Laufende Projekte

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Forschungslage

Die Erforschung von Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen besitzt sowohl in historischer Perspektive als auch gegenwärtig eine hohe Relevanz. Über Jahrhunderte haben sie die Geschichte des Russländischen Reichs, der Sowjetunion sowie ihrer Nachfolgestaaten mitgeprägt, und heute leben rund drei Millionen Russlanddeutsche in der Bundesrepublik Deutschland. Zugleich steht diese große zahlenmäßige Bedeutung in Diskrepanz zu dem geringen Wissen der Gesellschaft über die Russlanddeutschen – ein Umstand, den das BKGE durch eine kontinuierliche Beschäftigung mit der Thematik verbessern möchte.

Die bisherige Forschung zur Geschichte der Russlanddeutschen hat sich in erster Linie mit der Aufarbeitung der großen historischen Zäsuren beschäftigt. Diesen Studien verdanken wir grundlegende Erkenntnisse sowie die Edition wichtiger Schlüsseldokumente. Zugleich mangelt es jedoch an einer Öffnung der Perspektive in Gestalt einer Einordnung der russlanddeutschen Geschichte in größere Zusammenhänge. Eine Einbettung in aktuelle Fragen der Migrations- und Identitätsforschung steht ebenso aus wie der Vergleich mit der Historie anderer Minderheiten. Erst ein solcher Ansatz ermöglicht es jedoch, das Gemeinsame, aber auch die Spezifika der russlanddeutschen Geschichte zu benennen.

Karl Stumpp (1896-1982)

Die Analyse der von der Landsmannschaft der Deutschen in Russland herausgegebenen Heimatbücher ist fortgeführt worden. Zugleich wurde das Forschungsprojekt als Ergebnis vielfältiger Diskussionen mit einschlägig ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erweitert: Ziel ist nun die Erarbeitung einer biographischen Studie zu Karl Stumpp (1896-1982). Karl Stumpp ist bis heute die zentrale Figur der russlanddeutschen Geschichtsschreibung, ihm kam sowohl in der Zwischenkriegszeit als auch nach 1945 eine Schlüsselrolle bei der Konstituierung des Forschungsfeldes und bei der Gründung der russlanddeutschen Interessensorganisationen zu. Zugleich leitete er nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion das "Sonderkommando Dr. Stumpp", das 'rassische' Erfassungen der Bevölkerung in der besetzten Ukraine durchführte. Eine fundierte biographische Arbeit zu seiner Person stellt nach wie vor ein eklatantes Desiderat der Forschung dar, das mit dem Projekt geschlossen werden soll.

Tagung: "Russlanddeutsche in einem vergleichenden Kontext: Neue Perspektiven der Forschung"

Neben der Bearbeitung zentraler Themen sieht es das BKGE zudem als seine Aufgabe an, die Vernetzung der verschiedenen Forschungsstränge zu befördern und Impulse für neue Projekte zu geben. Zu diesem Zweck veranstaltete das BKGE in Zusammenarbeit mit der Universitat Osnabrück und dem Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa (IKGN) in Lüneburg eine Tagung zu Stand und Perspektiven der Forschung unter dem Titel "Russlanddeutsche in einem vergleichenden Kontext: Neue Perspektiven der Forschung". Ziel war, zentrale Desiderate zu benennen und Perspektiven zu ihrer Bearbeitung zu eröffnen.

Juniorprofessur für "Migration und Integration der Russlanddeutschen"

Im Rahmen des "Förderschwerpunkts Russlanddeutsche" wird seit 2014 die Juniorprofessur für "Migration und Integration der Russlanddeutschen" an der Universität Osnabrück (Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien, IMIS) von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

Interdisziplinärer Workshop

Vertreter aus Wissenschaft und Kulturvermittlung kamen im Dezember 2012 im BKGE zu einem interdisziplinären Workshop zusammen, um über fachliche Desiderate sowie Zukunftsperspektiven bei der Förderung von Kultur und Geschichte der Russlanddeutschen zu diskutieren.

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
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