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0190 Magistrat Arnswalde (Rep. 38b, Akta miasta Choszczna)

1611–1905; 508 AE, 7,75 lfm.

Arnswalde war zu Beginn eine frühmittelalterliche Burg am Arnswalder See. Um 1263 wurde die Gegend mitsamt des Burgwalls von den Brandenburgern erobert, die in den Jahren 1269–1289 östlich der Burg die Stadt anlegten. Seit 1318 gab es in Arnswalde einen Stadtrat mit einem Bürgermeister an der Spitze. 1445 war es im Besitz von 154 Hufen Land, auch eine Münze bestand hier. Zwischen 1402 und 1454 befand sich Arnswalde mit der ganzen Neumark vorübergehend unter der Herrschaft des Deutschen Ordens. Anschließend kehrte es zu Brandenburg zurück, um seit 1472 Sitz eines Landvogts zu werden. Das ganze Mittelalter hindurch bis in die Frühe Neuzeit war Arnswalde ein lokales Zentrum für Handwerk und Handel. 1576 lebten hier 464 Menschen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts fanden in der Stadt vier allgemeine Handwerkermärkte sowie ein Pferdemarkt statt. Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) wurde Arnswalde ruiniert; seine Einwohnerzahl fiel 1649 unter 500. Erst das 18. Jahrhundert bedeutete eine gewisse wirtschaftliche Belebung. Handwerk und Handel enwickelten sich, es entstanden viele Häuser und auch ein neues Rathaus wurde gebaut. Parallel zum wirtschaftlichen Fortschritt kam es zu einem demographischen Aufschwung. 1710 zählte Arnswalde 1610, 1750 1911 und 1780 2052 Einwohner. Die in Preußen zu Beginn des 19. Jahrhunderts durchgeführten Reformen brachten der Stadt die Selbstverwaltung in Form einer aus Wahlen hervorgegangenen Stadtverordnetenversammlung und eines von dieser bestimmten Magistrats mit einem Bürgermeister an der Spitze. Im Laufe des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden in der Stadt einige kleine Fabriken gegründet – für Zündhölzer, Maschinen, Tuche, Bürsten und Pappe. Darüber hinaus waren hier eine Dampfmühle, ein Sägewerk, eine Ziegelei und eine Zuckerfabrik tätig. 1847 erhielt die Stadt eine Eisenbahnverbindung mit Stettin und Kreuz. Mit der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung weiter. 1816 lebten in Arnswalde 2442 Menschen, 1857 5096, 1900 8665, 1925 10 411 und 1939 13 988.

Die Akten der Stadt Arnswalde wurden erst 1940 vom Stettiner Archiv übernommen. Nach 1942 wurden diese Materialien nach Pansin und Ralswick ausgelagert. Der in Pansin lagernde Teil wurde 1946 von polnischen Archivaren gesichert, während die Ralswicker Akten bis heute im Landesarchiv Greifswald aufbewahrt werden, Rep. 38b Arnswalde, 9,0 lfm., aus den Jahren 1650–1897.

Inhalt

Verwaltung, Verhandlungen der Provinzial- und Kommunallandtage der Neumark, Magistratsverfassung (1853), Wahlen der Stadträte, Deputationen, Stellenausschreibungen für städtische Beamte, Kämmereiverwaltung, Beschäftigung von Förstern und ihre Entlohnung, Steuerbeamte, aus den Jahren 1645–1879, 31 AE.

Finanzen, Stadtkasse und ihre Revision, städtische Schulden, Steuerverordnungen, Verbrauchs- und Handwerkssteuern, Rechnungen, Bestätigungen der Haushalte, Befreiung von Abgaben, Zölle, aus den Jahren 1611–1871, 19 AE.

Landwirtschaft, Verordnungen zur Landwirtschaft, Organisation der landwirtschaftlichen Deputation, Grenzregulierung der Landbesitzungen, Grenzen der Dörfer Granow, Gottberg und Schönwerder, Feuer in Granow und Verkauf von Holz an die Abgebrannten, Lasten der Kätner, Bauernbefreiung, Organisation des städtischen Vorwerks, seine Separation und sein Verkauf, Nutzung von Land im Besitz der Stadt, Verpachtung von Stadtgütern, Verkauf von Land im Besitz der Stadt, Viehweiden, Beschäftigung von Hirten, Feldwächter, Mühlen und Windmühlen, aus den Jahren 1711–1879, 62 AE.

Forstwesen, Bewirtschaftung der städtischen Wälder, Forstdeputation, Bedarf an Holz und sein Verkauf, Verpachtung von Wäldern und Waldwiesen, Reparaturen der Forsthäuser, Feuerholz, Deputate an Bauholz, Veruntreuungen von Holz, Torfgewinnung, Jagdwesen, Bau und Reparatur von Wegen und Brücken, Befestigung von Bachufern, aus den Jahren 1709–1870, 47 AE.

Handel, Verordnungen über den Handel, Verkauf von Krämerprodukten, Viehmärkte, Marktgebühren, Warenpreise, aus den Jahren 1741–1875, 16 AE.

Handwerk und Industrie, Verordnungen über das Bierbrauen, Verpachtung der Stadtwaage, Zünfte: Pantoffelmacher, Sattler, Schuhmacher, Stellmacher, Weißgerber und Kürschner, Gesellenkassen, Verpachtung der Ziegelei, Brennerei, Seifenproduktion, Gründung einer Bürstenfabrik, Revisionen von Maßen und Gewichten, aus den Jahren 1810–1878, 18 AE.

Kirche und Schulwesen, Kirchenfragen, Vereinigung der evangelisch-lutherischen mit der reformierten Gemeinde, neue Liturgie, Kirchenkolleg, Amt des Superintendenten, Pfarrerwohnung, Besetzung kirchlicher Ämter, Visitationen, Kirchenkasse und ihre Rechnungen, Verpachtung von Kirchenland, Weide, Garten, Testamente zugunsten der Kirche, Auseinandersetzungen mit den Pächtern, Bau und Reparatur der Orgel, Vorbereitung des Holzgerüsts zur Aufhängung der Glocken, Reparatur der Uhr, Renovierung des Pfarrhauses, neues Gebäude für die Superintendantur, Renovierungen der Kirche und des Kirchturms, Bau einer Schule und ihre Instandhaltung, Verpachtung des Schulkellers, Schulvisitationen, Organisation der Schuldeputation, Schulkasse und ihre Etats, Beschäftigung und Auswahl der Lehrer, Gründung einer privaten Knabenschule, Selbsthilfekasse, Stipendien, Stiftungen, aus den Jahren 1733–1887, 73 AE.

Militaria, Garnison, Bau und Renovierungen von Militärgebäuden, Kontributionen, von den russischen Truppen angerichtete Schäden, Werbungen, Durchmärsche, Lazarett, Requirierung von Fourage und Lebensmitteln, Gespanndienste, Militärmagazin, Deserteure, Organisation der Bürgerwehr, Uniformierung, Rechnungen, Rekrutierung, Einberufung von Freischützenabteilungen, Kriegsgefangene, Einquartierungen und Verzeichnisse von Offiziersquartieren, französische Kriegskontribution, Kriegsschulden der Stadt, Versorgung von Soldatenfamilien mit Lebensmitteln und Brennholz, Betreuung von Soldatenkindern, Kriegsversehrtenhilfe, militärische Personalerfassung, Kantonsfragen, Kavalleriepferde, Militärübungen, Bau eines Pulvermagazins, Besetzung der Stelle des Garnisonsbefehlshabers, Mobilmachungen, Gendarmerie, aus den Jahren 1758–1877, 118 AE.

Polizei, Schutz von Gebäuden, Überwachung der jüdischen Bevölkerung, von Wirtschaften und Schenken, der Bibelgesellschaft, der Prostitution, Volkszählungen, Tabellen der jüdischen Bevölkerung, Wolfsjagden, Feuersicherheit, Feuerversicherungen, Brände in der Stadt, Brandkontrollen, Bauaufsicht, Bau des Rathauses, Erhalt der Stadtmauern, Bauerlaubniserteilungen, aus den Jahren 1739–1905, 86 AE.

Gerichtswesen, Gerichtsfragen, Organisation des Gerichts, Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und ihren Einwohnern, Verhaftungen, Verhöre, Denunziationen, Prozesse, aus den Jahren 1711–1872, 38 AE.

Archivalische Hilfsmittel Findkartei.

Literatur

Berg, K.: Die Einführung der Städteordnung in Arnswalde, Arnswalde 1909.

Deutsches Städtebuch, hg. v. E. Keyser, Bd. 1, Stuttgart u. Berlin 1939.

Gaziński, R.: Akta miast pomorskich i nowomarchijskich z terenu Polski w zasobie Archiwum Krajowego w Greifswaldzie [Die Akten der pommerschen und neumärkischen Städte auf polnischem Gebiet im Landesarchiv Greifswald], in: Szczecińskie Studia Historyczne, Nr. 13 (2000).

Kratz, G.: Die Städte der Provinz Pommern, Berlin 1865.

Miasta polskie w tysiącleciu [Polnische Städte im Millenium], Bd. 2, Wrocław u. a. 1967.

Schuhmacher, W.: Wanderungen und Streifzüge durch den Kreis Arnswalde, Arnswalde 1937.

Zarys dziejów miast i osiedli województwa szczecińskiego [Überblick über die Geschichte der Städte und Siedlungen der Woiwodschaft Stettin], in: Szczecin, Nr. 4-5 (1961).

RG

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Stand: 30.11.2004

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