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Der Umgang mit dem kulturellen Erbe in Deutschland und Polen im 20. Jahrhundert9. Tagung des Arbeitskreises deutscher und polnischer Kunsthistoriker und DenkmalpflegerVeranstaltet vom Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. mit Unterstützung des Polnischen Instituts in Leipzig. Die neunte Jahrestagung des Arbeitskreises deutscher und polnischer Kunsthistoriker und Denkmalpfleger nahm sich in einem umfangreichen Programm dem Umgang mit dem historischen Erbe im letztvergangenen Jahrhundert an. In drei Sektionen, die sich untereinander ergänzten, wurden dieser Umgang für Deutschland und Polen verdeutlicht und Vergleiche sowie Unterschiede, aber auch gegenseitige Abhängigkeiten aufgezeigt. Die erste Sektion unter der Überschrift "Kulturelle Identität - deutsche und polnische Denkmalpflege" galt der Erörterung der Theorien, Methoden und politischen Einflüsse im Umgang mit dem historischen Erbe im 20. Jahrhundert. Wechselnde Einflüsse und sich wandelnde Vorstellungen wurden dargelegt und die Geschichte der Denkmalpflege als Teil der Kulturgeschichte gekennzeichnet. Die Leitung dieser Sektion übernahmen Adam Labuda (Berlin) und Michaela Marek (Leipzig). Die Sektion begann mit einem Vortrag von Andrzej Tomaszewski (Warszawa/Warschau) zur "Geschichte der Theorie der Denkmalpflege im 20. Jahrhundert in Polen". Dabei gelang dem Referenten auch der Vergleich zu Deutschland und damit eine umfassende Einführung in das Sektionsthema. Als "Jahrhundert der Heuchelei" bezeichnete Tomaszewski die Theorie der Denkmalpflege in Polen im 20. Jahrhundert - und diese These lässt sich wohl ebenfalls auf Deutschland beziehen. Zu Beginn des Jahrhunderts wurden in Polen die Ergebnisse der sogenannten Grundsatzdebatte - oft mit Dehios Faustformel "Konservieren, nicht Restaurieren!" zusammengefasst - als gültig empfunden. Die Grundsätze mahnten die Erhaltung des gesamten Bestandes eines Denkmals mit allen seien Spuren der Geschichte an. Doch nach der Wiedergewinnung der Eigenstaatlichkeit 1918 waren diese Grundsätze in vielen Punkten vergessen. Zur Schaffung einer eigenen Identität wurde an den Baudenkmalen das spezifisch Polnische hervorgehoben und hierzu verändernd in die Bauten eingegriffen. Mit dem Überfall Deutschlands auf Polen 1939 wurde diese Phase der Denkmalpflege jäh beendet. Während des Zweiten Weltkriegs waren Kunstdenkmale allzu häufig das Ziel einer bewussten Zerstörung. Die teilweise umfangreichen Wiederaufbauten ganzer Städte sind vor dem Hintergrund dieser zielgerichteten Vernichtung zu bewerten. Wenigstens ein Bild der zerstörten Kultur sollte zurückgewonnen werden. Nur langsam entwickelte sich in Polen eine Denkmalpflege, die weniger im Sinne einer politischen Idee handelte sondern sich der Intensivierung der Erforschung der komplexen Geschichte der Baudenkmale annahm. Einen hohen wissenschaftlichen Anspruch konstatierte Tomaszewski für die gegenwärtige Arbeit der Denkmalpflege. Pawe³ Dettloff (Kraków/Krakau) führte unter dem Titel "Die Wiederentdeckung des nationalen Kulturerbes" zur Denkmalpflege in der Zwischenkriegszeit in Polen aus und erläuterte anhand ausgewählter Beispiele die Rückgewinnung der vermeintlichen polnischen Geschichte in den Baudenkmalen. Ziel dieser Maßnahmen war es, mit den Veränderungen an den Bauten die Wiederbelebung der nationale Identität zu forcieren. Als das wichtigste Monument des polnischen Nationalerbes wurde die Königsburg auf dem Wawel in Kraków/Krakau interpretiert, und bei dieser über Jahrhunderte gewachsenen Anlage versucht, den Zustand der Zeit unter König Sigismund I. wiederzugewinnen. Nicht nur die Entfernung späterer Zubauten war hiermit verbunden, sondern auch eine mutmaßliche Rekonstruktion vergangener Bauphasen. Die Rekonstruktion als Methode der Denkmalpflege bestand somit, wie Dettloff darlegte, in Polen schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Der gleichen historischen Epoche und einer vergleichbaren Thematik galt der Vortrag von Ma³gorzata Omilanowska (Warszawa/Warschau) über "Wiederaufbau und Restaurierung architektonischer Denkmale in Polen 1915-1925". Während des Ersten Weltkrieges sind bei kriegerischen Auseinandersetzungen auf polnischem Gebiet zahlreiche Bauten zerstört worden. Der Wiederaufbau setzte unmittelbar nach dem Krieg ein, wobei nicht ein letztverlorener Zustand der Städte wiederhergestellt wurde, sondern vielfach bereits länger untergegangene Bauten wiedererstanden. Bei einem Großteil der wiederaufgebauten Bauwerke hinterließ die "Nationalromantik", wie Omilanowska dies bezeichnet, ihre deutlichen Spuren und führte zur Aufnahme historisierender Elemente bei den Neubauten. Die Wiederbelebung der polnischen Geschichte war auch hier das erklärte Ziel. Die nächsten beiden Vorträge widmeten sich den Verhältnissen in Deutschland und sollten den Vergleich ermöglichen. Burkhard Körner (München) gab einen Überblick über die "Geschichte der Denkmalpflege im 20. Jahrhundert in Deutschland". Die Ergebnisse der Grundsatzdebatte vom Beginn des Jahrhunderts als Richtschnur wurden in ihrer aktuellen Bedeutung im Verlauf des 20. Jahrhunderts mehrfach betont. Schon in den 1920er Jahren hatte sich die Praxis jedoch hiervon entfernt, ein Infragestellen der Grundsätze erfolgte jedoch nicht. Dies geschah auch nicht, als die NS-Diktatur die Baudenkmale für ihre politischen Zwecke veränderte, ebensowenig als die Rekonstruktion oftmals willkürlicher Zustände eines zerstörten Gebäudes zahlreiche Wiederaufbauten nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmte. Erst mit den späten 1960er Jahren entfernte man sich von einer schöpferischen Denkmalpflege und stellte die wissenschaftliche Untersuchung in den Mittelpunkt der Arbeit. Die Geschichte der Denkmalpflege in Deutschland im 20. Jahrhundert ist in ihrem allgemeinen Verlauf in vielem mit der Polens vergleichbar. Sigrid Brand (Berlin) zeigte mit der "Erfurter Konferenz 1956" den wichtigsten theoretischen Beitrag zu denkmalpflegerischen Fragen in den 1950er Jahren in der DDR. Die Tagung in Erfurt verdeutlicht neben vielen fachlichen Problemen insbesondere den politischen Druck in den Jahren des Kalten Krieges. Die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen ist für die Denkmalpflege in der DDR wohl noch größer als zeitgleich in der BRD. Überraschen mag die Erkenntnis, dass viele denkmalpflegerische Ansätze und Lösungen zwischen West- und Ostdeutschland dennoch vergleichbar sind. Einen unmittelbaren Vergleich zwischen Polen und Deutschland bot Guido Hinterkeuser (Berlin) mit seinem Beitrag über das Warschauer Schloss und das Berliner Schloss als "Denkmalpflege im Dienst der Staatsidee". Das schwer zerstörte und 1944 durch deutsche Truppen gesprengte Schloss in Warszawa/Warschau wurde zwischen 1971-1984 rekonstruiert als, so die offizielle Lesart, politisches Symbol der Nationalkultur. Das ebenfalls im Krieg beschädigte Berliner Stadtschloss dagegen war 1950-51 als Symbol für das Kaiserreich gänzlich abgetragen worden. Nach Beschluss des Deutschen Bundestages von 2002 soll das Gebäude zumindest in seinen Fassaden wiederhergestellt werden. Teresa Jakimowicz (Poznan/Posen) referierte unter dem Titel "Form und Sinn" über die verschiedenen Restaurierungsmaßnahmen am Rathaus von Poznan/Posen im 20. Jahrhundert. Als ein Lehrstück zeigt das im wesentlichen durch den Umbau unter J.B. Quadro 1550-1570 bestimmte Rathaus die unterschiedlichen politischen Zielsetzungen solcher Maßnahmen. Die unter preußischer Verwaltung durchgeführte Restaurierung 1910-1913 interpretierte das Gebäude im Sinne einer deutschen Renaissance um. Mit der Wiedergründung Polens wurde das Rathaus 1919 von allen preußischen Insignien bereinigt und erhielt auf der Turmspitze einen polnischen Adler. Im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört entstand der Bau bis 1954 in seinem vermeintlichen Erscheinungsbild der Renaissance wieder, wobei mit der Aufnahme von Spartakus in die Reihe der Helden und Gelehrten sozialistische Vorstellungen einflossen. Die 1992-2001 durchgeführte Restaurierung der Fassaden brachte erstmals eine Bauforschung im Zuge der Maßnahmen mit sich, deren Ergebnisse unmittelbar umgesetzt worden sind. Mutmaßung blieb dennoch vieles. Dass am Ende der Sektion die Diskussion um die geplante Rekonstruktion der Fassaden des Berliner Stadtschlosses sich am lebhaftesten gestaltete, verwundert nicht. Eine Gemeinsamkeit der Beiträge ließ sich nicht feststellen. Zurecht aber stellte Tomaszewski fest, dass der Wiederaufbau eine politisch-ideologische Frage sei, keine der Denkmalpflege. Die erste Sektion konnte innerhalb der Vorträge deutliche Parallelen zwischen Deutschland und Polen im Umgang mit dem historischen Erbe aufzeigen. Der Verzicht auf eine Theoriediskussion innerhalb der Denkmalpflege im 20. Jahrhundert kennzeichnet beide Länder. Das Beharren auf den von Dehio, Riegl, Dvorák u.a. zu Beginn des Jahrhunderts formulierten Maßstäben und auf der 1964 verabschiedeten Charta von Venedig steht nur allzu oft im Widerspruch zu den Maßnahmen. Darüber hinaus zeigte die Sektion gerade durch den Vergleich der Länder Polen und Deutschland, dass der Umgang mit den Zeugnissen der Geschichte auch ein Akt kultureller Aneignung ist. Das Herausstellen der kulturellen Leistungen der Vergangenheit als Teil der eigenen nationalen Geschichte wurde unter politisch wechselnden Vorzeichen in vielen Epochen des 20. Jahrhunderts in beiden Staaten betrieben. Die zweite Sektion unter der weit gefassten Überschrift "Städtebau - Architektur - Kulturraum" besprach in dreizehn Fallbeispielen den Umgang mit dem baulichen Erbe in Polen und Deutschland und erläuterte in vielem die Erkenntnisse aus der ersten Sektion. Michaela Marek (Leipzig), Beate Störtkuhl (Oldenburg) und Stefan Muthesius (Norwich) leiteten die Vorträge und Diskussionen. Als ein Beispiel städtebaulicher Denkmalpflege führte Tomasz Markiewicz (Warzawa/Warschau) die "Zabkowska-Straße in Warzawa/Warschau" vor. Die im Vorort Praga gelegene, im wesentlichen im späten 19. Jahrhundert errichtete Straße verfiel auf Grund von Vernachlässigung, so dass 1992 bereits der Abbruch von zehn Wohnhäusern geplant war. 1997 beschlossen der Bezirk Praga und das Amt für Denkmalpflege die Instandsetzung der Bauten. Erstmals wurden hier Mietshausbebauungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Polen erhalten. Der Beitrag von Hanna Grzeszczuk-Brendel (Poznan/Posen) führte in die Zeit nach dem Erlangen der Eigenstaatlichkeit Polens zurück und erläuterte die "Architektonisch-urbanistische Identifikation in Posen". Durch Rückgriff auf den Formenkanon klassizistischer Bauten wurde ein Nationalstil entwickelt, der sich insbesondere von der als preußisch empfundenen Architektur der Kaiserzeit absetzen sollte. Als das herausragende Beispiel der Architektur der Kaiserzeit sollte schließlich das Schloss Wilhelm II. in Poznan/Posen "polnisierend" umgebaut werden, doch die Planung wurde nicht verwirklicht. Unter dem Titel "Heimatpflege in der Stadt" berichtete Birte Pusback (Hamburg) über denkmalpflegerischer Konzepte der Altstadtsanierung in den Jahren 1933-1939 an den Städten Hamburg, Frankfurt am Main und Gdansk/Danzig. Die Maßnahmen der, so die zeitgenössische Begriffe, "Gesundung" und "Entschandelung" folgten einer Fiktion von Altstadt, die von der historischen Realität oft weit entfernt ist. Inwieweit hiermit eine spezifische NS-Ideologie umgesetzt wurde, lässt sich schwer beantworten, da die Maßnahmen der 20er Jahre und der Nachkriegszeit durchaus vergleichbare Ergebnisse zeigen, wie die anschließende Diskussion hervorhob. Ein architekturgeschichtliches als auch denkmalpflegerisches Thema berührte Kai Kappel (München) mit seinem Vortrag über das "Haus im Haus - Ein Motiv im Sakralbau des 20. Jahrhunderts". Vorgestellt wurden verschiedene Kirchenbauten in Deutschland als Einbauten in kriegszerstörte Bauten, als denkmalpflegerisch motivierte Integration in den Altbestand und als baukünstlerische Lösung bei einem Neubau. Die Probleme städtebaulicher Denkmalpflege stellte Rafa³ Eysymontt (Wroclaw/Breslau) an den "Konservatorischen Richtlinien für historische Städte Schlesiens" vor. 1982 legte eine Ministerialkommission Baudenkmal-Schutzzonen für ausgewählte Städte fest, der städtebauliche Studien und Erhaltungsrichtlinien folgten. In den 1990er Jahren wurden die Kompetenzen an die Selbstverwaltungsorgane übertragen und in dessen Folge neue Richtlinien erarbeitet. Auf der Dominsel von Wroclaw/Breslau werden auf der Grundlage dieser Richtlinien zur Zeit die urbanistischen Zusammenhänge wiederhergestellt und hierzu Lücken in der Bebauung geschlossen. Unter der Überschrift "Rekonstruktionslust und Abrisswut" berichtete Arnold Bartetzky (Leipzig) über den Umgang mit Baudenkmälern in Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung. Der prominente Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche ließ auch in anderen Städten den Ruf zum Aufbau so bezeichneter identitätsstiftender Bauten aufkommen und kulminierte in dem Wunsch zum Wiederaufbau des Stadtschloss von Berlin. Die "kleineren" - aber bereits existierenden - Baudenkmale dagegen sind oft auf Grund ihrer vermeintlichen Unrentabilität durch Abbruch bedroht und sollen zuweilen flächenweise - der Referent nannte einige Leipziger Beispiele - entfernt werden. Die Berücksichtigung historischer städtebaulicher Aspekte in der gegenwärtigen Planung zeigte Lukasz Krzywka (Wroclaw/Breslau) an den Stadtbereichen "Bürgerwerder und Oderkronwerk in Wroclaw/Breslau" auf. Die im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörten und in der Folge abgetragenen Areale sollen zumindest im Grundriss in der heutigen Bebauung wieder erlebbar werden. Eine vergleichbare Wiederbelebung verlorener Stadtzusammenhänge stellte Lorenz Frank (Mainz) mit der "Wiederherstellung historischer Altstädte in Polen seit 1985" vor. Die im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte Altstadt von Elblag/Elbing wurde in der Folge bis auf die Ruinen von zwei Kirchen und sechs Bürgerhäusern gänzlich abgetragen und verblieb als Freifläche. Ab 1983 erfolgte eine Neubebauung auf dem historischen Stadtgrundriss und unter der Wiederaufnahme der alten Häuserkubaturen. Auch in Glogow/Glogau wird ein ähnliches Konzept verfolgt. In Szczecin/Stettin wird seit 1995 der Bereich um den Heumarkt wiederaufgebaut, im selben Jahr begann in Gdansk/Danzig der Aufbau der Speicherstadt. Einen Abstecher nach Lettland unternahm Ojars Sparitis (Riga) mit seinem Beitrag zur "Rekonstruktion des Rathausplatz-Ensembles mit dem Schwarzhäupterhaus in Riga". Die im Zweiten Weltkrieg etwa zu 30 % zerstörte Altstadt von Riga wurde während der Besatzungszeit der UdSSR aus einer deutschfeindlichen Stimmung heraus abgetragen und in der Folge mit einer neuen Bebauung überplant. So fiel 1948 auch die Ruine des Schwarzhäupterhauses. 1988 wurde eine Initiativgruppe zur Wiederherstellung des Gebäudes begründet und nach der Wiederherstellung der Eigenständigkeit Lettlands die Rekonstruktion begonnen. Beim Schwarzhäupterhaus wurde in einer sehr weitgehenden Rekonstruktion der letztüberlieferte Zustand mit allen Veränderungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wiederhergestellt. Über den "Wiederaufbau des Alten Marktes in Poznan/Posen" berichtete Gabriela Klause (Poznan/Posen). Der im Februar 1945 zerstörte Marktplatz wurde zwischen 1949 und 1956 wieder aufgebaut und dabei historische Elemente wie Erker und Giebelaufsätze in willkürlicher Weise zur Schaffung eines gefälligen Bildes hinzugefügt. Ein markantes Beispiel der Geschichte der Denkmalpflege erläuterte Stefan Laube (Lutherstadt Wittenberg) mit "Luthers Wohnhaus in Wittenberg". Das Haus, in dem Luther fast 38 Jahre lebte, transportiert anschaulich Reformationserinnerungen. 1873-83 wurde es durch Friedrich August Stüler zum Museum umgebaut und mit einem Quaderputz am Außenbau versehen. Der Putz wurde 1932 wieder entfernt und im Inneren purifizierende Eingriffe vorgenommen. Ab 1983 wurden die Stülerschen Innenräume wieder rekonstruiert, 2001 war die Rekonstruktion des Quaderputzes geplant, die bisher nicht ausgeführt ist. Die wohl erste archäologische Grabung zu einem Haus der Moderne präsentierte Axel Klausmeier (Cottbus), mit dem "Haus Wolf-Projekt zu Mies van der Rohes Landhaus in Gubin/Guben". Das zwischen 1925-27 errichtete Haus wurde 1945 schwer beschädigt, anschließend verschüttet und in eine Parklandschaft einbezogen. Seit 1999 läuft eine umfassende Erforschung des Gebäudes, die eine Idee zum angemessenen Umgang mit den Gebäuderesten hervorbringen soll. Die Vielfalt unterschiedlicher Themen der zweiten Sektion spiegelte sich auch in den anschließenden Diskussionen wider. Doch trotz aller Unterschiede der Beiträge ist die Wiederherstellung respektive die Rekonstruktion von Kunstdenkmalen wohl als der zentralen Punkt dieser Sektion zu bezeichnen. Dies ist im Vergleich der beiden Staaten höchst aufschlussreich, denn nicht nur die Lösungen ähneln sich oftmals, sondern auch der dahinterstehende Beweggrund zur Wiederherstellung eines Bauwerkes. Die Diskussionsbeiträge schwankten zwischen der Ablehnung der Rekonstruktion als Aufgabe der Denkmalpflege überhaupt und einer bejahenden Zustimmung zu manchen wohl als fragwürdig zu bezeichnenden Wiederherstellungen eines verlorenen Kulturdenkmals. Die dritte Sektion nahm sich mit der "Verlagerung von Kulturgütern" einem besonders schwierigen Umgang mit dem kulturellen Erbe und einem an Konflikten reichen Kapitel deutsch-polnischer Beziehung an. In vier Vorträgen wurden neben den Odysseen von Kunstwerken auch die vielfältigen politischen Schwierigkeiten um Raub und Rückführung im und nach dem Zweiten Weltkrieg erläutert. Kazimierz Woycicki (Leipzig) leitete die Sektion. In dem ersten Beitrag sprach Regine Dehnel (Magdeburg) über den "Nationalsozialistischen Kunstraub in Polen 1939-1945 und die Restituierung von Kunstwerken durch die Alliierten 1945-1949". Schon einen Monat nach dem Überfall auf Polen wurde im Oktober 1939 der Krakauer Marienaltar von Veit Stoß nach Berlin gebracht. Zwischen 1941 und 1944 verließen 137 Eisenbahnwaggons mit Kulturgütern das besetzte Polen. Etwa 1000 Kunstwerke wurden nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1949 durch die Alliierten nach Polen zurückgeführt. Die noch heute nicht ausgeräumten Schwierigkeiten in der Rückgabe von Kulturgütern auf politischer Ebene erläuterte Nawojka Cieslinska-Lobkowicz (Warszawa/Warschau, Mörnsheim) unter dem vielsagenden Titel "Gegenseitige Taubheit". Wie die Referentin darlegte, hat der vor elf Jahren geschlossene deutsch-polnische Vertrag zur Kulturgüterrückführung bisher kaum Erfolge verzeichnet und lässt solche in der gegenwärtigen Situation für die Zukunft nicht erwarten. "Geschenke vom Brudervolk?" bezeichnete Uwe Hartmann (Magdeburg) seinen Beitrag zur Rückführung von verlagerten Kulturgütern zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen vor 1989. Er zeigt auf, dass eine kontinuierliche Behandlung des Problems zwischen den "Bruderstaaten" nicht festzustellen ist und Rückgaben lediglich im Zusammenhang politischer Aktionen wie Besuchen durchgeführt wurden. Die Kulturgüter waren ein Faustpfand in der Beziehung der Staaten zueinander. Sabine Arend (Berlin) sprach über den Krakauer Behaim-Codex als "Wissenschaft auf Abwegen". Der 1939 in der Jagiellonenbibliothek in Kraków/Krakau beschlagnahmte Codex wurde durch Friedrich Winkler, dem damaligen Direktor des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen Berlin, zu einer farbigen Reproduktion vorbereitet. Der wissenschaftliche Ertrag des begleitenden Aufsatzes stand von vornherein fest und sollte die These vom "Deutschtum Krakaus" beweisen. Die sich anschließende kontroverse Diskussion betonte die Bedeutung der Provienenzforschung in der Auseinandersetzung um die mögliche Rückgabe kriegsbedingt verlagerten Kulturgutes. Einig war man sich darin, dass vorrangig vor einer Besitzklärung der Schutz und die sorgfältige Konservierung der Kulturgüter gewährleistet sein müsse. Dass der Kunstraub so alt ist wie die Kunst selbst - so ein Diskussionsbeitrag -, bringt es zwar auf den Punkt, ist jedoch keine Lösung für die komplexe Problematik. Abschließend gab eine Informationsbörse jungen Wissenschaftlern die Möglichkeit in Kurzvorträgen über ihre Forschungsarbeiten zu berichten. Für weitere Informationen steht Andrea Langer, GWZO, Luppenstr. 1b, 04177 Leipzig zur Verfügung. Ein Tagungsband soll in der vom Arbeitskreis gegründeten Reihe "Das gemeinsame Kulturerbe", die im Instytut Sztuki PAN in Warzawa/Warschau erscheint, in der ersten Jahreshälfte 2004 veröffentlicht werden. Burkhard Körner (erschien in: AHF Information Nr. 113 vom 11.12.2002) Die Beiträge der Infobörse 2002 finden Sie hier. Die nächste Tagung des Arbeitskreises findet Ende September 2004 in Berlin statt. Den Call for Papersfinden Sie zu gegebener Zeit hier: Veranstaltungshinweise |
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