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Böhmen

Historische Landschaft in Mitteleuropa, ein von Böhmerwald/Šumava, Erzgebirge/Krušné hory, Sudeten/Sudety und Böhmisch-Mährischer Höhe/Českomoravská vrchovina umgebenes Plateau, das von Elbe/Labe und Moldau/Vltava entwässert wird. Der Name soll auf die keltischen Boier zurückgehen. Unter den Anfang des 6. Jahrhunderts eingewanderten slawischen Stämmen wurden im 9.-10. Jahrhundert die von den Přemysliden beherrschten Tschechen führend. Böhmen gehörte bis 907 zum Großmährischen Reich, nach Annahme des Christentums zur Zeit Wenzels I. des Hl. (921-929) erfolgte eine Annäherung an das Heilige Römische Reich ab 929. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurden Mähren und Schlesien mit Böhmen vereinigt.

1198 erhielt Ottokar I. Přemysl (1198-1230) die erbliche Königswürde, 1290 wurde Böhmen Kurfürstentum. Die Přemysliden förderten im 12.-13. Jahrhundert Landesausbau und Städtegründungen durch deutsche Siedler. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden das Egerland, die Oberlausitz und die Lehnshoheit über Schlesien gewonnen. Unter Kaiser Karl IV. (böhmischer König 1347-1378), der in Prag residierte, erlebte das Land eine Blütezeit (1348 Gründung der Karlsuniversität, der ersten Hochschule im östlichen Europa). Sein Sohn, Kaiser Sigismund von Luxemburg (böhmischer König 1419-1437), wurde durch die Hussitenkriege (1419-1434) geschwächt, die das Land verwüsteten; es erstarkte erst unter Georg von Podiebrad (1458-1471). Unter Matthias Corvinus (1469 in Olmütz zum böhmischen König gewählt) wurde Böhmen mit Ungarn verbunden, ab 1526 gehörte es zum habsburgischen Österreich.

Nach der Reformation (1575 "Confessio Bohemica") kam es zur Zuspitzung der konfessionellen Gegensätze, die 1618 zum Böhmischen Aufstand und in dessen Folge zum Dreißigjährigen Krieg führten. Kaiserliche Siege förderten die Gegenreformation. Von den böhmischen Nebenländern ging die Lausitz 1635 an Kursachsen, Schlesien 1742 an Preußen verloren. Maria Theresia (1740-1780) behauptete Böhmen im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-1745). Im Vormärz entstand die tschechische Nationalbewegung, die in der Revolution 1848/49 politisch hervortrat. Durch das neue Zensuswahlrecht von 1880 ging die Mehrheit im Landtag von den Deutschen auf die Tschechen über. Diese beanspruchten die Alleinherrschaft und erstrebten im österreichischen Gesamtstaat eine föderalistische Verfassung. Wiederholte Versuche eines nationalen Ausgleichs scheiterten.

Im Herbst 1918 ging Böhmen in der neu gegründeten Tschechoslowakei (ČSR) auf. Die seit dem Mittelalter hier lebenden Deutschen (Deutschböhmen, ab 1919 auch als Sudetendeutsche bezeichnet) forderten Minderheitenrechte und Selbstverwaltung. Die daraus erwachsenen Nationalitätenprobleme der ČSR wurden von Hitlerdeutschland 1938 instrumentalisiert, um die "Sudetenkrise" zu provozieren und die Abtrennung des "Sudetenlandes" zu erzwingen (Münchener Abkommen). 1939 wurde die Tschechoslowakei gewaltsam aufgelöst, das "Reichsprotektorat Böhmen und Mähren" sowie der Satellitenstaat Slowakei gebildet. Ab 1945 wurden die Deutschen aus der Tschechoslowakei fast vollzählig vertrieben, wobei es auch zu Exzessen kam (z. B. Massaker von Aussig).

Wichtigste Städte

Aussig (tschechisch Ústí nad Labem), Budweis (tsch. České Budějovice), Eger (tsch. Cheb), Karlsbad (tsch. Karlovy Vary), Königgrätz (tsch. Hradec Králové), Kuttenberg (tsch. Kutná Hora), Pardubitz (tsch. Pardubice), Pilsen (tsch. Plzeň), Prag (tsch. Praha), Reichenberg (tsch. Liberec), Teplitz-Schönau (tsch. Teplice)

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