § 96 BVFG

Den Auftrag der Politikberatung erfüllt das BKGE auf der Grundlage des § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG). Demnach sind Bund und Länder verpflichtet, das „Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten". Dieser gesetzliche Auftrag bildet den Rahmen sowohl für die Beratung und Unterstützung der Bundesregierung bei der Durchführung des § 96 BVFG als auch für die wissenschaftliche Tätigkeit des BKGE. Der Begriff „Kulturgut der Vertreibungsgebiete" wird im Sinne der 2016 weiterentwickelten Förderkonzeption der Bundesregierung nach § 96 BVFG ausgelegt. Er bezieht sich auf die überwiegend pluriethnisch und multikulturell geprägten Regionen Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas, in denen Deutsche gelebt haben oder noch heute leben. Der regionale Fokus liegt auf den historischen preußischen Ostprovinzen (insbesondere Schlesien, Pommern, Ost- und Westpreußen) sowie den früheren und heutigen Siedlungsgebieten von Deutschen in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa.

1.2 Errichtungserlass des BKGE

Der in § 2 der Neufassung des Errichtungserlasses vom 01.07.2016 festgeschriebene Auftrag der „wissenschaftsbasierten Politikberatung im Bereich von Geschichte und Erinnerung" und die in § 3 genannten Aufgaben, vor allem die Beratung und Unterstützung der Bundesregierung in allen Fragen der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, spiegeln sich in Schwerpunktsetzungen, Themen- und Methodenwahl des Forschungsprogramms („Erhebungen, Dokumentationen und ergänzende Forschungen") wider. Einen weiteren Akzent der Arbeit des Instituts bilden der „Aufbau und die Pflege von Kooperationsnetzwerken mit Institutionen im In- und Ausland zu „Fragen transnationaler europäischer Geschichtsbetrachtung" (§ 3 Abs. 3 Satz d). Das BKGE nimmt diesen Auftrag vor allem im Rahmen des Europäischen Netzwerks Erinnerung und Solidarität (ENRS) wahr.

1.3 Konzeption der Bundesregierung zur Erforschung und Präsentation deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa

Die 2016 mit dem Ziel der verstärkten europäischen Integration veröffentlichte „Weiterentwicklung der Konzeption der Bundesregierung zur Erforschung und Präsentation deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa" legt ihre Akzente auf wissenschaftsbasierte Geschichtsvermittlung und Erinnerungstransfer sowie Nachwuchsförderung; den digital humanities wird ein hoher Stellenwert eingeräumt. Neue thematische Schwerpunkte gelten der Geschichte der Regionen im östlichen Europa nach 1945 und den in diesem Raum lebenden deutschen Minderheiten (z. B. S. 7, 10) sowie den Aussiedlern und Spätaussiedlern. Berücksichtigung finden auch die Heimatvertriebenen und ihre Nachkommen (z. B. S. 5, 15): Integrationsforschung (S. 11, 15), Zeitzeugendokumentationen und die Erfassung der Heimatsammlungen (S. 9) werden in diesem Kontext eigens genannt. Dem deutsch-jüdischen Kulturerbe gilt besonderes Augenmerk (S. 15). Zentrale Anliegen sind internationaler Austausch und Kooperation. Das BKGE unterstützt die BKM bei der Umsetzung und Fortschreibung der Konzeption.

1.4 Arbeitsaufträge

Neben der Generierung eigener Themen erhält das BKGE konkrete wissenschaftliche Arbeitsaufträge. Dazu gehört als Langzeitaufgabe (seit 2005) die Koordination des ENRS (Beauftragung mit der Vertretung der BKM im Lenkungsausschuss) ebenso wie die Aufnahme von Forschungen zu aktuellen Themen der Erinnerungskultur und Gedenkpolitik; in den kommenden Jahren sind dies u. a. 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs und dessen Folgen sowie das „Kant-Jubiläum 2024" (300. Geburtstag des Philosophen).

1.5 Rahmenarbeitsplan des BKGE

Der von der BKM im Zusammenwirken mit dem Wissenschaftlichen Beirat und dem BKGE in regelmäßigen Abständen überarbeitete und aktualisierte Rahmenarbeitsplan beschreibt und konkretisiert die zu realisierenden Tätigkeiten. Er bildet die Basis für die vorliegende Forschungsleitlinie und das Forschungsprogramm.

2. Forschungsleitlinie

Angesichts seines regional definierten Arbeitsbereichs orientieren sich die Forschungen des BKGE an den Fragestellungen und Methoden einer transnational und transkulturell angelegten Regionalforschung. An Bedeutung gewonnen haben Fragen der Kriegs- und Kriegsfolgeerfahrungen wie Diktaturerfahrung und Zwangsmigration sowie Totalitarismus, vor allem vor dem Hintergrund der Beauftragung des Direktors als nationaler Koordinator im ENRS. Ansätze der Erinnerungsforschung, der Historiographiegeschichte – auch im Zusammenhang mit der Analyse nationaler Geschichtskonstruktionen – spielen in der Arbeit des BKGE eine wichtige Rolle.

In den Bereich der „Vorlaufforschung" für das Ressort gehören Themensetzungen, die historisch, politisch und gesellschaftlich relevante Gedenkdaten antizipieren ebenso wie solche, die Entwicklungen im kulturellen und politischen Bereich begleiten. Dies umfasst die Konzeption und Realisierung eigener Projekte sowie die entsprechende Beratung der BKM und der BKM-geförderten Einrichtungen.

Die Forschungsvorhaben des BKGE basieren auf enger Vernetzung; dabei wird auch der Transfer von wissenschaftlichen Ergebnissen stets mitbedacht. Aktuelle Diskurse und methodische Ansätze werden auf das spezifische Forschungsfeld übertragen und in Kohärenz zu dem epochal, regional und inhaltlich weit gefassten Beratungsauftrag weiterentwickelt. Dabei fließen die Initiativen der Mitarbeiter/innen ebenso ein wie Anregungen des Wissenschaftlichen Beirats und aus der scientific community. Das Arbeitsprogramm des BKGE wird dem Wissenschaftlichen Beirat zur Stellungnahme vorgelegt.

Formale Kriterien für die Generierung neuer Forschungsthemen sind wissenschaftliche Bedeutung, kulturpolitische bzw. gesellschaftliche Aktualität, Nutzer- und Beratungsrelevanz sowie wechselseitige Komplementarität. Ein neu aufzunehmendes Vorhaben wird darauf geprüft, inwiefern es zur Abrundung der Gesamtkonzeption des BKGE im Sinne einer Ressortforschungseinrichtung beiträgt. Dementsprechend wird das Forschungsprogramm regelmäßig aktualisiert und justiert. Neben strukturellen Querschnittsprojekten und der für die Ressortforschung konstitutiven „Vorlaufforschung" fügen sich die einzelnen Vorhaben in die Themenfelder der Gesamtkonzeption ein. Diese umfasst längerfristige Projekte ebenso wie Vorhaben, die auf kurzfristig abrufbare Beratungskompetenz zielen.

Das Ineinandergreifen aller Projekte und Aufgaben des BKGE zielt auf eine ausgewogene Verteilung auf die Bereiche Politikberatung, Dienstleistung für Politik und Gesellschaft, Bereitstellung von Informationen sowie ergänzender Forschungen einschließlich „Vorlaufforschung".

Die Mitarbeiter/innen des BKGE sind den von der DFG aufgestellten Kriterien zur „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" verpflichtet (Verpflichtungserklärung des BKGE vom 27.11.2006). Ihre jeweiligen fachlichen Expertisen in den Disziplinen Geschichte, Literatur-/Sprachwissenschaft, Volkskunde/Europäische Ethnologie, Kunstgeschichte/Denkmalpflege und der digital humanities werden ergänzt durch interkulturelle Kompetenzen, insbesondere Kenntnisse der Sprachen sowie der Strukturen der Wissenschaftslandschaften im östlichen Europa (Personen, Institute, Museen, Archive, Bibliotheken usw.). Dies umfasst den gesamten Bereich der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa sowie Fragen transnationaler Geschichtsbetrachtung und europäischer Erinnerungskultur. Die akademische Weiterqualifikation wird im Rahmen der Kapazitäten ermöglicht.

Neben der internationalen Vernetzung – unter anderem durch formelle Kooperationsvereinbarungen – sichern interne und externe Qualitätssicherungsverfahren (Wissenschaftlicher Beirat, Organisationskontrollen, Rechnungsprüfungen), externe Evaluierungen sowie die Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft der Ressortforschungseinrichtungen die fachliche, politische und gesellschaftliche Akzeptanz des BKGE als gutachtende Einrichtung.

Drittmitteleinwerbung ist ein Indikator erfolgreicher wissenschaftlicher Arbeit; das BKGE setzt sich für die Akquirierung zusätzlicher Mittel ein.

3. Forschungsprogramm 2018-2020

Die geschichtspolitischen Entwicklungen sowie die Diskurse auch im Kontext der Migrationsereignisse der letzten Jahre geben Anlass zu Reflexion und Revision von Themen und Fragestellungen der Ostmittel-, Ost- und Südosteuropaforschung.

Die Betrachtung von Migrationsprozessen und die historische Perspektive auf Praktiken des Umgangs mit Alterität bieten neue Ansatzpunkte gerade auch für eine Beschäftigung mit der Geschichte der Deutschen im östlichen Europa als Migrationsgeschichte, die gleichzeitig die Spezifik von Zwangsmigration, Flucht, Vertreibung und Deportation berücksichtigt.

Der vielfach zu beobachtenden, politisch motivierten Rückwendung zu national fokussierten und affirmativen Geschichtsnarrationen soll mit den Konzepten der histoire croisée und der Transkulturalität begegnet werden, die Fragen transnationaler Verflechtungen in den Mittelpunkt stellen. Neue Aktualität gewinnen auch diejenigen Forschungsansätze der Historiographiegeschichte und der Erinnerungsforschung, die Strategien der Konstruktion von Geschichtsbildern und kollektiver Erinnerung untersuchen.

In Kooperation mit dem ENRS werden Forschungen zu Kriegs- und Diktaturerfahrungen realisiert. Dabei stehen aus aktuellem Anlass der Erste Weltkrieg und seine Folgen im Fokus. Aktuelle Gedenkdaten – das Bauhausjubiläum 2019 – bestimmen auch die Vorhaben zur Architekturgeschichte der Moderne im östlichen Europa, einem der Langzeitprojekte der transkulturellen Regionalforschung am BKGE.

Ein neuer Akzent innerhalb der Querschnittsprojekte ist die Anwendung digitaler Methoden (digital humanities) zur netzbasierten Vermittlung von Forschungsergebnissen und -informationen, die in Kooperation mit weiteren Einrichtungen im Förderbereich der BKM nach § 96 BVFG erprobt werden soll.

Das Forschungsprogramm des BKGE für die Jahre 2018–2020 umfasst folgende Rahmenbereiche:

  • Querschnittsprojekte – Dokumentation und Bereitstellung von Informationen,
  • Geschichte der inter- und transnationalen Beziehungen,
  • Transkulturelle Regionalforschung,
  • Kriegs-, Kriegsfolge- und Diktaturerfahrungen,
  • Migrationsforschung,
  • Historiographiegeschichte,
  • Rezeptionsgeschichte,
  • Nachwuchsförderung: Akademische Lehre der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Akademische Förderprogramme, Immanuel-Kant-Stipendium, Vergabe von Praktikantenstellen.

3.1 Querschnittsprojekte – Dokumentation und Bereitstellung von Informationen

Erhebung, Dokumentation und Aufbereitung von Informationen gehören zu den Kernaufgaben des BKGE und sind sowohl für die Politikberatung als auch für die wissenschaftliche Vernetzung notwendig. Das BKGE muss in der Lage sein, kurzfristig, kompetent und neutral zu beraten, damit Politik und Verwaltung zeitnah auf aktuelle Fragestellungen reagieren können. Diesen Auftrag erfüllt das BKGE durch die Bereitstellung von Print- und Onlineangeboten sowie die Organisation und Dokumentation wissenschaftsbasierter kulturpolitischer Tagungen.

Folgende Vorhaben werden im Rahmen der Querschnittsprojekte realisiert:

3.1.1 Schriftenreihe des BKGE

In der Schriftenreihe werden die Ergebnisse von Eigen- und Kooperationsprojekten des BKGE publiziert, ebenso wie thematisch einschlägige Monographien externer Autorinnen und Autoren, auch in Übersetzung. Einen Schwerpunkt bildet die Erschließung von Archivalien- und Quellenbeständen: in Kooperation mit der Universität Passau entsteht aktuell ein „Wegweiser zu den Quellen der Deutschen in russischen Archiven".

3.1.2 Online-Journal für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (JKGE)

Das Erscheinen des bisherigen „Jahrbuchs" des BKGE wurde eingestellt. An seine Stelle tritt das JKGE, das als Online-Publikation im open access sowie als print on demand publiziert wird. Das interdisziplinär angelegte Journal wird vom BKGE in Verbindung mit einem Herausgeberkreis publiziert und ab 2019/2020 jährlich im Verlag DeGruyter/Oldenbourg erscheinen. Die einzelnen Ausgaben setzen als forschungsorientierte Themenhefte wechselnde Schwerpunkte, konzipiert von ebenfalls wechselnden Herausgeberinnen und Herausgebern. Die Beiträge werden in einem double blind peer review-Verfahren begutachtet.

3.1.3 Online-Lexikon „Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa"

Das Online-Lexikon bietet Informationen zu Ländern, Regionen, Orten, Themen und Konzepten mit Bezug zu Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Es erschließt für den gesamten Förderbereich relevante Themen in methodisch zeitgemäßer und technisch innovativer Form. Das Online-Lexikon dokumentiert aktuelle Forschungsstände sowie neuere Literatur und vernetzt das BKGE mit einem internationalen Expertenkreis. Es wird in Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg erarbeitet und auf der Homepage der Universität präsentiert. Als Autorinnen und Autoren sind derzeit ca. 150 Wissenschaftler/innen aus zahlreichen Ländern beteiligt. Das Lexikon wird kontinuierlich vervollständigt und aktualisiert.

3.1.4 Digital humanities – Netzbasierte Forschungs- und Vermittlungskooperationen

Im Bereich der digital humanities wird insbesondere die Nutzbarmachung des im Online-Lexikon für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa vorhandenen bzw. noch entstehenden Text-, Daten- und Bildmaterials in Zusammenarbeit mit dem im Herder-Institut im Aufbau befindlichen zentralen Informationsportal geprüft. In der Planungsphase ist ferner die Entwicklung eines Forschungskonzeptes in Zusammenarbeit mit Museen im Bereich des §96 BVFG. Die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen der Automatisierung in der Dokumentation und Auswertung von Text- und Bildmaterial sowie von materiellen Kulturgütern wird hierbei eine Rolle spielen.

3.1.5 Wissenstransfer – Wissenschaftsbasierte kulturpolitische Tagungen

Um kulturpolitisch aktuelle Themen aus dem Förderbereich der BKM öffentlichkeitswirksam aufzugreifen, veranstaltet das BKGE jährlich eine populärwissenschaftliche Tagung in Berlin. Ziel ist insbesondere, die Relevanz aktueller Themen für die Regionen mit deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa, die im allgemeinen Bewusstsein oft kaum präsent sind, zu verdeutlichen. Die Redebeiträge werden als gedruckte Broschüre und im Online-Format publiziert (2018: „1918–2018. Das Ende des Ersten Weltkriegs und das östliche Europa").

3.2 Geschichte der inter- und transnationalen Beziehungen

Seit sich im 19. Jahrhundert die „Nation" als dominante politische Kategorie durchsetzen konnte, gehört die Erforschung des Verhältnisses zwischen Staat, Nation und „nationaler Minderheit" zu den Grundkonstanten der Geschichtswissenschaften. Die ethnische, religiöse und kulturelle Vielfalt im östlichen Europa führte dazu, dass bis in die Gegenwart sowohl in der Wissenschaft als auch in der Politik der Rolle „nationaler Minderheiten" in den Beziehungen zwischen Staaten und grenzüberschreitend agierenden Gruppen eine besondere Relevanz zugeschrieben wird. Zwei Forschungsprojekte des BKGE zielen darauf ab, unter Berücksichtigung aktueller Forschungsansätze das Verhältnis deutscher und anderer nationaler Minderheiten im östlichen Europa zu ihren „Mutterländern" und „Heimatstaaten" sowie ihren Einfluss auf die inter- und transnationalen Beziehungen zu untersuchen.

3.2.1 Nationale Bewegung und internationale Politik im transnationalen Spannungs- feld zwischen Österreich-Ungarn, Rumänien und Serbien 1901– 1916

Das Projekt untersucht den Einfluss der rumänischen und der serbischen Nationalbewegung auf die politischen Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn einerseits und Rumänien bzw. Serbien andererseits im Vorfeld des Ersten Weltkriegs. Bezogen auf die Wahrnehmungs- und Handlungsmuster der Politiker und Diplomaten im Kontext der Siebenbürgischen und der Südslawischen Frage sollen diese Einflüsse miteinander verglichen und die Verbindungen zu den Nationalbewegungen der Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben herausgearbeitet werden. Das Auftreten nichtstaatlicher, international handelnder Akteure im Rahmen der Nationalbewegungen auf beiden Seiten der habsburgischen Südostgrenze unterstreicht die Notwendigkeit der Berücksichtigung transnationaler Perspektiven auf die „Internationale Geschichte".
(verantwortlich: Gerald Volkmer)

3.2.2 Deutsche Minderheiten im östlichen Europa

In der 2016 verabschiedeten Weiterentwicklung der Förderkonzeption nach § 96 BVFG (s. o. 1.3) wird die Bedeutung der Förderung der deutschen Minderheiten im östlichen Europa hervorgehoben. In Polen, Rumänien, Ungarn oder Russland leben bis heute Deutsche als nationale Minderheiten, gegenüber denen sich die Bundesrepublik Deutschland als Staat verpflichtet fühlt. Sie werden im Einvernehmen mit dem jeweiligen Land, in dem sie leben, von der Bundesregierung gefördert und unterstützt. In vergleichbarer Weise betrachten sich auch Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien und andere Staaten Europas gegenüber im Ausland lebenden nationalen Minderheiten als zuständig. Trotz zahlreicher nationaler und internationaler Normen zum Minderheitenschutz gibt es keine einheitlichen Richtlinien in der Förderpolitik europäischer Staaten zugunsten im Ausland lebender nationaler Minderheiten. Im Rahmen eines vergleichend angelegten, auf Mittel-, Ost- und Südosteuropa bezogenen Forschungsvorhabens soll die diesbezügliche Politik der Staaten gegenüber nationalen Minderheiten unter Einbeziehung der jeweiligen historischen Hintergründe untersucht werden.
(verantwortlich: Gerald Volkmer)

3.3 Transkulturelle Regionalforschung

Angesichts seines geographisch definierten Arbeitsauftrags spielen Fragestellungen zu Kultur und Geschichte einzelner Regionen des östlichen Europa und ihren transkulturellen Verflechtungen in den Forschungen des BKGE eine zentrale Rolle. Im Fokus stehen Themen der Alltags-, Kunst- und Kulturgeschichte.

3.3.1 Architekturgeschichte der Moderne im östlichen Europa

Die Erforschung der Architekturgeschichte der Moderne im östlichen Europa ist ein kunsthistorisches Langzeitprojekt des BKGE, das vorwiegend in Zusammenarbeit mit dem Architekturmuseum in Breslau (Muzeum Architektury we Wrocławiu) realisiert wird; daneben umfasst es Übersetzungen wichtiger Publikationen ins Deutsche. Mit Bezug auf das Bauhaus-Jubiläum 2019 stehen in den kommenden Jahren Fragen der Verflechtung und/oder Abgrenzung der Avantgardearchitektur und -kunst in Ostmitteleuropa mit bzw. gegenüber dem Bauhaus im Fokus. Ein Ausgangspunkt ist dabei die Breslauer Architekturszene mit ihren Kontakten ins östliche Europa, v. a. nach Polen und Ungarn. So sollen Künstlernetzwerke, die in den 1920er Jahren ungeachtet von zwischenstaatlichen politischen Spannungen entstanden und nach 1939 bzw. 1945 in Vergessenheit gerieten, rekonstruiert werden.
(verantwortlich: Beate Störtkuhl)

3.3.2 Konsumgeschichte Breslaus im 19. und 20. Jahrhundert

In Kooperation mit der Universität Wrocław/Breslau werden Phänomene des Konsums und der Freizeitgestaltung der schlesischen Metropole seit dem frühen 19. Jahrhundert erforscht. Seit etwa 1800 bildete sich ein größeres Angebot an Konsummöglichkeiten, die über den unmittelbaren Bedarf hinausgingen, sowie ein diversifiziertes Freizeitangebot heraus. Damit traten verschiedene Akteure auf den Plan, die Konsumangebote für die Lebenshaltung und die Freizeitgestaltung machten: Unternehmer und Kaufleute, Genossenschaften, staatliche und städtische Behörden, religiös motivierte und karitative Einrichtungen, aber auch Strukturen der Volksbildung sowie die Arbeiterbewegung. Für die Erforschung dieser Entwicklungen bietet sich die interdisziplinär arbeitende Konsumgeschichte als relativ junges, integratives und gegenwärtig stark expandierendes Feld an. Sie zielt auf die Erforschung wirtschaftlicher, politischer, sozialer und kultureller Phänomene und Aspekte von Gesellschaften und geht davon aus, dass diese in Europa spätestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts zunehmend als „Konsumgesellschaften" beschrieben werden können, wenn ein breiter Konsumbegriff zu Grunde gelegt wird.
(verantwortlich: Heinke Kalinke)

3.3.3 Oldenburg und Russland (18.-19. Jahrhundert)

Im Kontext des BKGE-Schwerpunkts „Russland" wird ein Akzent auf die historischen Beziehungen Oldenburgs zu Russland gelegt, indem der wissenschaftliche Begleitband zur Ausstellung „Die vier Unvergesslichen. Historische Beziehungen zwischen Oldenburg und Russland" des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und des Niedersächsischen Landesarchiv Oldenburg (2020) in der BKGE-Schriftenreihe erscheinen wird. Die Ausstellung und der Sammelband thematisieren die Verflechtungen der Adelsgeschlechter der Oldenburger, Württemberger und Romanovs im 18. und 19. Jahrhundert am Beispiel Peter Friedrich Ludwigs von Oldenburg und seiner Nachkommen sowie der Kaiserin von Russland, Maria Fedorovna, und der Großfürstin Ekaterina Pavlovna. Im Zentrum stehen dabei regional-kulturelle Transferprozesse. Das Projekt nutzt regionale Synergien und stärkt die Bekanntheit des BKGE regional und überregional.
(verantwortlich: Stefan Lehr)

3.4. Kriegs-, Kriegsfolge- und Diktaturerfahrungen

Die transnationale Erforschung und Vermittlung der Geschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere von Kriegen, Diktaturen und Zwangsmigrationen, die in Erinnerungsdiskursen gegenwärtig sind, ist die zentrale Aufgabe des Europäischen Netzwerkes Erinnerung und Solidarität. Vergleichende Forschungsansätze und Narrative sollen einen inhaltlichen wie auch methodischen Erkenntnisgewinn erbringen. Das BKGE vertritt die BKM im Lenkungsausschuss des ENRS und gewährleistet die entsprechende Fachberatung gegenüber der BKM. Soweit sich zwischen der Aufgabenstellung des BKGE und der des ENRS Überschneidungen und Synergien ergeben, arbeitet das BKGE aktiv an Tagungen, Forschungs- und Ausstellungsprojekten sowie Publikationen des ENRS mit.

3.4.1 Der Erste Weltkrieg und seine Folgen

Die aktuelle Schwerpunktsetzung orientiert sich an den Gedenkdaten zum Ende des Ersten Weltkriegs und der Neuordnung Mittel- und Ostmitteleuropas nach 1918. Das Gesamtvorhaben fokussiert die politischen, militärischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Mittel- und Osteuropa im Jahrfünft nach dem Ersten Weltkrieg. Eine Tagung (Januar 2018) und die daraus entwickelte Publikation nehmen zum einen die Bemühungen in den Blick, eine internationale Friedensordnung zu schaffen und bis 1918 „staatenlosen" Nationen zur Emanzipation zu verhelfen. Zum anderen beleuchten sie die Formen des politischen Revisionismus und territorialer Ansprüche, die vielerorts zu Gewaltausbrüchen führten und eine Fortsetzung des Krieges unter veränderten Bedingungen bedeuteten. Der in Vorbereitung befindliche Band74 wird die in mehreren europäischen Städten präsentierte Open Air- Ausstellung „After the Great War. New Europe, 1918–1923" begleiten, die Entwicklungslinien, ausgewählte Ereignisse und Phänomene in der Folge des „Großen Krieges" zeigen wird.
(verantwortlich: Burkhard Olschowsky, Matthias Weber)

3.4.2 Literarische Texte von (deutschsprachigen) Autorinnen aus dem östlichen Europa unter den Bedingungen von Diktatur und Exil

Das literaturwissenschaftliche Langzeitprojekt fokussiert mittels der feministischen Erzähltextanalyse literarische Texte ausgewählter (deutschsprachiger) Autorinnen des östlichen Europas vom 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart, die unter den Bedingungen von Diktatur, Exil und Migration entstanden sind bzw. diese Erfahrungen reflektieren und verarbeiten (u. a. Mascha Kaleko, Rose Ausländer, Maja Haderlap, Ilma Rakusa, Herta Müller, Melinda Nadj Abonji, Natascha Wodin). Das Projekt dient der philologischen Erschließung und literaturwissenschaftlichen Erforschung weiblichen Schreibens.
(verantwortlich: Silke Pasewalck)

3.5. Migrationsforschung

Deutsche Geschichte im östlichen Europa ist von ihren Anfängen bis in die Gegenwart immer auch Migrationsgeschichte. Zugleich weist der diesbezügliche Forschungsstand noch zahlreiche Desiderate auf. Ein Schwerpunkt des Forschungsprogramms des BKGE liegt daher auf einer Einordnung deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa in die Zusammenhänge der modernen Migrationsforschung; dies schließt auch Flucht, Vertreibung und Zwangsmigration sowie Fragen der Integrationsforschung ein.

3.5.1 Russlanddeutsche Geschichte

Die Erforschung von Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen besitzt sowohl in historischer Perspektive als auch gegenwärtig eine hohe Relevanz. Über Jahrhunderte haben sie die Geschichte des Russländischen Reichs, der Sowjetunion sowie ihrer Nachfolgestaaten mitgeprägt, und heute leben rund 2,4 Millionen Russland- deutsche in der Bundesrepublik Deutschland. Zugleich steht diese erhebliche zahlenmäßige Bedeutung in Diskrepanz zu dem geringen Wissen der Gesellschaft über die Russlanddeutschen – ein Umstand, den das BKGE durch eine kontinuierliche Beschäftigung mit der Thematik verbessern möchte. Forschungsschwerpunkte sind hierbei die Konzeption russlanddeutscher Geschichte als Migrationsgeschichte (in Kooperation mit der Juniorprofessur „Migration und Integration der Russlanddeutschen" an der Universität Osnabrück (IMIS), die Biographie Karl Stumpps (vgl. 3.6.1) sowie die Aufarbeitung der bisher kaum erforschten Alltagsgeschichte der Russlanddeutschen in der poststalinistischen Sowjetunion. Zu letzterem Thema besteht eine Kooperation mit der Professur für Osteuropäische Geschichte der Universität Göttingen sowie der Juniorprofessur „Migration und Integration der Russlanddeutschen" am IMIS Osnabrück.
(verantwortlich: Hans-Christian Petersen)

3. 6. Historiographiegeschichte

3.6.1 Karl Stumpp (1896–1982)

Karl Stumpp ist bis heute die zentrale Figur der russlanddeutschen Geschichts- und Identitätspolitik. Sowohl in der Zwischenkriegszeit als auch nach 1945 kam ihm eine Schlüsselrolle bei der Konstituierung des Forschungsfeldes und bei der Gründung der russlanddeutschen Interessensorganisationen zu. Zugleich leitete er nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion das „Sonderkommando Dr. Stumpp", das ‚rassische' Erfassungen der Bevölkerung in der besetzten Ukraine durchführte. Eine fundierte biographische Arbeit zu seiner Person stellt nach wie vor eine Forschungslücke dar, die mit dem Projekt geschlossen werden soll.
(verantwortlich: Hans-Christian Petersen)

3.6.2 „Kunstschutz" im Ersten Weltkrieg und die Kunst- und Kulturhistoriographie der Zwischenkriegszeit

Das mit dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum Kultur und Geschichte Ostmitteleuropas (GWZO, Leipzig) konzipierte Projekt untersucht in vergleichender Perspektive die Strategien wissenschaftsbasierter Propaganda und den Einsatz visueller Medien im Ersten Weltkrieg. Dabei zeichnen sich personelle Netzwerke und ideelle Kontinuitätslinien ab, die in die Kunst- und Kulturhistoriographie und die Wiederaufbaudiskurse der Zwischenkriegszeit führen. Umfangreiche Quellenbestände zu diesem Themenfeld, insbesondere in Ostmittel- und Südosteuropa, die noch kaum rezipiert wurden, bilden die Basis des mit internationalen Partnern realisierten Projekts.
(verantwortlich: Beate Störtkuhl)

3.6.3 „100 Jahre Historische Kommission für Schlesien" (HiKo)

Die HiKo versammelte in ihren Reihen die damals führenden Köpfe der Geschichts- und Kulturwissenschaften im deutschen Teil Schlesiens. Die 1921 erfolgte Gründung fällt in die Zeit des Abstimmungskampfes um Oberschlesien; dementsprechend war die HiKo seit ihren Anfängen darauf ausgerichtet, den „deutschen Charakter" Schlesiens wissenschaftlich zu untermauern und entsprechende Geschichtsbilder zu popularisieren. Bis in die 1990er Jahre setzten Akteure der HiKo ihre Tätigkeit in der Bundesrepublik Deutschland unter den Prämissen der „Ostforschung" fort. An der Aufarbeitung dieser Geschichte anlässlich des hundertjährigen Gründungsjubiläums der HiKo sind deutsche, polnische und tschechische Historikerinnen und Historiker beteiligt; am BKGE entstehen Beiträge zu zentralen historiographischen Fragen HiKo.
(verantwortlich: Beate Störtkuhl, Matthias Weber)

3.6.4 Grenzlandmuseen und „volksdeutsche" Museumskonzepte. Kulturgeschichtliche Museen im östlichen Europa der Zwischenkriegszeit als Formationen des Politischen

Im Kontext der Heimatbewegung und in enger Verbindung mit der Institutionalisierung des Faches Volkskunde entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts im Deutschen Reich und Österreich-Ungarn zahlreiche kulturgeschichtliche sowie volkskundliche Museen. Die regionalen Musealisierungstendenzen und die damit verbundenen heimatkundlichen Volksbildungsinitiativen etwa in Schlesien und Ostpreußen während der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus sind bislang nur wenig untersucht. Ein zentrales Thema wird die Frage nach der ideologischen Funktionalisierung dieser Museen, ihrer Sammlungen und Ausstellungen sowie nach der „Expansion" der Musealisierung in weitere Regionen des östlichen Europas während der Zeit des Nationalsozialismus sein. Geplant sind zunächst Fallstudien zu ausgewählten Museen, die sich mit Konzepten, Design, Architektur, Wort- und Bildauswahl, Funktion und Rezeption in den 1930er und 1940er Jahren befassen, um anschließend eine übergreifende Institutionengeschichte sowie ein Akteurs- Netzwerk erstellen zu können.
(verantwortlich: Cornelia Eisler)

3.6.5 Der Schüler und sein Meister. Josef Pfitzner und Hans Hirsch. Korrespondenz aus den Jahren 1922 bis 1939

Ziel des Projektes ist die Einleitung, Edition und Kommentierung des bisher unpublizierten Briefwechsels zwischen dem Historiker Hans Hirsch (1878–1940) und seinem Schüler Josef Pfitzner (1901–1945). Die Korrespondenz bietet Einblicke in das deutsche Prager Historikermilieu der Zwischenkriegszeit und das Leben des dort wirkenden sudetendeutschen Historikers Pfitzner, der zu Beginn der 1920er Jahre in Prag bei Hirsch Geschichte studiert und seit 1930 den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Prager Deutschen Universität innehatte. Der Briefwechsel enthält neue Informationen über die wissenschaftlichen Aktivitäten und politische Einstellungen dieser beiden Geisteswissenschaftler. Er legt die Bedeutung von Netzwerken bei der Karriereplanung und in Berufungsverfahren offen und dokumentiert Pfitzners Hinwendung zur NS-Ideologie.
(verantwortlich: Stefan Lehr)

3.7 Rezeptionsgeschichte

3.7.1 Immanuel Kant / Aufklärung im östlichen Europa

Im Jahr 2024 wird sich der Geburtstag von Immanuel Kant zum 300. Mal jähren. In diesem Kontext bildet die Rezeptionsgeschichte der Aufklärung im östlichen Europa einen Schwerpunkt im aktuellen Forschungsprogramm des BKGE.

3.7.1.1 Tagungs- und Publikationsprojekt: „Immanuel Kant (1724–2024). Ein europäischer Denker"

Antizipatorisch auf das Gedenkjahr ausgerichtet ist das multidisziplinäre Tagungs- und Publikationsvorhaben „Immanuel Kant 1724–2024 – Ein europäischer Denker", das zentrale Aspekte von Kants Werk und Bedeutung auf der Grundlage des aktuellen Forschungsstandes darstellen will. Einbezogen werden Kants Biographie und dessen Rezeption in Literatur, Kunst und Politik. Als Referentinnen und Referenten (bzw. Autorinnen und Autoren) werden international renommierte Kant-Forscher aus dem In- und Ausland gewonnen, deren Texte zu einem anspruchsvoll edierten und illustrierten Überblickswerk zusammengeführt werden. Das Vorhaben wird vom BKGE in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW, Berlin) geleitet. Weitere Partner sind: Ostpreußisches Landesmuseum (Lüneburg), Immanuel-Kant-Forschungsstelle (Mainz), Gesellschaft der Freunde Kants und Königsbergs (Berlin), Akademia Kantiana (Kaliningrad). Die Tagung wird vom 27. bis 29.05.2019 in Berlin stattfinden. In diesem Kontext wird auch das Online- Projekt „Immanuel Kant in Werken der modernen Kunst" fortgesetzt.
(verantwortlich: Matthias Weber)

3.7.1.2 Aufklärung im Baltikum

Das literaturwissenschaftliche Projekt rückt die Rezeption und Verbreitungswege aufklärerischer Ideen insbesondere im Baltikum in den Fokus. Es untersucht in Kooperation mit den Abteilungen für Germanistik und Komparatistik an der Universität Tartu und weiteren Partnern aus dem Baltikum sowie aus Deutschland Aspekte der baltischen Aufklärung im europäischen Zusammenhang. Einen Schwerpunkt bildet auch hier das Wirken Immanuel Kants. In Kooperation mit weiteren Partnerinnen und Partnern werden die Bände „Aufklärung der Medien. Medien der Aufklärung. Die baltische Aufklärung im europäischen Kontext" und „Baltische Bildungsgeschichte(n)" vorbereitet.
(verantwortlich: Silke Pasewalck)

3.7.1.2 Bildungspraktiken der Aufklärung (im östlichen Europa)

Das erste Themenheft (2019/2020) des neuen Journals für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (JKGE) wird unter der Herausgeberschaft von Silke Pasewalck und Matthias Weber den Bildungspraktiken der Aufklärung im östlichen Europa nachgehen.
(verantwortlich: Silke Pasewalck, Matthias Weber)

3.7.2 Vertriebenenverbände im Fadenkreuz osteuropäischer Behörden (1945-1989)

Das Projekt untersucht die Beobachtung von Vertriebenenverbänden in der Bundesrepublik Deutschland durch die sozialistischen Staaten Ostmitteleuropas und analysiert die angewandten Methoden der Sammlung und Auswertung von Informationen über Vertriebenenfunktionäre und -organisationen. Im Mittelpunkt stehen dabei die tschechoslowakischen Behörden wie die Ministerien für Inneres und Äußeres und die Staatssicherheit (StB) sowie deren Observation sudetendeutscher Organisationen in der BRD. Das Projekt liefert sowohl zur Geschichte der Vertriebenenverbände in der BRD als auch zu deren Beobachtung und Wahrnehmung in den sowjetischen Satellitenstaaten des östlichen Europas neue Erkenntnisse.
(verantwortlich: Stefan Lehr)

3.8 Nachwuchsförderung: Akademische Lehre der Mitarbeiter, Akademische Förderprogramme, Immanuel-Kant-Stipendium, Vergabe von Praktikantenstellen

Der akademische Bereich hat für die Gewinnung und Ausbildung künftiger Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zentrale Bedeutung. Das BKGE setzt kontinuierlich folgende Vorhaben um:

3.8.1 Akademische Lehre

Die Mitarbeiter/innen beteiligen sich an der akademischen Lehre an Hochschulen im In- und Ausland. Im Durchschnitt soll nicht mehr als eine Lehrveranstaltung pro Semester und Mitarbeiter/in durchgeführt werden. Zur akademischen Lehre gehört auch die Betreuung von Abschluss- und Qualifikationsarbeiten. Das BKGE ist An-Institut der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg.

3.8.2 Akademische Förderprogramme

Das BKGE begleitet von der BKM ausgeschriebene Akademische Förderprogramme. Diese beziehen sich auf die Förderung von Forschungsprojekten und die Einrichtung von Juniorprofessuren, die vom BKGE bis zum Ende des jeweiligen Förderzeitraums fachlich begutachtet werden.

3.8.3 Immanuel-Kant-Stipendium

Das BKGE fungiert als Geschäftsstelle des jährlich ausgeschriebenen Immanuel-Kant-Promotionsstipendiums. Das BKGE berät die Doktorandinnen und Doktoranden und bietet ihnen ein Diskussions- und Publikationsforum.

3.8.4 Praktika

Das Praktikumsangebot des BKGE richtet sich an interessierte Studierende einschlägiger Fachrichtungen an in- und ausländischen Hochschulen.

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
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