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Vorbemerkung

In mehrerlei Hinsicht versteht sich die nachfolgende Bibliographie zu volkskundlichen Aspekten im pommerschen Museumswesen bis 1945 als ein erster Schritt (Redaktionsschluß: 1994).

Nicht nur, aber auch im Hinblick auf die Darstellung der Geschichte des gesamten Museumswesens in Pommern sollten möglichst viele und große Schritte folgen. Dies betrifft alle hier weitestgehend beiseite gelassenen musealen Disziplinen, vor allem die Kunst (einschließlich der vor 1945 kaum abzutrennenden Denkmalpflege), Vorgeschichte, Stadt- und Landesgeschichte sowie die naturwissenschaftlichen bzw. -kundlichen Fächer, aber auch die schwerpunktmäßig erfaßten Zeitabschnitte. So ist das 19. Jahrhundert, für das in Pommern allenfalls kleine Anfänge einzelner Altertümersammlungen zu verzeichnen sind, die vornehmlich aus Kunstobjekten bestanden, an dieser Stelle nur sporadisch vertreten. Die kulturgeschichtliche und heimatkundliche, nach heutigem Verständnis allgemein volkskundliche Museumstätigkeit begann erst nach 1900 mit einer Blütezeit in den Zwanziger und Dreißiger Jahren. Dies schlägt sich insbesondere darin nieder, daß nicht wenige frühe Titel aus der Geschichte der Stettiner Museen, etwa solche, die ausschließlich der Naturkunde oder Kunst-Ausstellungen gewidmet sind, an dieser Stelle fehlen.

Nach 1945 ist die Geschichte der - nicht nur volkskundlichen - Museumsarbeit in Pommern zwar unterbrochen, aber nicht beendet worden. Die teilweise rege Tätigkeit der wenigen vorpommerschen Museen und Sammlungen unter dem DDR-Regime ist recht gut faßbar. Auch im Hinblick auf die phasenweise intensive Fortsetzung von Sammlungs- und Ausstellungsaktivitäten durch polnische Museologen im östlichen Pommern sind weitere, zusammenfassende und zusammenführende bibliographische Schritte dringend nötig, die inzwischen auch von polnischen Kollegen angegangen worden sind. Vielleicht kann der vorliegende Anfang hierzu ein wenig motivieren.

Neben den einschlägigen Bibliographien sind die pommerschen historisch-landeskundlichen und kulturellen Zeitschriften ausgewertet worden.

Die noch vorhandenen respektive zugänglichen Bestände der für die gesamte pommersche Heimatkunde wesentlichen Sonntags- und Heimatbeilagen von Tages- oder Wochenzeitungen sowie auch von Heimatkalendern sind zu lückenhaft, um hier von einer vollständigen Aufnahme sprechen zu können. Zu den meisten einzelnen Museen dürften in diesem Bereich, vor allem zwischen 1925 und 1940, weitere Beiträge erschienen sein, die noch nicht zusammengestellt werden konnten. Einige finden sich zeitgleich oder später in den wichtigen regionalen Periodika wie "Unser Pommerland", den "Monatsblättern" oder der "Pommerschen Heimatpflege" (später "Bollwerk").

Eine erste Bestandsaufnahme der zu jenem Zeitpunkt existierenden pommerschen Museen lieferten vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und kulturellen Gesamtsituation im Jahre 1933 Otto Kunkel und Hellmuth Bethe. (1) Dabei schilderte Kunkel die Entwicklung der letzten Jahre und druckte eine Verbreitungskarte mit 38 Sammlungen ab, die den "Anspruch" erhoben, "'Museen' zu sein". Insgesamt konstatierte er realistisch, aber mit einer Art liebevoller Anteilnahme des selbst Beteiligten, daß das pommersche Museumswesen sich "spät, bescheiden und einseitig entwickelt" habe. Einen noch sehr viel weiter ausholenden, umfassenden und die pommersche Museumsgeschichte bis 1945 in gewisser Weise abschließenden Beitrag publizierte Kunkel fast vierzig Jahre später. (2)

In der ausführlich auf die jeweiligen Bestände ein- und auf eine Umfrage zurückgehenden Auflistung von Bethe aus dem Jahre 1933 finden sich einige Sammlungen, die in der nachfolgenden Bibliographie mangels eigenständiger Literaturtitel nicht auftauchen, nämlich Rummelsburg, Bublitz, Greifenhagen, Werben und Gartz a. d. O. Ein 1930 gegründetes Kreisheimatmuseum in Bütow taucht auf der Karte von Kunkel auf, wird jedoch von Bethe nicht erwähnt; Literatur konnte ebenfalls noch nicht nachgewiesen werden.
Zur weiteren Entwicklung (1) der auf DDR-Gebiet gelegenen Museen sei beispielhaft auf das hundertjährige Jubiläum des Kulturhistorischen Museums Stralsund hingewiesen, dessen Geschichte von Käthe Rieck im Anschluß an Fritz Adler beschrieben wurde. (3) In jüngster Zeit hat Gerlinde Dörries eine Bestandsaufnahme der Museen in Vorpommern erstellt. (4)

Es ist im wesentlichen das Verdienst von Rita Scheller, daß die Museen und Sammlungen sowie ihre volkskundlichen und Kunst-Bestände in den zu Polen gehörigen pommerschen Gebieten wieder ins Bewußtsein auch der deutschen Museologie gehoben wurden. (5) Die ausführlichen Hinweise Schellers auf die polnische Literatur zu den teilweise sehr früh einsetzenden Aktivitäten der Museen Alt-Ostpommerns (6) machen deutlich, wie wichtig eine Zusammenschau unter Einschluß der letzten 50 Jahre geworden ist. Dabei sollte nicht der Fehler gemacht werden, die ehemals deutschen Heimatmuseen aus ihrem heutigen polnischen gesellschaftlichen und kulturellen Kontext herauszulösen, in dem sie auch im nationalen Museumsverbund existieren. (7) Die Zusammenschau gemeinsam mit der polnischen Museums-Ethnographie nicht nur, aber auch in bibliographischer Form anzugehen, erscheint lohnenswert und machbar. (8)


Anmerkungen:
(1) Siehe Bibliographie unter: Allgemeines. Kurz zuvor charakterisierte auch Martin Wehrmann in zusammenfassender Absicht einige ihm bekannte Museen (ders.: Die landesgeschichtliche Forschung in Pommern von 1920 bis 1930. In: Pommersche Heimatpflege 2 [1931], S. 85-94, hier S. 86).

(2) Otto Kunkel: Aus der Geschichte des Pommerschen Museumswesens. In: Baltische Studien N. F. 58 (1972), S. 77-113.

(3) Käthe Rieck: Das Kulturhistorische Museum in Stralsund 1858-1958. In: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde 5 (1959). Dies.: 100 Jahre Kulturhistorisches Museum in Stralsund. In: Greifswald-Stralsunder Jahrbuch l (1961), S. 122-148.

(4) Gerlinde Dörries: Volkskundliche Sammlungen in Vorpommern. In: Vorpommern. Geschichte, Sprache, Volkskultur. Rostock, Stralsund 1991, S. 42-51. Die benachbarten mecklenburgischen Sammlungen thematisierte Wolf Karge: Städtische volkskundliche Sammlungen in Museen Mecklenburgs. In: TOP 3. Berichte der Gesellschaft für Volkskunde in Schleswig-Holstein. Rendsburg 1992, S. 27-31. Vgl. allgemein H. A. Knorr (Hg.): Handbuch der Museen und wissenschaftlichen Sammlungen in der Deutschen Demokratischen Republik. Halle/Saale 1963.

(5) Rita Scheller: Museen in Pommern östlich der Oder und in Stettin. Bericht über den gegenwärtigen Zustand. In: Baltische Studien N. F. 72 (1986), S. 71-85. Vgl. auch dies.: Aus Schutt und Trümmern wiedererstanden - Wiedersehen mit Museen in Pommern. In: Der gemeinsame Weg 8 (1977), Heft 4, S. 40f.

(6) Vgl. insbesondere die Berichte und Abhandlungen im Jahrbuch des Stettiner Museums: Materiały Zachodniopomorskie in den 50er und 60er Jahren; deutsche Titelnennungen bzw. Rezensionen in den Baltischen Studien.

(7) Vgl. etwa Stanisław Lorentz: Museen und Sammlungen in Polen. Warszawa 1973 [Leipzig 1974]. Władisław Filipowiak: Das Nationalmuseum in Szczecin. In: Museumskunde 41 (1972), S. 151-169. Maria Znamierowska-Prüfferowa: Ethnographie museum collections in Poland. Wrosław 1966. Open-air museums in Poland. Poznań 1981.

(8) Im November 1993 veranstaltete das Pommern-Zentrum in Lübeck-Travemünde ein erstes Seminar für Museologen aus der grenzüberschreitenden "Kulturregion Pommern" unter dem Titel: "Pommersche Geschichte im Museum".


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