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Paul Schiemanns Veröffentlichungen in der "Revalschen Zeitung" und "Rigaschen Rundschau"

Erstellt von Michael Garleff und Michael Imhof

Vorwort

Das publizistische Gesamtwerk eines der profiliertesten deutschbaltischen Politiker der Zwischenkriegszeit, des Kurländers Dr. jur. Paul Schiemann (1876-1944), erstreckt sich von der Zarenzeit über die russischen Revolutionen von 1905 und 1917, über die erste Selbständigkeit seiner Heimat Lettland bis in den Zweiten Weltkrieg und umfaßt damit insbesondere die entscheidenden politischen und sozialen Umbrüche der baltischen Region in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Bei relativ wenigen veröffentlichten Büchern oder Sammelwerken bildete die journalistische Arbeit eindeutig den Schwerpunkt seiner publizistischen Tätigkeit - zunächst als Kulturredakteur, dann als Chefredakteur und Verfasser politischer Beiträge im Zusammenhang mit seiner parlamentarischen Arbeit in Lettland sowie im umfassenden Rahmen der europäischen Nationalitätenbewegung. Dem in Deutschland ausgebildeten Juristen war eine Karriere im Staatsdienst seinerzeit nicht möglich gewesen, so daß er sich früh dem Journalismus zuwandte, von dem er "im Grunde immer geträumt hatte: Ein Verteidiger des Rechtes werden, als Journalist, als Advokat, als Abgeordneter, schien mir von je der schönste Beruf", wie er später in seinen Erinnerungen schreiben sollte. (1)

Dieser Schwerpunkt seiner jahrzehntelangen publizistischen Tätigkeit, die ihren Niederschlag in einer erheblichen Menge von Zeitungsbeiträgen in baltischen, deutschen sowie anderen europäischen Organen fand, ist bisher nur ansatzweise erfaßt und der Forschung zugänglich gemacht worden. In Fortschreibung und Ergänzung eines ersten bibliographischen Überblicks (2) werden in der folgenden Teilbibliographie Paul Schiemanns Beiträge in der "Revalschen Zeitung" von Michael Garleff und in der "Rigaschen Rundschau" von Michael Imhof erfaßt.

Im Dezember 1903 trat Schiemann die Stelle als zweiter Redakteur an der "Revalschen Zeitung" (3) unter dem Herausgeber und verantwortlichen Redakteur Christoph Mickwitz (1850-1924) an (4), war von Mai bis Juli 1906 allein verantwortlich und wechselte im Juli 1907 an die "Rigasche Rundschau". Besonders zu Anfang überwiegend mit dem Feuilleton befaßt, nutzte Schiemann angesichts der Zensurverhältnisse im Vorkriegsrußland dieses Terrain, um vor allem in seinen Theaterkritiken vehement Stellung auch zu allgemein-politischen und sozialen Fragen zu nehmen - denn, wie er pointiert formulierte: "Selbständige Artikel gab es nur im Feuilleton, vor allem in der Form von Theaterkritiken und Bücherbesprechungen", was ihm die Möglichkeit eröffnet habe, "Dinge zu sagen, die etwa in der Form des Leitartikels zu veröffentlichen, vollständig ausgeschlossen erscheinen mußte". (5) Über die selten mit vollem Namen gekennzeichneten, meist mit dem Sigel "Sch" versehenen Beiträge hinaus muß Schiemann aber als Verfasser zahlreicher weiterer Artikel gelten, wie aus seinen Erinnerungen hervorgeht. Solche Beiträge wurden daher ebenfalls in die folgende Aufstellung mit dem Vermerk "ungezeichnet" aufgenommen, ihre Erfassung erfolgte anhand der in der Bibliothek der Estnischen Akademie der Wissenschaften in Tallinn/Reval vorhandenen Originalausgaben der Zeitungen.

Für Paul Schiemanns Tätigkeit als Chefredakteur der "Rigaschen Rundschau" stellt sich die Quellenlage günstiger dar: In jahrelanger Arbeit hat sein ehemaliger Mitarbeiter Hans Donath die Leitartikel, Reden und Aufsätze einschließlich der Theaterkritiken gesammelt und in den Jahren 1980 bis 1986 überwiegend teils in maschinenschriftlicher Abschrift, teils in Photokopien in insgesamt 10 Bänden kommentiert veröffentlicht. (6) Diese mühevolle Arbeit sollte ein möglichst umfassendes Bild des schriftstellerischen Gesamtwerks bieten, das Interesse an den damaligen Problemen gerade auch in ihren heutigen aktuellen Bezügen wecken und nicht zuletzt eine Hommage an die Persönlichkeit Schiemanns sein. Was Donath damit als überaus verdienstvolle Leistung eines einzelnen vorgelegt hat, wurde der folgenden Bibliographie zugrunde gelegt und in mancher Hinsicht ergänzt. Mit Hilfe der von der Bibliothek des Instituts für Auslandsbeziehungen in Stuttgart freundlicherweise zur Verfügung gestellten Mikrofilme der entsprechenden Jahrgänge der "Rigaschen Rundschau" konnten folgende Aspekte überarbeitet und ergänzt werden:

  • Die Fundstellen wurden bibliographisch neu aufgenommen, vereinheitlicht und vervollständigt.
  • Für die Wiedergabe bei Donath werden jeweils Band- und Seitenzahlen genannt, z.B. "Donath: 2/350-354".
  • Insgesamt konnten 114 in der Sammlung von Donath fehlende Beiträge ermittelt werden.
  • Es erfolgen ergänzende Hinweise auf die Wiedergabe (Vollständigkeit, Lesbarkeit) besonders der Kopien.
  • Eine durchgängig chronologische Anordnung ergibt nunmehr ein vollständiges zeitliches Register.


Es wurden erfaßt Leitartikel, Kommentare, kommentierende Berichte zu lokalen und regionalen Ereignissen, Rezensionen von Büchern und Theateraufführungen sowie Nachrufe. Im Unterschied zur Sammlung von Donath wurde die Wiedergabe von Parlamentsreden nicht aufgenommen, weil für diesen Bereich inzwischen mit den gedruckten Parlamentsprotokollen eine authentische Quelle zur Verfügung steht. Beiträge anderer Autoren, von denen Schiemann erwähnt wird, sind nicht verzeichnet. Es wurden nur eindeutig zuzuordnende Artikel aufgenommen, die mit seinem vollständigen Namen oder mit wechselnden Siglen gekennzeichnet sind: also entweder "Von Paul Schiemann" nach dem Titel oder am Ende eines Beitrags "Paul Schiemann", "Dr. jur. Paul Schiemann", "P. Schiemann", "Dr. P.S.", "P.S." sowie "ps". Sofern Erläuterungen notwendig schienen, wurden diese durch eckige Klammern [...] gekennzeichnet.

In dem zugrundeliegenden Mikrofilmbestand ergaben sich Lücken bei Einzelausgaben für Januar bis April und Juli bis November 1923, Januar 1924 sowie Juli bis September 1928. Die vorliegende Erarbeitung der Teilbibliographie der Artikel Paul Schiemanns in der "Rigaschen Rundschau" 1920-1933 erfolgte aufgrund einer der Baltischen Historischen Kommission großzügig von Professor Dietrich A. Loeber, Hamburg, gewährten Forschungsspende, wofür ihm ein besonderer Dank gebührt. Für freundliche Unterstützung der Arbeit am Gesamtprojekt gilt unser Dank ferner dem Leiter der Bibliothek des Instituts für Auslandsbeziehungen, Stuttgart, Herrn Udo Roßbach, sowie den Mitarbeiterinnen der Bibliothek der Estnischen Akademie der Wissenschaften in Tallinn/Reval.

 

Anmerkungen:
(1) Paul Schiemann: Zwischen zwei Zeitaltern. Erinnerungen 1903-1919. Bearbeitet von Helmut Kause (Schriftenreihe der Carl-Schirren-Gesellschaft, Bd. 3). Lüneburg 1979, S. 14.

(2) Michael Garleff: Deutschbaltische Publizisten: Ewald Ammende - Werner Hasselblatt - Paul Schiemann. In: Berichte und Forschungen 2 (1994), S. 189-229; hier: S. 215-229. Hier auch eine geraffte Biographie Schiemanns. - Dort noch nicht enthalten: Dītrihs Andrejs Lēbers: Pauls Šimanis un nacionālais jautājums mūsdienās. In: Latvijas vēstures instituta žurnāls 1994, Nr. 2 [11], S. 97-102. [Zusammenfassung S. 102: Dietrich A. Loeber: Paul Schiemann und die nationale Frage heute]. - Dītrihs Andrejs Lēbers [Loeber]: Paulam Šimanim veltītās piemiņas plāksnes atklāšana Rīgā 1994. gada 11. jūnijā [Die Enthüllung einer Gedächtnisplakette für Paul Schiemann in Riga am 11. Juni 1994]. In: Latvijas vēsture 1994, Nr. 3 [14], S. 68f. - Andris Levans: Paul Schiemann. Im Namen des Rechts. In: Baltische Briefe 47 (1994), Nr. 6 [548], S. 1f.

(3) Vom 25.-27.10.1905 erschien die Revalsche Zeitung wegen "ungeklärter Vorfragen in Zensurangelegenheiten" nicht; vgl. Extra Morgen-Ausgabe vom 25.10.1905.

(4) Schiemann veröffentlichte ab Oktober 1906 "sehr lebhafte Berichte" über die Sitzungen des estländischen Provinzialrats, denen er allen beiwohnte; vgl. Erinnerungen, S. 78.

(5) Schiemann: Erinnerungen (wie Anm. 1), S. 27, 31.

(6) Paul Schiemann: Leitartikel, Reden und Aufsätze in Auswahl. Hg. und kommentiert von Hans Donath. Frankfurt am Main 1980-1986. Vgl. Garleff: Publizisten (wie Anm. 2), S. 224f., Nr. 129-138.

 

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Erschienen in: Berichte und Forschungen Band 6 (1998), S. 7-75

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