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Heimatmuseum Geretsried

Karl-Lederer-Platz 1 (im Rathaus)
82538 Geretsried
Tel.: 08171 / 629827
Fax: 08171 / 629869
Internet: http://www.geretsried.de/274/
E-Mail: Anita_Zwicknagl(Klammeraffe)geretsried.de


Öffnungszeiten

Sonntag: 10 - 12 Uhr
Gruppen nach Vereinbarung. Eintritt frei


Geretsried entstand als Gemeinde im Wolfratshausener Forst erst durch die Ankunft vieler Flüchtlinge und Vertriebenen aus unterschiedlichen Regionen im östlichen Europa. Bis in das 20. Jahrhundert hinein hatte es einige Einödhöfe im Weiler "Gerratesried" und eine kleine Kapelle gegeben. Ab 1938 begann der Bau von Rüstungsbetrieben der DAG (Dynamit Aktien Gesellschaft) und DSC (Deutsche Sprengchemie), in deren Bunkern zunächst dienstverpflichtete Deutsche arbeiteten, später Zwangs- und Fremdarbeiter. Die Barackenlager Buchberg und Stein wurden nach der Einnahme durch die amerikanische Armee zu Flüchtlingslagern und 1950 gründeten Flüchtlingsvertreter dort die Gemeinde Geretsried, die 1970 zur Stadt erhoben wurde. Am Tag der Stadterhebung begann auch die Geschichte des Museums durch die Gründung des "Archivs und Museums Bayerischer Nordgau, Egerland und Westböhmen".[1]

Das Heimatmuseum umfasst eine große Sammlung von Objekten aus dem Besitz der einstigen Flüchtlinge und Vertriebenen, die die Gemeinde Geretsried aufgebaut haben. In der Dauerausstellung werden daher Objekte und Erinnerungsstücke ganz unterschiedlicher Herkunft, aus Böhmen, Mähren, aus Ungarn, Siebenbürgen und Schlesien präsentiert und somit zugleich die Gründungsgeneration vorgestellt. Den weitaus größten Bereich des Museums nimmt die Kultur des Egerlandes ein. Vor allem die Bewohner von Graslitz und Tachau, die in den ersten Transporten nach Geretsried kamen, sind vertreten. Eine Auswahl an Musikinstrumenten erinnert an die Tradition des Holz- und Blechblasinstrumentenbaus in Graslitz. Die Tachauer Holzindustrie konnte teilweise in Geretsried wiederaufgebaut werden. An die wirtschaftliche Bedeutung des Egerlands mit den weltberühmten Kurorten Karlsbad, Marienbad und Franzensbad erinnern Trinkbecher, Gläser, Porzellanprodukte sowie Bädersouvenirs.

Auch die Sammlung der Donauschwaben ist reich bestückt: Geräte aus der Landwirtschaft, dem Weinbau sowie Keramikerzeugnisse und Haushaltsgeräte der ländlichen Bevölkerung werden dargestellt. Ein Modell zum Keltern des Traubenmosts und die Weinheber aus Zierkürbissen zeugen von der Tradition des Weinbaus. Daneben präsentiert eine große Trachtengruppe die Kleidung aus Pusztavám, dem Ort, mit dem Geretsried seit 1990 eine Städtefreundschaft geschlossen hat.

Einen Schwerpunkt der siebenbürgisch-sächsischen Abteilung bildet die Darstellung unterschiedlicher Trachten, die sich durch ihre Farben und Formen in spezielle gesellschaftliche Zusammenhänge und Regionen einordnen lassen. Mehrere prächtig bestickte Kirchenpelze und Schmuckstücke zeugen von einer einstigen kulturellen Blütezeit. Zu den Textilien zählen auch die bekannten Leinenstickereien, die als dekorative Wandbehänge in der Sammlung zu betrachten sind. Mehrere Fotos und Modelle von Kirchenburgen vermitteln einen Eindruck der Kulturlandschaft Siebenbürgens.



Bild Kirchenburg
Modell der Kirchenburg Wurmloch (Siebenbürgen)


Die schlesische Abteilung widmet sich einerseits dem oberschlesischen Bergbau, der durch Bergmannstrachten und -gerät veranschaulicht wird und zeigt andererseits eine Auswahl an Geschirr mit Beispielen der bekannten niederschlesischen Bunzlauer Ware, die bereits seit dem 14. Jahrhundert hergestellt wurde. Darüber hinaus veranschaulichen viele Fotos, Urkunden, persönliche Dokumente, Briefe, Geldscheine und Schriftzeugnisse den historischen Hintergrund der Heimatvertriebenen mit den jeweiligen Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Neben der bisherigen Sammlung von Exponaten aus der "Alten Heimat" werden nun auch die Kapitel "Rüstungsbetriebe / Weltkrieg", "Flucht und Vertreibung", "Lager und Barackenleben" sowie die "Notzeit" und die "Aufbaujahre" bis zum aktuellen Zeitpunkt dargestellt.[2] Auch dem älteren Ortsteil Gelting wird eine eigene Abteilung gewidmet. Multimedia-Angebote geben dem Besucher die Möglichkeit, sich weiterführend mit der Stadtgeschichte zu beschäftigen und museumspädagogische Aktionen bieten eine attraktive Form der Informationsvermittlung und Unterhaltung.





Quellen:
  • Klaus Mohr (Hg.): Sudetendeutsche Heimatsammlungen von A bis Z. Online in Internet: URL: http://www.sudetendeutsches-archiv.de [Stand: 04.01.2010].
  • Michael Henker (Hg.): Die Heimatsammlungen der Sudeten- und Ostdeutschen in Bayern. München 2009, S. 40f.
  • Projekt "Schlesische Heimatstuben in der Bundesrepublik Deutschland" des Schlesischen Museums zu Görlitz. 2000/2007. Online in Internet: URL: http://www.schlesisches-museum.de/hst/ [Stand 13.08.2008].
  • Anita Zwicknagl: Geretsried - eine Stadt aus dem Nichts. Zum "multikulturellen" Sammlungsbestand eines Heimatmuseums und dessen Chancen für die Zukunft. In: Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 43 (2000), S. 175-194.
  • Heinrich Kuhn: Sudetendeutsche Heimatsammlungen: Museen, Archive, Galerien, Bibliotheken, Heimatstuben, Privatsammlungen. Hg. vom Sudetendeutschen Archiv. 2. Erw. Neuaufl., München 1985, S. 32, 214f.
  • Helmut Zeidner: Sächsisches Museum in Bayern. In: Siebenbürgische Zeitung, 15.01.1978, S. 4. 


Fotografien:

  • Michael Henker (Hg.): Die Heimatsammlungen der Sudeten- und Ostdeutschen in Bayern. München 2009, S. 40f.




[1] Vgl. Anita Zwicknagl: Geretsried - eine Stadt aus dem Nichts. Zum "multikulturellen" Sammlungsbestand eines Heimatmuseums und dessen Chancen für die Zukunft. In: Jahrbuch für deutsche und osteuropäische Volkskunde 43 (2000), S. 175-194, hier S. 182. Siehe auch Anita Zwicknagl: Die Geschichte Geretsrieds. Online in Internet: URL: http://www.geretsried.de/262/ [Stand: 27.02.2012].

[2] Vgl. Anita Zwicknagl: Geretsried - Stadtmuseum. Online in Internet: URL: http://www.geretsried.de/274/ [Stand: 27.02.2012].


Korrekturen, Ergänzungen und Hinweise bitte an:
bkge(at)bkge.uni-oldenburg.de
Tel.: 0441/96195-0

Stand: 29.03.2012