An der Ostsee gelegene Region, die die heutigen Staaten Estland, Lettland und Litauen umfaßt. In Livland, Estland und Kurland bildeten die (seit dem 19. Jahrhundert so bezeichneten) Deutschbalten seit der Zeit des Deutschen Ordens die adlige und bürgerliche Oberschicht, während Esten, Letten und Litauer vorwiegend in der Landwirtschaft tätig waren. Seit 1710/1795 bildeten diese Gebiete die Ostseeprovinzen des Russischen Reiches. Der deutschbaltische Großgrundbesitz wurde durch die Agrarreformen in den unabhängig gewordenen Staaten Estland (1919) und Lettland (1920) enteignet. Nach Abschluß des Hitler-Stalin-Paktes von 1939 erfolgte die Umsiedlung der Deutschbalten in damals zum Deutschen Reich gehörende Gebiete, u. a. ins sog. Wartheland.
Das ebenfalls an der Ostsee, nördlich der Memel / Njemen gelegene Memelgebiet gehörte im Mittelalter und in der Neuzeit zu Ostpreußen. Nach dem Ersten Weltkrieg stand es zunächst unter französischer Verwaltung und wurde 1923 von litauischen Freischärlern besetzt. 1924 erhielt Litauen die Souveränität über das Memelgebiet, 1939 fiel es ans Deutsche Reich, 1945 an die zur Sowjetunion gehörende Litauische SSR. Der größte Teil der deutschen Bevölkerung flüchtete im Winter 1944/1945.
Reval (estnisch Tallinn), Dorpat (estn. Tartu), Riga (lettisch Rīga), Wilna (litauisch Vilnius, russisch Wilnjus, polnisch Wilno), Kauen (lit. Kaunas, poln. Kowno), Memel (lit. Klaipėda)
siehe A/2: Geschichte, Volkskunde, Musik
siehe B/12: Literatur und Sprache
siehe C/21-27: Kunstgeschichte