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BKGE | Projekte |  Nationale Bewegung und internationale Politik im transnationalen Spannungsfeld zwischen Österreich-Ungarn, Rumänien und Serbien 1901–1916

Das Forschungsprojekt untersucht den Einfluss der rumänischen und der serbischen Nationalbewegung auf die politischen Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn einerseits und Rumänien bzw. Serbien andererseits im Vorfeld des Ersten Weltkriegs.

In den südöstlichen Gebieten des Habsburgerreiches entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts unter anderem eine rumänische und eine serbische Nationalbewegung. Diese Nationalbewegungen knüpften in ihrem Kampf um politische Selbstbestimmung Verbindungen zur politischen Elite in den benachbarten Königreichen Rumänien und Serbien. In Gestalt der Siebenbürgischen Frage gewann die rumänische Nationalbewegung in Ungarn zwischen der Berufung des nationalliberalen Kabinetts Sturdza in Bukarest im Jahre 1901 und dem Eintritt Rumäniens in den Ersten Weltkrieg an der Seite der Entente-Mächte 1916 ein bedeutendes internationales Gewicht. Parallel dazu führte der Dynastiewechsel in Serbien von den Obrenovićs zu den Karađorđevićs im Jahre 1903 zu einem Wechsel in der außenpolitischen Orientierung Belgrads. Im Zuge der neuen russlandfreundlichen Politik Serbiens erlangte die Südslawische Frage in der Habsburgermonarchie bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 eine zentrale außenpolitische Bedeutung.

Bezogen auf die Wahrnehmungs- und Handlungsmuster der Politiker und Diplomaten im Kontext der Siebenbürgischen und der Südslawischen Frage sollen die Einflüsse der beiden Nationalbewegungen auf die politischen Beziehungen zwischen Wien, Budapest, Bukarest und Belgrad miteinander verglichen und die Verbindungen zu den Nationalbewegungen der Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben herausgearbeitet werden. Die Arbeit versucht damit, die Konzepte der Vergleichs- und Beziehungsgeschichte zu kombinieren. Es wird gefragt, ob der Stellenwert der Nationalen Frage in den politischen Beziehungen zwischen Wien und Bukarest ein anderer war als derjenige in den Beziehungen zwischen Wien und Belgrad. Das Auftreten nichtstaatlicher, international handelnder Akteure im Rahmen der Nationalbewegungen auf beiden Seiten der habsburgischen Südostgrenze unterstreicht die Notwendigkeit der Berücksichtigung transnationaler Perspektiven auf die „Internationale Geschichte“. Als Quellengrundlage dienen von der Forschung größtenteils noch nicht ausgewertete und in Bezug zueinander gesetzte Bestände aus Wiener, Budapester, Bukarester und Belgrader Archiven.

Projektbearbeiter: Dr. Dr. Gerald Volkmer

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