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Tagung 2004

26. - 27. April 2004

Staatliche Einheit und nationale Vielfalt im Baltikum

Symposium, veranstaltet vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa in Zusammenarbeit mit der Baltischen Historischen Kommission und der Universität Oldenburg - Institut für Geschichte in Oldenburg am 26. und 27. April 2004

Die Zeitgeschichte der baltischen Staaten ist in erheblichem Maße vom Streben nach Eigenstaatlichkeit und gleichzeitiger Integration der jeweils im Land befindlichen nationalen Minderheiten geprägt. Die nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten unabhängigen Staaten Estland, Lettland und Litauen hatten und haben erhebliche politischgesellschaftliche Probleme mit den nationalen Minderheiten (Russen, Deutsche, Schweden und Juden), die hier im Laufe der Geschichte entstanden sind. Die Lösungsmodelle, die für diese Integrationsprobleme in der Zwischenkriegszeit gesucht und zum Teil gefunden wurden - von der Unterdrückung durch national-chauvinistische oder autoritäre Regierungen oder der zwischenstaatlich vereinbarten Umsiedlung der Deutschbalten (1939/1940) bis hin zur Gewährung der Kulturautonomie -, sind nach dem Ende der sowjetischen Besatzung (1990), die ihrerseits eine in großen Teilen zunächst nicht integrationsbereite Minderheit hervorgebracht hat von neuer Aktualität, denn die Bewältigung der Minderheitenfrage ist für die politische Stabilität der neu entstandenen baltischen Staaten, für ihre national-kulturelle Identität und nicht zuletzt für ihren Beitritt zur Europäischen Union von großer Bedeutung.

Das Symposium will in diesem Kontext den historischen und zugleich aktuellen Antagonismus von staatlicher Einheit und nationaler Vielfalt aufgreifen, und die unterschiedlichen Modelle seiner Entschärfung untersuchen. Es handelt sich dabei um eine Themenstellung, die der bedeutende Kieler Osteuropahistoriker Georg von Rauch  (1904-1991), an dessen einhundertsten Geburtstag im Jahr 2004 zu erinnern ist, mit Fokussierung auf das russische Zarenreich behandelt hat. Das Symposium soll in historisch vergleichender Perspektive das Konflikt- und Lösungspotential analysieren, das zwischen den Titularnationen und den nationalen Minderheiten vorhanden war bzw. ist. Dabei soll die Fragestellung über die baltischen Staaten hinausgreifend Aspekte nordosteuropäischer Staatlichkeit seit dem Zerfall der Kaiserreiche während und nach dem Ersten Weltkrieg einbeziehen. Aspekte der politischen, der Kultur- und der Sozialgeschichte sollen dabei in interdisziplinär-historisch vergleichender Perspektive ebenso behandelt werden wie Fragen des Minderheitenrechts und der Minderheitenrepräsentanz.

 

Programm

Staatliche Einheit und nationale Vielfalt im Baltikum

Symposium des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa in Zusammenarbeit mit der Baltischen Historischen Kommission und der Universität Oldenburg - Institut für Geschichte
Wissenschaftliche Leitung: Gert von Pistohlkors, Hans Henning Hahn, Matthias Weber
Oldenburg am 26. und 27. April 2004

Beginn: Montag, 26. April 2004, 9.00 Uhr Ende: Dienstag 27. April 2004, 18.30 Uhr

Programm

 

Montag, 26. April 2004

Beginn 9.00 Uhr

Begrüßung
Matthias Weber, Oldenburg

Sektion I: Der historische Hintergrund
Leitung: Erwin Oberländer, Mainz

  • Gert von Pistohlkors, Göttingen:
    Ursprung und Entwicklung ethnischer Minderheiten in der baltischen Region im 19. und frühen 20. Jahrhundert
  • Dietmar Willoweit, Würzburg:
    Das Minderheitenrecht in Nordosteuropa in historischer Perspektive

Pause 11.15 - 11.45 Uhr

  • Detlef Henning, Lüneburg:
    Formen kultureller Autonomie in den baltischen Staaten

Mittagessen 12.45-14.00 Uhr

Sektion II: Minderheiten und Minderheitenpolitik - Fallstudien
Leitung: Robert Schweitzer, Lübeck

  • Helena Šimkuva, Riga:
    Minderheitenpolitik in Lettland - damals und heute
  • Sirje Kivimäe, Tallinn:
    Minderheitenpolitik in Estland - damals und heute

Pause 16.00 - 16.30 Uhr

  • Heinrich Wittram, Hemmingen:
    Kirche, Staat und Minderheiten im Baltikum 1920-1940 und ihre Bedeutung für die Gegenwart

Sektion III: Der Umgang mit dem kulturellen Erbe
Leitung: Dethard von Winterfeld, Mainz

  • Armin Baron von Ungern-Sternberg, Frankfurt/M.:
    Immer dieselben Gesichter - dieselben Geschichten". Zum Ende der baltischen Literatur bei Siegfried von Vegesack
  • Tiit Rosenberg, Tartu:
    Das Anknüpfen an Geschichtsverständnis und demokratische Traditionen im wieder-gegründeten Estland

Abendessen 19.00 Uhr

 

Dienstag, 27.04.2004

11.00 Uhr - 13.00 Uhr

Offizielle Verabschiedungsfeier von Prof. Michael Garleff
(separates Programm)

15.00 Uhr

Sektion IV: Geschichtswissenschaft und Politik
Leitung: Hans Henning Hahn, Oldenburg

  • John Hiden, Bradford:
    Die aktuelle Dimension in Paul Schiemanns Minderheitentheorie und -politik
  • Jörg Hackmann, Greifswald:
    Werner Hasselblatt und die nationalsozialistische Minderheitenpolitik
  • Michael Garleff, Oldenburg:
    Georg von Rauch und die baltische Geschichtsforschung

Ende ca. 18.30 Uhr

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