Aufgaben und Arbeitsbereiche

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Forschungsprogramm des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (2015-2017)

Vorbemerkung

Das BKGE ist eine Ressortforschungseinrichtung des Bundes im Geschäftsbereich der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Es ist die einzige Einrichtung der BKM mit einem Beratungs- und Dienstleistungsauftrag gegenüber der Bundesregierung. Wesentliches Merkmal der Konzeption von Ressortforschungseinrichtungen ist ihre Aufgabenstellung an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik. Sie manifestiert sich in der Kombination von wissenschaftsbasierten Dienstleistungen, in den hoheitlichen Bereich und Vollzug hineinführenden Aufgaben sowie problemorientierter, praxisnaher und kontinuierlicher Politikberatung. Ressortforschung dient der Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Entscheidungshilfen für die unmittelbare Erfüllung von Fachaufgaben und der Politikberatung. Dies gilt auch für das BKGE.

Unter „wissenschaftsbasierter Politikberatung“ versteht das BKGE den umfassenden Prozess der wissenschaftlich abgesicherten Erhebung und Auswertung von Informationen aus Geschichte und Gegenwart für Entscheidungsträger in Politik und Ministerialverwaltung. Dieser Prozess beruht auf ergebnisoffen, unabhängig und selbstbestimmt durchgeführten ergänzenden Forschungen. Neben längerfristigen Forschungsansätzen muss dabei insbesondere auch kurzfristig abrufbare Beratungskompetenz bereitgehalten werden.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BKGE sind den von der DFG aufgestellten Kriterien „guter wissenschaftlicher Praxis“ verpflichtet. Ihre jeweiligen fachlichen Kompetenzen in den Disziplinen Geschichte, Literatur-/Sprachwissenschaft, Volkskunde/Europäische Ethnologie und Kunstgeschichte/Denkmalpflege werden ergänzt durch einschlägige Kenntnisse der Struktur der Wissenschaftslandschaften im östlichen Europa (Personen, Institute, Museen, Archive, Bibliotheken usw.). Dies umfasst das gesamte inhaltliche Feld des § 96 Bundesvertriebenengesetz sowie auch Fragen transnationaler Geschichtsbetrachtung und europäischer Erinnerungskultur. Fremdsprachenkenntnisse sowie interkulturelle Kompetenzen sind weitere Voraussetzungen für eine qualifizierte Politikberatung. Die akademische Weiterqualifikation wird im Rahmen der Kapazitäten ermöglicht.

Die Forschungen finden Niederschlag in der Bereitstellung wissenschaftsbasierter Dienstleistungen zur Unterstützung der gesetzlichen Aufgaben der Ressorts, insbesondere durch gutachterliche Stellungnahmen, begleitende und vorbereitende Arbeiten im Zusammenhang mit der Entwicklung und Fortschreibung von Konzepten, Informationsauswertung, Publikationen, Durchführung von und Beteiligung an Tagungen, akademischer Lehre, Aktivitäten in universitären und außeruniversitären Vereinigungen und Gremien. Die Ergebnisse der Tätigkeit werden vorrangig in den Publikationen des BKGE (Schriftenreihe, Jahrbuch, Online-Publikationen) veröffentlicht. Das BKGE stellt seine Arbeitsergebnisse adressatenorientiert (Homepage, Pressemitteilungen, Präsentationen usw.) einer größeren Öffentlichkeit vor.

Neben der internationalen wissenschaftlichen Vernetzung – unter anderem durch formelle Kooperationsvereinbarungen – sollen interne und externe Qualitätssicherungsverfahren (Wissenschaftlicher Beirat), externe Evaluierungen sowie die Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft der Ressortforschungseinrichtungen die politische, fachliche und gesellschaftliche Akzeptanz des BKGE als wissenschaftlich gutachtende Einrichtung sichern.

Aufgaben des BKGE

Grundlagen

Der Arbeitsrahmen des BKGE wird abgesteckt von:

  • dem Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge (Bundesvertriebenengesetz [BVFG]), § 96.
    In § 96 BVFG ist ein interdisziplinäres, zeitlich und regional übergreifendes Arbeitsfeld beschrieben, das Aspekte der Geschichte, Kunst, Literatur, Musik, Alltags- und Populärkultur usw. einbezieht. Die darin enthaltene geographische Definition („Vertreibungsgebiete“) verweist auf die pluriethnisch und multikulturell geprägten Regionen Ostmittel-, Ost- und Südosteuropas, in denen Deutsche gelebt haben oder noch heute leben. Das deutsche Kulturerbe dieser Gebiete ist „im Bewusstsein des gesamten deutschen Volkes und des Auslands zu erhalten“. Dieser Gesetzesauftrag bildet den Rahmen für die wissenschaftliche und politikberatende Tätigkeit des BKGE.

  • der Neufassung des Errichtungserlasses für das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa vom 01.07.2016.

  • der Weiterentwicklung der Konzeption der Bundesregierung zur Erforschung, Bewahrung, Präsentation und Vermittlung der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa: "Deutsche Kultur und Geschichte im östlichen Europa. Erinnerung bewahren - Brücken bauen - Zukunft gestalten" (2016).

Forschungsleitlinie

Themen und Inhalte der Ostmitteleuropa- bzw. Osteuropaforschung haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten dynamisch entwickelt. Es entstanden neue Formen und Dimensionen der internationalen Kooperation und des Austauschs. Überlieferte Geschichtsbilder wurden revidiert und neue methodische Konzepte der Transkulturalität erprobt. „Area studies“ unter Berücksichtigung kultureller Wechselbeziehungen haben ebenso an Bedeutung gewonnen wie die Erforschung der Totalitarismen des 20. Jahrhunderts oder die wissenschaftliche Befassung mit kollektiver Erinnerung und nationalen Geschichtskonstruktionen.

Die Forschungsvorhaben des BKGE sind so angelegt, dass die Vernetzung in der scientific community gesichert bleibt. Aktuelle Diskurse und methodische Ansätze werden auf das jeweils spezifische Forschungsfeld übertragen und in Kohärenz zu dem epochal, regional und inhaltlich weit gefassten Beratungsauftrag weiterentwickelt. Dabei fließen die Initiativen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso ein wie Anregungen aus der scientific community und aus dem Wissenschaftlichen Beirat, der die Arbeit des Instituts kontinuierlich begleitet.

Themengenerierung: Neben der für die Ressortforschung konstituierenden „Vorlaufforschung“ bilden einzelne Vorhaben Teilbereiche der Gesamtkonzeption der wissenschaftlichen Arbeit des BKGE ab. Erst das Ineinandergreifen aller Tätigkeiten und Aufgaben des BKGE ergibt eine ausgewogene Verteilung auf die Bereiche Politikberatung, Dienstleistung für Politik und Gesellschaft, Bereitstellung von Informationen sowie ergänzender Forschung einschließlich sog. „Vorlaufforschung“ mit Blick auf anstehende Themen und Beratungsleistungen. Jedes neu aufzunehmende Thema wird darauf geprüft, inwiefern es zur Abrundung der Gesamtkonzeption des BKGE im Sinne einer Ressortforschungseinrichtung beiträgt. Dementsprechend wird das Forschungsprogramm laufend aktualisiert und justiert.

Formale Kriterien für die Generierung neuer Forschungsthemen sind kulturpolitische bzw. gesellschaftliche Aktualität, Nutzer- und Beratungsrelevanz, wissenschaftliche Bedeutung sowie wechselseitige Kohärenz bzw. Komplementarität.

Dies beinhaltet lang-, mittel- und kurzfristig angelegte Forschungsvorhaben, die sich an den Rahmenfragestellungen einer zeitgemäß aufgefassten Regionalgeschichte („Area Studies“) wie auch an zeitgeschichtlichen Fragestellungen zu den Themen Diktaturerfahrung und (Zwangs-)Migrationen sowie Erinnerungs- und Gedächtnisforschung orientieren. Vor allem im Hinblick auf die wissenschaftlich basierte Politikberatung des BKGE finden historisch, politisch und gesellschaftlich relevante Jahrestage und Jubiläen in der Arbeit des BKGE Berücksichtigung. Zu den genuinen Aufgaben des BKGE gehören zudem die Bereitstellung von Dokumentationen sowie im Bereich der Grundlagenforschung die Erschließung von Quellen und Archivalien.

Die Einwerbung von Drittmitteln fördert und sichert die wissenschaftliche Kompetenz einer Ressortforschungseinrichtung. Das BKGE setzt sich kontinuierlich für die Akquirierung von zusätzlichen Drittmitteln zur Realisierung von Projekten ein.

Forschungsprogramm 2015-2017

Das Forschungsprogramm des BKGE ist in fünf Abteilungen gegliedert:

  • Dokumentation und Bereitstellung von Informationen
  • An aktuelle gesellschaftliche Themen oder politische Entwicklungen anschließende Forschungen
  • Regionalgeschichtlich orientierte Forschungen („Area Studies“)
  • Koordinierung und fachliche Mitarbeit im Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität
  • Nachwuchsförderung: Akademische Lehre, Stipendium, Praktikanten.

 

1. Dokumentation und Bereitstellung von Informationen

Dokumentation, Erhebung und Aufbereitung von Informationen gehören zu den Kernaufgaben des BKGE und sind für die Politikberatung wie für die wissenschaftliche Vernetzung des BKGE notwendig. Das BKGE muss in der Lage sein, kurzfristig, kompetent und neutral zu beraten, damit Politik und Verwaltung zeitnah auf aktuelle Fragestellungen reagieren können. Diesen Auftrag erfüllt das BKGE durch die Bereitstellung von Informationen zu wissenschaftlichen Einrichtungen, zu Publikationen, methodischen Diskursen usw. Folgende Vorhaben werden im Rahmen dieser Abteilung realisiert:

Online-Lexikon „Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“
Das Online-Lexikon bietet Informationen zu Ländern, Regionen, Orten, Themen und Konzepten mit Bezug zu Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Es erschließt für den gesamten Förderbereich relevante Themen in methodisch zeitgemäßer und technisch innovativer Form. Das Online-Lexikon dokumentiert aktuelle Forschungsstände sowie neuere Literatur und vernetzt das BKGE mit einem internationalen Expertenkreis. Das Lexikon wird in Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg erarbeitet und auf der Homepage der Universität präsentiert. Als Autorinnen und Autoren sind derzeit ca. 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus zahlreichen Ländern beteiligt. Das Lexikon soll kontinuierlich aktualisiert und vervollständigt werden.

Erschließung von Archivalien und Quellen zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
Die dem BKGE in der Konzeption 2000 übertragene Archivalien- und Quellenerschließung ist Teil von Grundlagenforschung. Das in internationaler Zusammenarbeit durchgeführte Langzeitprojekt basiert auf eigenen Forschungen sowie auf der Anregung und Unterstützung durch in- und ausländische Partner. Das BKGE publiziert die Ergebnisse in Absprache mit dem Bundesarchiv laufend in Form von Übersichten („Wegweiser“) über Archive und Archivbestände. In Vorbereitung sind der „Archivführer zur Geschichte der Deutschen in Kronstadt und dem Burzenland“ sowie in Kooperation mit der Universität Passau ein „Wegweiser zu den Quellen der Deutschen in russischen Archiven“.

 

2. An aktuelle gesellschaftliche Themen oder politische Entwicklungen anschließende Forschungen

Das BKGE leistet Beiträge zu den für die Förderung der BKM relevanten Jubiläen und Jahrestagen. Es reagiert ferner auf Veränderungen bzw. Wandlungen im Förderbereich durch entsprechende Themensetzungen. Dies geschieht sowohl durch eine entsprechende Beratung der BKM und der BKM-geförderten Einrichtungen wie durch die Konzeption und Realisierung eigener Vorhaben.

Russlanddeutsche Geschichte
Geschichte und Kultur der Deutschen in und aus Russland sind ein wichtiger werdendes Thema der historischen deutsch-russischen Beziehungen wie auch der Wissenschaftskooperation. Das Themenfeld, für das es Zuständigkeiten bei der BKM, im BMI und im AA gibt, hat durch die nach 1990 intensive Zuwanderung von Russlanddeutschen in die Bundesrepublik Deutschland verstärkte gesellschaftliche Bedeutung gewonnen. Zu diesem Thema werden das Tagungs- und Publikationsprojekt „Russlanddeutsche Erfahrungen in einem vergleichenden Kontext. Perspektiven der Forschung“ sowie das Forschungsprojekt „Heimatbücher der Russlanddeutschen“ durchgeführt.

Die Förderung nationaler Minderheiten im östlichen Europa durch auswärtige Staaten im Vergleich
Im Rahmen dieses in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität durchgeführten Vorhabens ist eine internationale Konferenz zum Projektthema (Berlin 2016 oder 2017) geplant. Auf der Veranstaltung sollen die von den Staaten praktizierte Minderheitenförderung analysiert, Kriterien für deren Vergleich herausgearbeitet und Perspektiven für künftige Entwicklungen und weitere Forschungen eröffnet werden. Das Thema sollte multidisziplinär durch die Einbeziehung von Historikern, Politik- und Rechtswissenschaftlern, Soziologen, Ethnologen oder Linguisten analysiert werden. Neben Wissenschaftlern sollen auch Vertreter der zuständigen Ministerien, der Politik, Medien, Verbände, kulturellen Einrichtungen und Mittlerorganisationen in die Diskussion einbezogen werden.

Apologeten der Vernichtung oder „Kunstschützer“? Kunsthistoriker der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg
Ausgangspunkt des international angelegten Kooperationsprojekts ist die von Paul Clemen herausgegebene und von deutschen und österreichischen Kunsthistorikern und Denkmalpflegern verfasste Publikation „Kunstschutz im Kriege“ (2 Bde., Leipzig 1919), die den Vorwurf „deutscher Barbarei“ in der Kriegsführung widerlegen sollte. Während zu den Aktivitäten des „Kunstschutzes“ in Belgien und Frankreich bereits Forschungsergebnisse vorliegen, fehlen sie für die Regionen Ostmittel- und Südosteuropas fast gänzlich. Das Projekt will in vergleichender Perspektive untersuchen, welche Forschungsinteressen die Kunsthistoriker der Mittelmächte auf den verschiedenen europäischen Kriegsschauplätzen leiteten, welche Schutz- und Wiederaufbaumaßnahmen sie tatsächlich initiierten, ob und in welcher Form es zu Kooperationen mit Fachkollegen in den jeweiligen Ländern kam. Zu fragen ist dabei auch nach gegenläufigen Konzepten bzw. Interferenzen mit Wiederaufbauprojekten nach Kriegsende, beispielsweise in Polen.

Geschichtspolitisch relevante Jubiläen und Jahrestage
Die für die Bundesregierung geschichtspolitisch relevanten Jubiläen und Jahrestage werden durch das BKGE wissenschaftlich begleitet. Derzeit bearbeitet bzw. vorbereitet werden:

  • 2015: 70. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs einschließlich der Befreiung der Konzentrationslager
  • 2016: Breslau als „Kulturhauptstadt Europas“;
  • 2017: Im Rahmen der von der Bundesregierung initiierten, bis zum Jubiläumsjahr 2017 reichenden „Reformationsdekade“ sind folgende Vorhaben geplant: Publikation der Ergebnisse der Tagung im BKGE über Jan Hus (2014-16); zwei Jahrbücher mit Themenschwerpunkt „Reformation“ (2014 und 2015); Vorbereitung der internationalen Tagung „Der Luthereffekt im östlichen Europa“ in Berlin 2016 zusammen mit weiteren Partnern. Ferner beteiligt sich das BKGE aktiv an dem im Rahmen des Reformationsjubiläums an der Universität Oldenburg durchgeführten Projekt „Freiheitsraum Reformation“, in das die vorstehend erwähnten Aktivitäten größtenteils integriert sind.
  • 2017: 100. Jahrestag der Oktoberrevolution in Russland.
  • 2019/20 100. Jahrestag der Pariser Friedensverträge (Versailles, Saint-Germain, Trianon)
  • 2024: 300. Geburtstag von Immanuel Kant

 

3. Regionalgeschichtlich orientierte Forschungen („Area Studies“)

Im Mittelpunkt der Tätigkeit des BKGE stehen Regionen des östlichen Europa, in denen Deutsche mit Angehörigen anderer Völker und Kulturen zusammengelebt haben (ehemalige deutsche Reichsgebiete östlich von Oder und Lausitzer Neiße sowie Siedlungsgebiete in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa). Ihre Erforschung auf der Grundlage aktueller Fragestellungen dient sowohl der Kenntniserweiterung als auch dem fachlichen Austausch mit Forschungseinrichtungen und Akteuren, die sich heute vor Ort mit diesen Regionen befassen.

„Regionen des östlichen Europas im 20. Jahrhundert“
Im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen dem BKGE und dem Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität wurde ein Akzent auf die Thematik „Regionen des östlichen Europas im 20. Jahrhundert“ gelegt. Veranstaltet wurden drei thematisch aufeinander abgestimmte Tagungen, deren Ergebnisse in der Schriftenreihe des BKGE (zugleich in der des EN) in einer dreibändigen Serie veröffentlicht werden. Der Band „Nationalsozialismus und Regionalbewusstsein im östlichen Europa. Ideologie – Machtausbau – Beharrung“ soll dieses Projekt abschließen. Die Serie umfasst das europäische 20. Jahrhundert und geht insbesondere der Veränderbarkeit bzw. Beharrung von Regionen und kulturellen Landschaften durch politische und soziale Einflußnahmen sowie durch kulturelle Prägungen nach (Projektlaufzeit 2011-2016).

Deutsch-polnisches Forschungsprojekt „Entwicklung und Entfaltung des Verlagswesens in Breslau 1800–1945. Grundlagen, Programm, Wirkung“
Die Erforschung der Verlagsgeschichte Breslaus bildet ein Desiderat der regionalen Kulturgeschichtsforschung. Die moderne Wissensgesellschaft ist essentiell geprägt von wirtschaftlichen, verlagspolitischen und distributiven Voraussetzungen für die Verbreitung von Kultur, Wissenschaft sowie populären Lesestoffen. Die Ermittlung von Parametern für eines der bedeutendsten Verlagszentren Deutschlands mit ca. 320 Verlagen im genannten Zeitraum lässt nicht nur Rückschlüsse auf Wissenschaft und Kunst zu. Auch Aspekte der Sozial-, Politik- und Mentalitätsgeschichte Breslaus werden im regionalen Kontext wie im nationalen und übernationalen Zusammenspiel sichtbar. Die Verlagsgeschichte Breslau soll in bilateraler Zusammenarbeit dargestellt werden. (Projektlaufzeit 2012-2016).

Deutsch-polnisches Forschungsprojekt „Architektur der Moderne in Breslau und Schlesien 1900–1939“
Ausgangspunkt dieses Langzeitprojekts des BKGE und des Architekturmuseums in Breslau (Muzeum Architektury we Wrocławiu) ist die Analyse des Baugeschehens in Breslau, das im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eines der Zentren innovativer Architektur in Europa war. Es leistet Grundlagenforschung, indem es die historischen Planmaterialien des Bauarchivs der Stadt Breslau auswertet. Teilergebnisse wurden bereits in mehreren Publikationen und Ausstellungen präsentiert. Arbeitsschwerpunkt bis 2016 ist die Realisierung einer Ausstellung zum Projektthema, die während des Kulturhauptstadtjahrs in Breslau 2016 gezeigt werden soll, sowie eines wissenschaftlichen Katalogbandes.

„Die ‚Gesamtschlesische Stammlandbewegung‘ und die ‚Großfriesische Bewegung‘ der 1920er/1930er Jahre“
Das Projekt behandelt parallele ethnoregionale Entwicklungen in der Zwischenkriegszeit. Die Gesamtschlesische Stammlandbewegung organisierte zwischen 1925 und 1933 Schlesische Kulturwochen an wechselnden Orten entlang der deutsch-tschechoslowakischen Grenze, um so alldeutsche Anschlusstendenzen zu manifestieren. Ab 1925 trafen sich – wenn auch in unregelmäßigeren Intervallen – Vertreter der Nord-, Ost- und Westfriesen aus Deutschland und den Niederlanden zu Großfriesischen Kongressen. Beide Bewegungen banden Wissenschaft, Literatur, Bildende Kunst, Jugendarbeit, Bauernarbeit und Volksbildung mit ein und waren völkischen Paradigmen verpflichtet. Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden vor dem Hintergrund politik-, diplomatie-, sozial-, kultur- und mentalitätsgeschichtlicher Überlegungen erarbeitet. (Projektabschluss 2016; zugleich Habilitationsprojekt Weger).

„Nationale Bewegung und internationale Politik im transnationalen Spannungsfeld zwischen Österreich-Ungarn, Rumänien und Serbien 1901–1916“
Das Projekt untersucht den Einfluss der rumänischen und der serbischen Nationalbewegung auf die politischen Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn einerseits und Rumänien bzw. Serbien andererseits im Vorfeld des Ersten Weltkriegs. Bezogen auf die Wahrnehmungs- und Handlungsmuster der Politiker und Diplomaten im Kontext der Siebenbürgischen und der Südslawischen Frage sollen diese Einflüsse miteinander verglichen und die Verbindungen zu den Nationalbewegungen der Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben herausgearbeitet werden. Das Auftreten nichtstaatlicher, international handelnder Akteure im Rahmen der Nationalbewegungen auf beiden Seiten der habsburgischen Südostgrenze unterstreicht die Notwendigkeit der Berücksichtigung transnationaler Perspektiven auf die „Internationale Geschichte“ (Projektabschluss 2017; zugl. Habilitationsprojekt Volkmer).

 

4. Koordinierung und fachliche Mitarbeit im Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität (EN)

Aufgabe des EN ist die transnationale Erforschung und Vermittlung der Geschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere der Kriege, Diktaturen und Zwangsmigrationen, deren Folgen bis heute gesellschaftlich weiterwirken. Das BKGE vertritt die BKM im Lenkungsausschuss des EN und gewährleistet die entsprechende Fachberatung gegenüber der BKM. In fachlicher Hinsicht kooperiert das BKGE mit dem EN durch Zusammenarbeit u.a. bei Tagungen, Forschungen und Publikationen. Soweit sich zwischen der Aufgabenstellung des BKGE und der des EN Überschneidungen und Synergien ergeben – etwa im Bereich der Zeitgeschichte und hinsichtlich der Thematik Zwangsmigrationen –, arbeitet das BKGE aktiv an Projekten des EN mit.

 

5. Nachwuchsförderung: Stipendium, Akademische Förderprogramme und Lehre, Praktikanten

Der akademische Bereich, in dem die künftigen Multiplikatoren ausgebildet werden, hat für die Gewinnung und Ausbildung des Nachwuchses zentrale Bedeutung. Das BKGE setzt kontinuierlich folgende Vorhaben um:

  • Immanuel-Kant-Stipendium
    Das BKGE fungiert als Geschäftsstelle des jährlich ausgeschriebenen Immanuel-Kant-Promotionsstipendiums. Das BKGE berät Antragsteller und Doktoranden und bietet ihnen ein Diskussions- und Publikationsforum.
  • Akademische Förderprogramme
    Das BKGE begleitet von der BKM aufgelegte Akademische Förderprogramme. Diese beziehen sich auf die Förderung von Projekten, die Implementierung von Juniorprofessuren und die Etablierung mittelfristig geförderter Projektbereiche.
  • Akademische Lehre
    Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligen sich an der akademischen Lehre an Hochschulen im In- und Ausland. Im Durchschnitt soll nicht mehr als eine Lehrveranstaltung pro Semester und Mitarbeiter durchgeführt werden. Zur akademischen Lehre gehört auch die Betreuung von Dissertationen, Magister-, Staatsexamens-, Master-, Bachelor- und Seminararbeiten. Das BKGE ist An-Institut der Universität Oldenburg.
  • Praktika
    Das Praktikumsangebot des BKGE richtet sich an Studierende in- und ausländischer Hochschulen, die sich in den im BKGE vertretenen Disziplinen ausbilden.
Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa
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